Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2004

08:40 Uhr

Amerikanischer Finanzinvestor plant offenbar Milliarden-Transaktion

Clayton, Dubilier & Rice meldet sich in Deutschland zurück

VonPeter Köhler

Eine der ältesten amerikanischen Beteiligungsgesellschaften versucht in einem zweiten Anlauf, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen.

FRANKFURT/M.Bruno M. Deschamps, Partner bei Clayton Dubilier & Rice (CD&R), will in den kommenden Monaten hier zu Lande „eine aktive Rolle übernehmen“, wie er in einem Handelsblatt-Gespräch ankündigte. „Deutschland ist nach wie vor ein attraktiver Markt“, sagt der Beteiligungsmanager. Nach Branchenangaben steht CD&R unmittelbar vor einer sehr großen Transaktion. Dabei sollen bis zu 500 Mill. Dollar Eigenkapital eingesetzt werden; der Deal könnte inklusive Fremdfinanzierung rund 1,5 Mrd. Dollar betragen.

Die Private Equity-Gesellschaft hatte sich im Jahr 2000 zusammen mit Allianz Capital Partners den Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier einverleibt und damit eine spektakuläre Pleite erlebt. Pläne für ein eigenes Büro in Deutschland wurden daraufhin auf Eis gelegt. Als Lehre aus dem Fehlschlag wurde Deschamps im Oktober 2002 an Bord geholt, um die Chancen vor Ort auszuloten. Bevor er zu dem US-Finanzinvestor wechselte, bekleidete er verschiedene Führungspositionen im Chemiesektor, unter anderem bei Henkel. Der Partnerkreis von CD&R setzt sich aus zahlreichen Industriespezialisten zusammen, darunter findet sich mit Jack Welsh auch der frühere Chef von General Electric.

Besonders interessiert ist CD&R an Zukäufen in Branchen mit hohem Konsolidierungspotenzial. Dazu gehörten laut Deschamps etwa der Fachgroßhandel im Sanitär- und Elektrobereich, die Chemie sowie Logistikunternehmen für die Lebensmittel- und Gastronomiebranche. „Vorsichtig sind wir im Kfz-Bereich und bei Rohstoffen. Auch im Technologiesektor halten wir uns zurück. Im Grunde investieren wir nur in Unternehmen, von denen wir etwas verstehen.“ Den Vorwurf der Branche, CD&R habe in Deutschland schlechte Karten, weil es kein Büro unterhält, lässt Deschamps nicht gelten: „Für Geschäfte in unserer Größenordnung brauchen wir keine Niederlassung in Paris oder Düsseldorf, das können wir auch von London aus steuern.“ CD&R spiele in einer Liga, in der die Investitionen sehr hoch seien. „Die Untergrenze für Eigenkapitalbeteiligungen beträgt bei CD&R rund 300 Mill. Dollar, nach oben verläuft die Grenze bei etwa einer Mrd. Dollar." Aus dem aktuellen Beteiligungsfonds über 3,5 Mrd. Dollar stünden noch 1,3 Mrd. Dollar zur Verfügung.

Finanzinvestoren haben jüngst mit großen Transaktionen und Ankündigungen für Aufsehen gesorgt. So verkauften Allianz Capital Partners sowie Beteiligungsfonds von Goldman Sachs ihre Anteile am Industriegase-Hersteller Messer Griesheim und der Finanzinvestor Doughty Hanson stellte einen Börsengang für die Werkstattkette ATU in Aussicht. CD&R gelang es im vergangenen November die Sirva Inc. an die New Yorker Börse zu bringen. Das IPO des Umzugsspezialisten spülte rund 400 Mill. € in die Kassen. „Der US-Test für Börsengänge ist uns mit Sirva schon relativ früh im momentanen Börsenzyklus mit geglückt. In Europa können wir uns einen IPO innerhalb der kommenden zwei Jahre vorstellen", meint Deschamps.

Die Beratungsgesellschaft Deloitte & Touche erwartet in einer Studie zum Private Equity-Markt, dass ausländische Investoren wie CD&R ihr Engagement im deutschsprachigen Raum verstärken werden. Die Kehrseite der Marktbelebung sei, dass sich der Wettbewerb erneut verschärfe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×