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26.03.2012

10:34 Uhr

Andreas Schmitz

Banken stellen Finanzierung der Bafin infrage

VonFrank Matthias Drost, Nicole Bastian

Der Chef des privaten Bankenverbands, Andreas Schmitz, lobt das Verhalten der EZB in der Euro-Krise. Belastete Geldhäuser müssten die Zeit nun für Reparaturarbeiten nutzen. Der Geldsegen werde nicht mehr lange anhalten.

Bankenverbandspräsident Andreas Schmitz ist seit Juli 2006 Vorstandssprecher bei HSBC Trinkaus. Der 52-Jährige ist verheiratet und Vater von drei Kindern. dapd

Bankenverbandspräsident Andreas Schmitz ist seit Juli 2006 Vorstandssprecher bei HSBC Trinkaus. Der 52-Jährige ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Handelsblatt: Herr Schmitz, die Europäische Zentralbank hat die Märkte mit einer Billion Euro geflutet. Steigt mit dem vielen billigen Geld die Gefahr einer neuen Finanzkrise?

Andreas Schmitz: Nein, die zeichnet sich nicht ab. Die EZB hat mit ihrer Liquiditätsversorgung der ein oder anderen europäischen Bank Zeit gekauft. Und es bleibt zu hoffen, dass diese Zeit von den Banken genutzt wird, die derzeit noch über kein tragfähiges Geschäftsmodell verfügen. Aber auch die Staaten müssen sie nutzen um ihre Finanzen in den Griff zu bekommen.

Als 2005 die Staatsgarantien für die Landesbanken ausliefen, sogen die sich mit Liquidität voll und investierten in Wertpapiere, die sich später als toxisch herausstellten. Warum sollte es diesmal nicht so kommen?

Wir sind gerade in der Safety-Car-Phase. Nach dem Unfall Staatsschuldenkrise ist der Wettbewerb von der EZB neutralisiert, um die Sicherheit aller Teilnehmer zu gewährleisten. Wer kein tragfähiges Geschäftsmodell hat, muss nun an die Box und Reparaturarbeiten leisten.

Die Institute erhalten Liquidität ohne Beschränkung, ohne Auflagen, ohne Kontrolle. Die Risiken werden vergesellschaftet – das kann doch nicht gutgehen.

Wir können nicht ausschließen, dass die eine oder andere Spekulationsblase entsteht. Natürlich legen die Banken einen Teil der Liquidität an, etwa in Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen. Das ist Kreditersatzgeschäft, also Geschäft, das sich nicht direkt mit dem Kunden abspielt. Aber nicht jedes Kreditersatzgeschäft ist spekulativ. Und, ja, viele südeuropäische Institute legen ihr Geld im Ausland an – so verstärken sich die Kapitalungleichgewichte.

Vermögensblasen, Wettbewerbsverzerrungen – sind die Kosten der EZB-Hilfen möglicherweise größer als ihr Nutzen?

Ich sehe zur Politik der EZB keine Alternative, weil das Vertrauen unter den Banken noch nicht wiederhergestellt ist. Die EZB hat mit ihren Maßnahmen großen Stress aus dem Markt genommen. Natürlich kann man jetzt trefflich darüber streiten, ob die Summe zu groß, der Zins zu niedrig ist. Machen wir uns aber nichts vor: Nur die EZB konnte in dieser kritischen Phase Nothilfe leisten. Klar ist auch, dass die EZB die Liquidität in absehbarer Zeit wieder abschöpfen muss.

Die Bankenregulierung sollte die Risiken minimieren. Führt die Geldschwemme dieses Ziel nicht ad absurdum?

Zunächst einmal versetzt das EZB-Geld viele Institute zeitlich überhaupt erst in die Lage, sich an die höheren Anforderungen der Regulatoren anzupassen. Dadurch wird die Regulierung aber nicht infrage gestellt. Ich bin dafür, dass wir nach zwei, drei Jahren Bilanz ziehen und sehen, welche Banken ihre Chance genutzt haben. Die Geschäftsmodelle der betroffenen Banken sollten also auf den Prüfstand kommen und Konsequenzen gezogen werden.

Südeuropäische Banken kaufen mit dem EZB-Geld munter Staatsanleihen – aus der Staatsschuldenkrise könnte also wieder eine Bankenkrise werden. Wie lässt sich dieser Teufelskreis durchbrechen?

Schwierig. Es handelt sich da um eine Schicksalsgemeinschaft. Banken in Spanien, Italien oder Portugal werden immer auch Anleihen des eigenen Staates zeichnen – das machen wir in Deutschland genauso.

Kommentare (12)

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26.03.2012, 09:19 Uhr

"Klar ist auch, dass die EZB die Liquidität in absehbarer Zeit wieder abschöpfen muss."

Das wird nie mehr passieren, weil dazu der politische Wille zur Marktwirtschaft fehlt. Bei den gepamperten Banken und ihren Schatten sowieso und auch bei den Politikern. Je höher die Falschgeldberge werden, desto härter wird der Turkey beim Drogenentzug. Warum sollte man sich in 2 Jahren dem dann viel härteren Turkey aussetzen, wo doch der moderate vor einem Jahr schon unbequem war? Wohltaten zu verteilen, ist viel bequemer und für die Krisen die daraus zwangsläufig resultieren, wird sich schon ein Sündenbock oder Ablenkungsmanöver finden. Bei letzterem können wir von unseren amerikanischen Freunden viel lernen ;-)

Account gelöscht!

26.03.2012, 09:45 Uhr

Einen Bankenfunktionär zu fragen, ob die QEs der Allgemeinheit nützen, ist das Gleiche, einen Frosch zu fragen, ob er etwas gegen frisches Wasser in seinem trüben Teich einzuwenden hat.
Was hier gemacht wird, ist mit Enteignung aller Sparer gleichzusetzen!
Deswegen lasst uns unser Geld von der Bank holen und Gold und Silber kaufen.

Account gelöscht!

26.03.2012, 10:12 Uhr

@Buerge-r

So isses. Das Chaos wird noch viel groesser werden. Die EZB-Politik geht so: man gebe jemanden, der noch nie mit Geld umgehen konnte und eigentlich Pleite ist, noch viel, viel mehr Geld. Wenn er wieder Pleite geht, hat man halt Pech gehabt und gibt ihm halt noch mehr Geld.

Dies ist die grossartige und kranke Logik der EZB...und letztlich auch unserer Politiker. Wir sind nicht Untertanen der EZB und muessten nicht tatenlos zusehen...wenn jemand dagegen angehen wuerde.

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