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27.03.2003

08:30 Uhr

Alternative zu Zwangswandelanleihe oder Kapitalerhöhung

Börsengang soll HVB neues Geld bringen

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) will mit dem angekündigten Teilverkauf der Bank Austria, weiteren Stellenstreichungen sowie einer niedrigeren Risikovorsorge für faule Kredite wieder in die Gewinnzone zurückkehren.

Das Münchener Verwaltungsgebäude der Hypo-Vereinsbank, Foto: dpa

Das Münchener Verwaltungsgebäude der Hypo-Vereinsbank, Foto: dpa

Reuters FRANKFURT. „Für das Vorsteuerergebnis erwarten wir nach Minus 821 Mill. € für dieses Jahr eine klar positive Range von 300 bis 600 Mill. € im Kerngeschäft“, sagte HVB-Vorstandschef Dieter Rampl am Donnerstag in München bei der Vorlage der Bilanz für 2002. Dieser Ausblick gelte für die Bank nach der geplanten Abspaltung der gewerblichen Immobilienaktivitäten und beinhalte die Gewinne aus dem Teil-IPO der Bank Austria.

Die HVB wird außerdem ihren Stellenabbau forcieren und beschleunigen: Es sollen jetzt in diesem Jahr weitere 2000 Stellen - hauptsächlich in Deutschland - abgebaut werden, wobei betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen seien. Ende 2002 beschäftigte die HVB knapp 66 000 Mitarbeiter.

Bei der Risikovorsorge erwartet der Konzern einen Rückgang auf 2,3 bis 2,6 Mrd. € von 3,8 Mrd. € im Vorjahr. In den ersten zwei Monaten 2003 liege die HVB operativ im Plan, hieß es. Angesichts der erhöhten Refinanzierungskosten und einem niedrigeren Kreditvolumen dürfte der Zinsüberschuss unter Vorjahresniveau liegen, sagte Rampl weiter.

Erhöhung des Kernkapitals

Zur Erhöhung des Kernkapitals wird ein bis zu 25-prozentiger Anteil der österreichischen Tochter Bank Austria-Creditanstalt an die Börse gebracht. Die Börseneinführung solle noch vor dem geplanten Spin Off des Real-Estate-Geschäftes erfolgen, der für das vierte Quartal vorgesehen sei, teilte die HVB mit. Zum erwarteten Erlös machte die Bank zunächst keine Angaben. Die Aktien sollen in Wien gelistet werden. Die Bank Austria werde eine entsprechende Kapitalerhöhung vornehmen. Die HVB hält bislang 100 Prozent an der Wiener Tochter.

HVB-Chef Dieter Rampl sagte: „Wir erhöhen mit den Erlösen das Kapital der HVB-Group auf eine effiziente Weise, denn wir vermeiden damit massive Verwässerungseffekte für die HVB-Aktionäre.“ Rampl betonte, die Bank Austria, die 2001 vollständig in die Hypo-Vereinsbank integriert worden war, bleibe eine Kernaktivität der HVB-Group.

"Entscheidung ist unternehmerisch klug"

Experten gehen davon aus, dass die HVB mit der Börseneinführung von Teilen der Bank Austria die Ausgabe einer Zwangswandelanleihe oder eine Kapitalerhöhung im klassischen Sinn vermeiden wolle. Georg Kanders von WestLB Panmure beurteilte den angestrebten Teilverkauf in einer ersten Reaktion positiv: „Die Entscheidung ist unternehmerisch klug. Ich gehe davon aus, dass mit dem IPO rund 1,25 Milliarden Euro neues Kapital in den HVB-Konzern kommt.“ Da nur ein Minderheitenanteil abgegeben werde, bleibe die Bank Austria im Konzern voll konsolidiert. „Für die Kernkapitalquote zählt die Transaktion damit quasi zwei Mal.“ Ob die HVB jetzt langfristig auf eine Kapitalerhöhung verzichten könne, hänge davon ab, ob sich der Aktienmarkt erholt und damit die Beteiligungen der HVB an der Allianz und der Münchener Rück wieder im Wert steigen.

Analysten zufolge benötigt HVB etwa 1,5 Milliarden Euro, um die für die Refinanzierung wichtige Kernkapitalquote von 5,6 auf den Zielwert von sieben Prozent anzuheben.

Die Beschlüsse zum Teilbörsengang der Bank Austria seien am Vortag im Rahmen der Aufsichtsratssitzung der HVB getroffen worden, teilte die HVB weiter mit. Das Institut hatte 2002 angesichts schwacher Finanzmärkte und hoher Abschreibungen erstmals in seiner Geschichte einen Jahresverlust verzeichnet.

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