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04.08.2013

12:27 Uhr

Analysten-Schätzung

Kleiner Gewinn bei Commerzbank erwartet

Die Commerzbank kämpft weiter um bessere Zeiten. Auch das zweite Vierteljahr hat nach Einschätzung von Beobachtern nicht die Trendwende gebracht. Der Druck auf Vorstandschef Blessing nimmt zu.

Umbau bei der Commerzbank: Die Bank kämpft weiter in widrigem Marktumfeld. dpa

Umbau bei der Commerzbank: Die Bank kämpft weiter in widrigem Marktumfeld.

FrankfurtDie Trendwende bei der Commerzbank lässt auf sich warten. Analysten rechnen auch für das zweite Quartal mit mageren Zahlen bei der deutschen Nummer zwei. Der mit Stellenabbau und Sparkurs kämpfende Dax-Konzern legt am Donnerstag seinen Zwischenbericht für den Zeitraum April bis Ende Juni 2013 vor.

Nach den von der Bank gesammelten Analystenschätzungen könnte das Institut unter dem Strich mit 7 Millionen Euro gerade so die Gewinnzone erreicht haben. Vor Steuern erwarten die Beobachter für das zweite Vierteljahr im Schnitt 42 Millionen Euro Gewinn. Zum Vergleich: Im ebenfalls schwierigen Vorjahr standen im zweiten Quartal vor Steuern 356 Millionen Euro Gewinn in den Büchern und unter dem Strich immerhin 275 Millionen Euro.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Hoffnung macht der Bank, dass der Umbau des Privatkundengeschäfts erste Früchte trägt: In den fünf Monaten bis Ende Mai 2013 seien pro Woche im Schnitt netto 3300 Kunden gewonnen worden. „Wir haben das Ziel noch nicht erreicht, aber wir kommen voran“, hatte Privatkunden-Bereichsvorstand Michael Mandel am Donnerstag gesagt. Mit neuen Depotmodellen und der ersten Filiale in völlig neuem Gewand, die noch in diesem Jahr in Berlin eröffnet werden soll, will die Bank weitere Marktanteile gewinnen.

Zum Auftakt des laufenden Jahres hatte die Commerzbank 94 Millionen Euro Verlust ausgewiesen. Allein Rückstellungen für das Sparprogramm belasteten das Ergebnis im ersten Quartal mit fast 500 Millionen Euro.

Kommentare (5)

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Siseba

05.08.2013, 10:37 Uhr

Es ist und bleibt die Bank, die nur wegen der Rettung durch den Staat - später abgewickelt wird oder (wahrscheinlicher) an eine ausländische Bank verkauft wird. Die deutschen Taler sind weg...

Clajus

05.08.2013, 17:25 Uhr

Das sehe ich nicht so. Man muss der Commerzbank einfach mal die Chance geben, die alten Hypothekendarlehen loszuwerden.
Sie hat damals leider den Fehler gemacht, die Anteile der Deutschen und Dresdner Bank an der Euohypo zu kaufen und nicht ihren Anteil zu verkaufen. Dieser Deal rächt sich jetzt.

Quatschmal

05.08.2013, 20:10 Uhr

Es ist eine Bank der Kundenzufriedenheit genauso wichtig ist wie der Ertrag.
Die Commerzbank geht den richtigen Weg.Den größten Teil der Staatshilfe hat die Bank schon zurückgezahlt und man darf nicht vergessen, dass die Commerzbank über 45000 Mitarbeiter beschäftigt.

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