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08.03.2006

22:51 Uhr

Alternative Investments

Die Toskana-Fraktion

VonKatharina Kort

Sanft liegen die ockerfarbenen Hügel in der noch schwachen Nachmittagssonne. Einige Landarbeiter hocken zwischen den langen Reihen und schneiden die Weinstöcke zurück, um sie für den neuen Jahrgang vorzubereiten; Falken kreisen in der Luft.

Foto: www. turismo.toscana.it

Foto: www. turismo.toscana.it

SAN FELICE. Der mittelalterliche Weiler San Felice liegt auf dem Hügel noch im Winterschlaf. Denn in dieser Jahreszeit heißt es in der Toskana vor allem abwarten, bis die Reben sprießen und die neuen Trauben ankündigen.

San Felice ist eines der bekanntesten Weingüter der Toskana. Hier wachsen die Sangiovese-Trauben für den Chianti Classico. Insgesamt erzeugt San Felice 14 Weinsorten – Rotweine, Weißweine und Rosés. Auch der edle Brunello di Montalcino, der 30 Kilometer weiter südlich produziert wird, gehört zum Sortiment von San Felice. Mit seinen Weinen hat es das Gut gleich mehrmals unter die 100 besten Weine der anerkannten Fachzeitschrift „Wine Spectator“ geschafft. Die renovierten Steinhäuser im Dorfkern betreibt die Edel-Kette Relais & Chateaux als Luxushotel.

Aber das Besondere an San Felice ist der Besitzer: Das Weingut inklusive Weiler gehört dem italienischen Versicherer Ras, seit diesem Jahr eine 100-prozentige Tochter der Allianz. 1978 hatte der Versicherer San Felice gekauft, drei Jahre später kamen Weinberge in der Maremma, der näher am Meer gelegenen flacheren Region der Toskana, hinzu. Insgesamt nennt die Allianz-Tochter mittlerweile 1 750 Hektar Weinberge ihr Eigen.

Mit ihrem Engagement in den Weinanbau ist Ras in Italien keine Ausnahme unter den Versicherern und Banken. Die Landwirtschaftstochter Genagricola des größten italienischen Versicherers Generali füllt jährlich mehr als drei Millionen Flaschen ab. Und auch der deutlich kleinere Konkurrent Fon-Sai hat in Umbrien und in der Toskana in den Weinanbau investiert.

„Investitionen in die Landwirtschaft haben bei der gesetzlichen Rücklage lange wie Immobilien-Anlagen gezählt“, erklärt Giovanni Battista Gorio, der Vorstandsvorsitzende der Agricola San Felice S.p.A. das Engagement der Finanzdienstleister. Von seinem Schreibtisch im Hauptgebäude von San Felice schaut der schlanke Manager, der seine Karriere bei Anderson Consulting begann und später in der Finanzmetropole Mailand für die Ras arbeitete, heute durch ein gebogenes Fenster auf die von Zypressen gesäumten Weinberge im Abendlicht. Bei der Ras ist er geblieben, aber mit der neuen Aufgabe hat sich auch die Umgebung gewandelt, als er vor mehreren Jahren den Standort gewechselt hatte.

Für viele Banken und Versicherer ist das Wein-Investment eine Form der Diversifizierung der Anlageklassen: Reben statt Aktien und Bonds.

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