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03.08.2016

23:29 Uhr

Alternativlos nach der Haft

Strafgebühren für Sträflinge

VonFrank Wiebe

Die US-Großbank JP Morgan hat einen Prozess um überteuerte Geldkarten für ehemalige Gefangene verloren. Wie aus einem gut gemeinten Programm ein System wurde, Kunden zu schröpfen.

Das US-Justizministerium hat im Jahr 2008 einen Auftrag an die Großbank JP Morgan Chase vergeben, damit Ex-Sträflinge über ihr Geld verfügen können. Wie ein Prozess nun ersichtlich gemacht hat, hat die Bank sie offenbar mit einer Vielzahl von Gebühren belegt. Reuters

JP Morgan

Das US-Justizministerium hat im Jahr 2008 einen Auftrag an die Großbank JP Morgan Chase vergeben, damit Ex-Sträflinge über ihr Geld verfügen können. Wie ein Prozess nun ersichtlich gemacht hat, hat die Bank sie offenbar mit einer Vielzahl von Gebühren belegt.

New YorkWer nach Jahren ein Gefängnis verlässt, hat häufig weder einen Job noch ein Bankkonto. Und ohne Konto ist es schwierig, in einer mehr und mehr bargeldlos funktionierenden Gesellschaft klarzukommen.

Wenigstens die Sache mit dem Bankkonto sollte geklärt werden, dachte sich das US-Justizministerium und vergab im Jahr 2008 einen Auftrag an die Großbank JP Morgan Chase. Damit bekamen Gefangene bei ihrer Entlassung überall in den USA eine Geldkarte in die Hand gedrückt, auf die ihr angesammeltes Guthaben, etwa aus Arbeit in der Strafanstalt und Überweisungen von Freunden und Verwandten, aufgeladen wurde.

JP Morgan: US-Großbank fährt erneut Milliardengewinn ein

JP Morgan

US-Großbank fährt erneut Milliardengewinn ein

Als erstes der amerikanischen Geldhäuser hat JP Morgan am Donnerstag sein Ergebnis für das zweite Jahresquartal vorgelegt. Anleger dürfen sich freuen: Es fällt besser aus, als Analysten erwartet hatten.

JP Morgan hat diesen Auftrag offenbar ohne große Begeisterung übernommen. Denn wie in einem Prozess ersichtlich wurde, den Gefangene gegen die Bank führten, sahnte das Geldhaus kräftig ab. Jetzt erklärte es sich bereit, knapp 450.000 Dollar an Tausende Betroffene zurückzuzahlen und zusätzlich 250.000 Dollar an Anwaltsgebühren zu übernehmen.

War ein Konto einen Monat lang inaktiv, wurden 1,50 Dollar fällig. Wer eine Karte verlor, zahlte 24,50 Dollar, ungefähr fünfmal so viel wie andere Kunden. Auszahlungen am Schalter, die für andere gratis waren, wurden mit zehn Dollar berechnet. 45 Cents wurden fällig, um den Kontostand zu überprüfen, zwei Dollar kostete das Abheben von Ausgabe-Automaten, die nicht zum bankeigenen Netz gehörten. Das sind alles keine Riesenbeträge, aber viele Gefangene haben ohnehin nur ein paar Dollar angespart.

Die größten Investmentbanken der Welt

Zur Analyse

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gingen im ersten Halbjahr 2016 laut Thomson Reuters die Umsätze von Investmentbanken mit Börsengängen, M&A-Beratung sowie neu begebenen Anleihen und Krediten um mehr als 23 Prozent zurück.

Platz 10

RBC Capital Markets

Einnahmen: 757 Millionen Dollar

Rückgang: 32,6 Prozent

Platz 9

Wells Fargo

Einnahmen: 891 Millionen US-Dollar

Rückgang: 28,9 Prozent

Platz 8

Deutsche Bank

Einnahmen: 1,269 Milliarden Dollar

Rückgang: 34,4 Prozent

Platz 7

Credit Suisse

Einnahmen: 1,309 Milliarden Dollar

Rückgang: 25,0 Prozent

Platz 6

Barclays

Einnahmen: 1,420 Milliarden Dollar

Rückgang: 22,0 Prozent

Platz 5

Citibank

Einnahmen: 1,420 Milliarden Dollar

Rückgang: 20,3 Prozent

Platz 4

Morgan Stanley

Einnahmen: 2,058 Milliarden Dollar

Rückgang: 26,8 Prozent

Platz 3

Bank of America Merrill Lynch

Einnahmen: 2,127 Milliarden Dollar

Rückgang: 23,8 Prozent

Platz 2

Goldman Sachs

Einnahmen: 2,396 Milliarden Dollar

Rückgang: 30,3 Prozent

Platz 1

JP Morgan

Einnahmen: 2,598 Milliarden Dollar

Rückgang: 22,6 Prozent

Das Problem der Kunden: Sie hatten keine Wahl. Die Karte von JP Morgan war die einzige Möglichkeit, über ihr Geld zu verfügen. Sie mussten daher auch alle Konditionen akzeptieren. Freie Marktwirtschaft hat augenscheinlich auch in den USA ihre Grenzen.

JP Morgan steht mit diesem blamablen Fall nicht allein. Einen ähnlichen Prozess hatte es zuvor gegeben, weil Gefangene gegen überhöhte Telefongebühren geklagt hatten – ebenfalls mit Erfolg.

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