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13.01.2017

17:15 Uhr

Analyse

US-Großbanken und das Prinzip Hoffnung

VonFrank Wiebe

Die Ergebnisse von JP Morgan, Wells Fargo und Bank of America zeigen einen positiven Trend. Ob damit ihre hohen Bewertungen zu rechtfertigen sind, bleibt aber noch offen. Sie beruhen vor allem auf dem Prinzip Hoffnung.

Die US-amerikanische Großbank hat gute neue Zahlen vorgelegt. Reuters

Bank of America

Die US-amerikanische Großbank hat gute neue Zahlen vorgelegt.

New YorkMehr Zinseinnahmen, weniger Zinsausgaben, diese Trends zeigen sich bei den ersten Ergebnissen der US-Banken fürs vierte Quartal wie auch für das gesamte Jahr 2016. Die Branche profitiert vom Wachstum der Wirtschaft wie auch von steigenden Zinsspannen.

Die Einnahmen aus Gebühren sind dagegen leicht gesunken. Die Bonität der Kredite bleibt robust, betonen die Geldhäuser, der vielfach befürchtete Verfall der Qualität in diesem Bereich ist noch nicht zu erkennen. Der viel beachtete Handel mit Zinspapieren, Devisen und Rohstoffen hat sich als robust erwiesen. Die Ausgaben außerhalb des Zinsbereichs sind gesunken, zum Teil gilt das auch für den Personalaufwand.

Jahreszahlen US-Großbanken: Bank of America und JP Morgan mit Gewinnsprung

Jahreszahlen US-Großbanken

Bank of America und JP Morgan mit Gewinnsprung

Zwei von drei US-Großbanken vermelden für 2016 überraschend hohe Gewinne. Grund sind gute Handelsgeschäfte nach Donald Trumps Sieg bei der US-Präsidentenwahl. Enttäuschend fallen die Zahlen von Wells Fargo aus.

Einige Banker müssen sich daher wohl mit niedrigeren Boni zufrieden geben, für Morgan Stanley sind entsprechende Informationen auch schon an die Öffentlichkeit gelangt. Insgesamt gilt also: Der Zins sprudelt, Kosten und Risiken bleiben unter Kontrolle. Der Gewinntrend der Branche zeigt moderat aufwärts, außer bei Wells Fargo, wo ein Skandal im Vertrieb das Ergebnis drückt.

Ob mit dem guten Trend die hohen Bewertungen der Banken gerechtfertigt sind, bleibt noch offen. Denn darin liegt viel Hoffnung auf die neue Regierung Trump, die ja noch gar nicht angetreten ist. Wegen der hohen Aktienkurse hatten zuletzt die Citigroup Goldman Sachs und UBS die Citigroup als „Verkauf“ eingestuft – ein relativ selten vergebenes Rating.

Hohe Strafen gegen Banken (eine Auswahl)

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit dem Fehlverhalten von Finanzriesen. (Stand: Dezember 2016)

JP Morgan – 13 Milliarden Dollar

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

BNP Paribas – 9 Milliarden Dollar

Juni 2014

Es ist die höchste je verhängte Strafe für eine europäische Bank: Wegen Verstößen gegen US-Sanktionen muss die französische Großbank BNP Paribas fast neun Milliarden Dollar Strafe an die USA zahlen. Die Behörden werfen der Bank vor, bei einigen Geschäften amerikanische Sanktionen gegen den Sudan, den Iran und Kuba gebrochen zu haben.

Deutsche Bank - 7,2 Milliarden Dollar

Dezember 2016

Die Deutsche Bank einigt sich mit dem US-Justizministerium über einen Vergleich wegen dubioser Geschäfte mit Hypothekenpapieren im Vorfeld der ab 2007 ausgebrochenen globalen Finanzkrise. Die Einigung sieht zwei Bausteine vor: 3,1 Milliarden Dollar (2,96 Milliarden Euro) an Zivilbuße und 4,1 Milliarden Dollar (3,92 Milliarden Euro) an Bereitstellungen für Entschädigungen für Verbraucher, das könnte zum Beispiel in Form von Zinsnachlässen erfolgen.

JP Morgan – 6,2 Milliarden Dollar

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Credit Suisse - 7,2 Milliarden Dollar

Dezember 2016

Die Credit Suisse einigt sich mit dem US-Justizministerium über einen Vergleich wegen dubioser Geschäfte mit Hypothekenpapieren im Vorfeld der ab 2007 ausgebrochenen globalen Finanzkrise. Die Einigung sieht zwei Bausteine vor: 2,5 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) an Zivilbuße und 2,8 Milliarden Dollar (2,68 Milliarden Euro) an Bereitstellungen für Entschädigungen für Verbraucher.

Credit Suisse - 2,6 Milliarden Dollar

Mai 2014

Die Schweizer Bank Credit Suisse räumt im Steuerstreit mit den USA die eigene Schuld ein und akzeptiert eine Strafe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Die Bank hatte Vermögen ihrer Kunden vor den US-Steuerbehörden versteckt.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar

April 2015

Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Commerzbank - 1,45 Milliarden US-Dollar

März 2015

Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Rabokbank - 774 Millionen Euro

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Deutsche Bank - 202 Millionen Dollar

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

JP Morgan hat im vierten Quartal nach Steuern 6,7 Milliarden Dollar verdient, was gegenüber dem Vorjahresquartal einer Steigerung um 24 Prozent entspricht, im gesamten Jahr 2016 waren es 24,7 Milliarden mit einer Steigerung von nur einem Prozent.

Wells Fargo hat im Quartal 5,3 Milliarden Dollar verdient, und im Jahr 21,9 Milliarden, was einem Rückgang um vier Prozent entsprach. Die Bank hatte früher zeitweise sogar höhere Ergebnisse als JP Morgan ausgewiesen. Sie steht wegen eines Skandals im Vertrieb unter Druck, bei dem Mitarbeiter ohne Zustimmung der Kunden in deren Namen Konten eröffnet haben, um ihre Verkaufszahlen zu verbessern. Der Bankenriese in San Francisco hat gerade ein neues Vergütungssystem für die Filialen eingeführt. Danach steigen am unteren Ende der Gehaltsskale die festen Bezüge und die Boni werden an die Gruppenleistung gekoppelt und zudem nicht mehr für einzelne Produkte vergeben. So soll der hohe Vertriebsdruck, der zu dem Fehlverhalten geführt hatte, gemildert werden.

Bank of America gilt in besonderen Maß als Gewinner von steigenden Zinsen. Die Bank hat im Quartal 4,7 Milliarden verdient, und im Jahr 17,9 Milliarden, was einer Steigerung um rund 13 Prozent entsprach.

Blackrock hat ebenfalls Zahlen vorgelegt. Dabei bestätigten sich gleich zwei Trends: Der Fluss von Geld zu großen Vermögensverwaltern und der Tausch von aktiv gemanagten gegen passiv gemanagte Fonds. Der erste Trend ist gut für den Gewinn, der zweite dagegen nicht, weil im passiven Bereich die Einnahmen viel niedriger sind. Das verwaltete Vermögen von Blackrock legte um elf Prozent auf gut 5,1 Billionen Dollar zu. Der Gewinn stieg zwar im Quartalsvergleich um sechs Prozent, lag aber im Gesamtjahr mit 3,2 Milliarden Dollar sogar etwas niedriger als 2015.

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