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18.02.2015

16:40 Uhr

Altverträge

Bausparkassen sparen wegen Kündigungen Millionen

Weil viele Geldanlagen kaum noch Zinsen bringen, werden Bausparverträge immer attraktiver. Für Bausparkassen sind vor allem die Altverträge eine Last. Mit 135.000 Kündigungen wollen die Unternehmen nun Millionen sparen.

Zahlreiche Bauspar-Kunden sparen nicht mehr aufs Eigenheim, sondern wollen ihr Geld dank der hohen Zinsen lediglich weiter vermehren. dpa

Bausparverträge werden immer attraktiver

Zahlreiche Bauspar-Kunden sparen nicht mehr aufs Eigenheim, sondern wollen ihr Geld dank der hohen Zinsen lediglich weiter vermehren.

BerlinMit der Kündigung von rund 135.000 hochverzinsten Altverträgen wollen die Bausparkassen in Deutschland einem Bericht zufolge pro Jahr mehr als 60 Millionen Euro an Zinszahlungen einsparen. Dies berichtete das Magazin „Capital“ am Mittwoch vorab aus seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf Berechnungen des Frankfurter Finanzexperten Max Herbst. Dieser bezog sich demnach auf gekündigte Altverträge, die seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind. Grundlage seiner Berechnungen war demnach eine durchschnittliche Bausparsumme von 35.000 Euro.

In seinen Berechnungen setzte Herbst laut „Capital“ ein Anlagevolumen aus zuteilungsreifen Hochzinsverträgen von insgesamt 1,89 Milliarden Euro voraus, für das im Schnitt 3,5 Prozent Guthabenzinsen gezahlt werden müssen. Dies wären 66 Millionen Euro, die die Bausparkassen durch Kündigungen einsparen.

Der Vorstand der LBS Bayern, Franz Wirnhier, sagte „Capital“, seine Bausparkasse werde auch weiterhin „konsequent Altverträge kündigen“, wenn der Zweck des Bausparens nicht mehr verfolgt werde. Der Bausparvertrag sei „kein Anlageprodukt zur Rendite-Optimierung“, sondern es gehe darum, Menschen Wohneigentum zu ermöglichen. Sinn des Bausparens sei es nicht, „Anlegern ohne Finanzierungsabsicht zeitlich unbegrenzt Dauervorteile zu ermöglichen“, betonte Wirnhier.

Finanzexperte Herbst kritisierte die Kündigungen. Die Bausparkassen hätten viele Jahre „gutes Geld mit diesen Kunden verdient, weil sie deren Einlagen gegen hohe Darlehenszinsen verliehen“, sagte Herbst „Capital“. Heute bezeichneten die Kassen ihre Kunden mit hochverzinsten Altverträgen als „Gauner und Schmarotzer“, die das Kollektiv ausnutzten.

Bausparkassen in Deutschland kündigen seit einigen Jahren Verträge, deren Guthaben die vereinbarte Bausparsumme erreicht hat. Während die hochverzinsten Altverträge für Sparer eine lukrative Angelegenheit sind, weil andere Geldanlagen wie Tagesgelder oder Festgeld inzwischen kaum noch Zinsen bringen, empfinden die Bausparkassen die für sie teuren Altverträge zunehmend als Last.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

19.02.2015, 14:48 Uhr

Der Fall bringt das Ungleichgewicht der Vertragspartner zum Ausdruck. Wenn es regnet, ist es einfach sicherer, wenn man den Regenschirm für sich allein benutzt. Haben die Bausparkassen etwa ihre Bausparer aus den Verträgen gelassen, als diese für die Bausparer unattraktiv wurden? Aber mit den heutigen Politikern ist alles machbar. Die Versicherer haben's mit dem "Lebensversicherungsreformgesetz" gemacht, weshalb sollten die Bausparkassen leer ausgehen?

Herr Manfred Zimmer

19.02.2015, 14:52 Uhr

Stichwort: Lebensversicherungsreformgesetz! Das Lebensversicherungsreformgesetz hat die Versicherten um ihren Anspruch an den Bewertungsreserven enteignet. Haben sich die Leute schon einmal darüber gedanken gemacht, wie es denn dann aussieht, wenn die Zinsen steigen und die Kurswerte nach unten "rauschen"? Sind dann die Lebensversicherten von diesen Risiken freigestellt oder partizipieren sie dann wieder an den Verlusten? Dieses ganze Gesetz wäre höchste Kunst von Lobbyarbeit mit "alternativlos" handelnden Politikern. (ich habe überlegt, von "denkenden" Politikern zu schreiben. Aber den Nachweis hätte ich nicht führen können.)

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