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20.06.2011

13:18 Uhr

Analystenkritik

Banken-Stresstests sind „reine Zeitverschwendung“

Die Aufsichtsbehörden testen derzeit, wie die europäischen Banken einen Konjunktureinbruch oder einen Absturz der Aktienmärkte verkraften würden. Ausgerechnet die größte Gefahr aber klammern sie aus.

Die Bankentürme in der Frankfurter Skyline. Quelle: Reuters

Die Bankentürme in der Frankfurter Skyline.

DüsseldorfEs ist das Thema dieser Tage, füllt Zeitungen und Nachrichtensendungen, beschäftigt Stammtische wie Finanzmärkte. Die drohende Pleite Griechenlands wühlt viele auf, nur eine, die sich dafür interessieren sollte, beschäftigt sich nicht damit: die Europäische Bankenaufsicht. Sie testet derzeit die Widerstandsfähigkeit der Banken – und klammert dabei die Folgen einer möglichen Insolvenz des Euro-Landes aus.

Die Finanzmärkte reagieren mit harscher Kritik an diesem Desinteresse der Behörde. "Die Stresstests haben alle Glaubwürdigkeit verloren und sehen wie eine reine Zeitverschwendung für alle Beteiligten aus", sagte Lex van Dam, Fondsmanager bei Hampstead Capital LLP in London, der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie sind völlig irrelevant."

Auch Jane Coffey, Aktienexpertin bei Royal London Asset Management, reagiert mit Unverständnis: "Jeder macht sich große Sorgen um einen Zahlungsausfall bei Griechenland und die Auswirkungen auf die Banken, aber bei den Stresstests wird dies überhaupt nicht berücksichtigt", kritisiert sie. "Ein Zahlungsausfall Griechenlands ist nicht gerade ein völlig unerwartetes Ereignis. Es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert."

Dabei hatte die Europäische Bankenaufsicht (EBA) versprochen, die Banken dieses Mal wirklich gründlich auf Herz und Nieren zu testen. Der erste Stresstest im vergangenen Sommer war als viel zu lasch kritisiert worden und hatte sein Ziel verfehlt, die Märkte zu beruhigen. Die EBA erklärte den zweiten Durchgang, dessen Ergebnisse im Juli vorgestellt werden sollen, daraufhin zur Bewährungsprobe für sich selbst. Nach weit verbreiteter Einschätzung wird sie diese nicht bestehen.

Experten sehen politische Motive hinter der Entscheidung, eine Griechenland-Pleite bei den Tests auszuklammern. Würde die EBA diese Möglichkeit berücksichtigen, ließe sie ein solches Ereignis glaubwürdig erscheinen und untergrübe das Vertrauen der Investoren in die Region, sagte Richard Reid, Volkswirt beim International Centre for Financial Regulation in London.

Für Profi-Anleger werden die Ergebnisse des Stresstests dennoch nicht ganz nutzlos sein. Die Banken weisen selber aus, welche Summen ihnen Griechenland schuldet, anhand der Zahlen und der Testergebnisse können sich Analysten somit selbst ein Bild über die Lage der Institute machen, wenn Athen seine Schulden nicht vollständig zurückzahlen sollte.

Von

tho

Kommentare (1)

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rolfnighthawk

20.06.2011, 14:07 Uhr

... ich lach mich schlapp -
mal wieder unsere hochbezahlten
superschlauen beamten in den Staats- und Landesbanken,
sitzen am meisten auf den junk-bonds.
Wann schmeisst man sie endlich raus - ohne Abfindung -
und lässt sie Toiletten putzen?

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