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02.10.2015

08:48 Uhr

Analyst der Deutschen Bank

Die Bedienung der Waschmaschine als „Erleuchtung“

VonMichael Maisch

Nach der Finanzkrise hat das Thema Work-Life-Balance auch Investmentbanken erreicht. Allerdings manchmal mit unerwarteten Nebenwirkungen. Das hat ein prominenter Mitarbeiter der Deutschen Bank erfahren – und geschildert.

Der Analyst am Klavier – in einem YouTube-Video. Jim Reid/YouTube

Jim Reid

Der Analyst am Klavier – in einem YouTube-Video.

FrankfurtJeden Morgen finden die Großkunden der Deutschen Bank in ihrem Emailfach eine Botschaft von Jim Reid, einem der prominentesten Analysten des Instituts. Seine Prominenz verdankt Reid aber nicht nur der Tatsache, dass er seinen Klienten Tag für Tag zu früher Stunde verlässlich das Geschehen an den Märkten erklärt. Reid lässt seine Leser auch an seinem Privatleben teilnehmen.

Auf sehr britische und selbstironische Weise schreibt er über eher Triviales wie seine Fortschritte als Klavierspieler – oder aber auch über Existentielles wie die Schwangerschaft seiner Frau und die Geburt seiner Tochter Maisie.

In seinem „Early Morning Reid“ vom vergangenen Mittwoch philosophiert der Analyst nun nicht nur über das schlimmste Quartal an den Märkten seit vier Jahren, sondern auch über eine kurze Vater-Auszeit. Einst hatte er seine Banker-Kollegen in Skandinavien beneidet, die sechs Monate oder sogar noch länger in Vaterschaftsurlaub gehen könnten. Allerdings nur um ziemlich schnell zu dem Schluss zu kommen, dass nach zwei Wochen als „Haussklave und Windelwechsler“ doch einiges für die alten Zeiten spreche, als Investmentbanker einen Tag nach der Geburt des Nachwuchses wieder an ihrem Schreibtisch zu sitzen hatten.

Was Investmentbanken in London ihren "Associates" zahlen

Daten / Quelle

Die Daten stammen von der Website emolument.com, die fast 500 Gehälter von "Associates" (Analysten mit einigen Jahren Berufserfahrung bzw. Berufseinsteiger mit MBA-Abschluss) bei Banken in London analysiert hat. Die Daten beziehen sich auf Jahresgehälter für 2015.

Die Daten sind zum Pfund-Kurs im August 2015 umgerechnet.

JP Morgan

Die US-Investmentbank bezahlt ihren Londoner Angestellten im Investmentbanking am meisten: Rund 220.000 Euro inklusive Bonus winken den Bankern dort.

Morgan Stanley

US-Konkurrent Morgan Stanley folgt gleich darauf. Ein Investmentbanker in der Londoner City verdiente 2015 bei der Großbank noch rund 210.000 Euro.

Goldman Sachs

Mit Goldman Sachs stammt auch die dritte am besten zahlende Investmentbank in der Londoner City aus den USA. Gut 200.000 Euro können Banker dort 2015 einstreichen.

UBS

Die UBS zieht mit einem Jahresgehalt von gut 200.000 Euro mit Goldman Sachs gleich.

Credit Suisse

Umgerechnet rund 178.000 Euro zahlt die Credit Suisse den Investmentbankern in der Londoner City.

Deutsche Bank

Umgerechnet gut 175.000 im Jahr können sich Investmentbanker in London bei der Deutschen Bank erwarten.

Barclays

Rund 160.000 Euro bekommen Investmentbanker, die in London bei Barclays arbeiten.

BNP Paribas

Die französische BNP Paribas kommt bei den am besten zahlenden Banken auf Rang zehn. Investmentbankern überweist sie 2015 inklusive Boni rund 160.000 Euro aufs Konto.

Hinter Reids ernüchterndem und sicher nicht ganz ernst gemeinten Befund steckt ein Irrtum, dem wahrscheinlich viele werdende Väter bereits zum Opfer gefallen sind: „Ich dachte, ich könnte ein bisschen Golf spielen, mich am Klavier entspannen, ins Fitness-Studio gehen und trotzdem der perfekte unterstützende Gatte und Vater sein“, schreibt Reid.

Nur 90 Minuten Klavier

Die Realität sah nach zwei Wochen freilich ein wenig anders aus: Null Stunden Golf, gerade mal 90 Minuten am Klavier und die einzigen Fitness-Übungen waren die Spaziergänge mit dem ein wenig auf das neue Familienmitglied eifersüchtigen Hund.

Trotzdem sei der kurze Vaterschaftsurlaub eine „wunderbare Erfahrung“ gewesen, was den Analysten allerdings nicht daran hinderte, sich bei erst bester Gelegenheit zu einer Finanzkonferenz der Deutschen Bank davon zu schleichen, um dort als Redner aufzutreten und ein paar Stunden Schlaf nachzuholen. Immerhin fragt sich Reid schuldbewusst, wie seine arme Frau nur ohne seine „herausragenden Fähigkeiten im Haushalt“ zurecht kommen würde.

Der regelmäßige Leser des „Early Morning Reid“ wird wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass sich die Lage von Mrs. Reid nicht dramatisch verschlechtert haben wird. Immerhin musste sie ihrem Gatten noch kurz vor der Geburt erklären, wie die heimische Waschmaschine funktioniert. Für den Analysten war diese neue Erfahrung schlicht eine „Erleuchtung“.

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