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21.01.2011

06:48 Uhr

Alternative Handelsplattformen

Angriff auf die schöne alte Börsenwelt

VonMichael Maisch, Christian Panster

Das Jahr 2011 könnte für die europäischen Börsen mit einem Paukenschlag beginnen: Die alternative Handelsplattform Bats hat gute Karten im Übernahmekampf um Konkurrentin Chi-X. Für die etablierten Börsen könnte eine Allianz der beiden gefährlich werden.

Eine Fusion der alternativen Handelsplattformen Bats und Chi-X könnte für die etablierten Börsen gefährlich werden. Auch die Deutsche Börse sucht mittlerweile nach neuen Strategien. Quelle: dpa

Eine Fusion der alternativen Handelsplattformen Bats und Chi-X könnte für die etablierten Börsen gefährlich werden. Auch die Deutsche Börse sucht mittlerweile nach neuen Strategien.

LONDON/FRNKFURT. Montag ist ein Feiertag im Frankfurter Vorort Eschborn. Die Deutsche Börse lädt zum Neujahrsempfang; hochrangige Politiker, Banker, Unternehmer – sie alle werden der Einladung von Reto Francioni folgen. Stolz wird der Börsenchef das Glas erheben – auf das Unternehmen, auf die neue Zentrale „The Cube“, die erst vor wenigen Wochen eröffnet wurde. Auf die Zukunft! Doch die sieht möglicherweise ganz anders aus, als Francioni sie sich wünscht.

Denn das Jahr 2011 könnte für die europäischen Börsen mit einem Paukenschlag beginnen: Mark Hemsley, Chef der alternativen Aktienhandelsplattform Bats Europe, hat sich im Rennen um die Übernahme des Konkurrenten Chi-X Europe einen wichtigen Vorsprung verschafft; seit Ende 2010 verhandelt er exklusiv über die Übernahme von Chi-X. Sollte der Deal zwischen den beiden erfolgreichsten alternativen Plattformen tatsächlich zustande kommen, würden die Machtverhältnisse in der europäischen Börsenlandschaft neu geordnet. Ein neuer Handelsriese entstünde – und danach sieht es aus.

Gefährlich dürfte es werden, wenn die Alternativen bei Derivaten mitmischen

Bats und Chi-X gehören zu einer Gruppe sogenannter Multilateral Trading Facilities (MTFs), die nach der Liberalisierung des Wertpapierhandels in der EU angetreten sind, um den klassischen Börsen Umsätze abzunehmen. Chi-X kommt, gemessen an den Trades, im gesamteuropäischen Aktienhandel mittlerweile auf einen Anteil von 21,3 Prozent, Bats auf 7,9 Prozent. Im Geschäft mit Aktien des Londoner FTSE-100-Indexes erreichen die beiden Plattformen zusammen sogar 35,4 Prozent. Gleichzeitig fiel der Anteil der etablierten Börsen wie der London Stock Exchange (LSE) oder der Deutschen Börse am Geschäft mit europäischen Aktien zurück; beide kommen zusammen auf 26,1 Prozent.

Chi-X Europe hatte sich im vergangenen Herbst selbst zum Verkauf gestellt. Klassische Börsen wie die US-Technologiebörse Nasdaq und die Mehrländerbörse Euronext, eine Tochter der New Yorker Börse, meldeten sofort ihr Interesse an. Doch Chi-X-Europe-Chef Alasdair Haynes entschied sich für Bats. Die Frist für die exklusiven Verhandlungen zwischen den beiden Partnern läuft nach Informationen aus Finanzkreisen noch bis Mitte Februar; noch könnte der Deal allerdings scheitern, Gesprächsbedarf gibt es vor allem bei der Bewertung von Chi-X, die bei gut 300 Millionen Dollar liegen könnte.

„Aus der Übernahme entstünde der größte paneuropäische Spieler unter den öffentlichen Aktienmärkten“, sagt Miranda Mizen von der Beratungsgesellschaft Tabb Group. Wichtiger sei noch, dass die neue Plattform den Brokern und Bankern gehören werde, traditionell die größten Kunden der etablierten Börsen. Durch die zunehmende Konsolidierung bei den alternativen Handelsplattformen werde der Wettbewerbsdruck innerhalb der Branche weiter steigen, sagt Roland Pfänder, Analyst bei der Commerzbank.

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