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21.03.2006

21:40 Uhr

Angeblich Milliardengewinn vor Steuern

„HVB hat Bilanz besenrein gemacht“

Nach jahrelangen Verlusten hat die Münchener Großbank HVB (Hypovereinsbank) nun Informationen aus Finanzkreisen zufolge für 2005 einen Milliardengewinn vor Steuern verbucht. Die Aktionäre sollen erstmals seit vier Jahren wieder eine Dividende erhalten.

HB MÜNCHEN. Einschließlich Sonderrückstellungen für die Umstrukturierung im Zuge der Übernahme durch die italienische Unicredito habe der Vorsteuergewinn in der Größenordnung von 1,2 Mrd. Euro gelegen, sagten mehrere mit den Zahlen vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Nach Steuern und Anteilen Dritter sei ein Gewinn von etwa 650 Mill. Euro angefallen. In der Bilanz seien Rückstellungen für die anstehende Umstrukturierung gebildet worden, zudem habe es nochmals Wertberichtigungen und Maßnahmen bei der Risikovorsorge gegeben. „Man hat die Bilanz besenrein gemacht“, sagte ein Manager. Insgesamt hätten die Sonderlasten bis zu 600 Mill. Euro betragen. Die HVB lehnte eine Stellungnahme ab.

Durch die hohen Einmaleffekte rutschte die Münchener Bank damit offenbar im vierten Quartal beim Nettoergebnis in die Verlustzone, da der Gewinn nach neun Monaten des Jahres bereits 890 Mill. Euro betragen hatte. Bereinigt um die Sondereffekte hätte die Münchener Großbank allerdings ihr Ziel einer Kapitalrendite von bis zu neun Prozent nach Steuern klar erreicht, was einem Nettogewinn von etwa einer Milliarde Euro entsprochen hätte. „Ohne die Sondereffekte hätte die Bank das Ziel übererfüllt“, hieß es. Im Jahr zuvor hatte die HVB durch milliardenschwere Abschreibungen auf Immobilienfinanzierungen einen Verlust von 2,4 Mrd. Euro verbucht.

„Es ist klar, dass Unicredito in dieser Situation die Bücher noch einmal bereinigt“, sagte ein Manager zu den Sonderrückstellungen. Ein Teil davon entfalle auf die anstehende Umstrukturierung mit dem geplanten Abbau von zusätzlich etwa 1800 Stellen. Zudem seien nochmalige Wertberichtigungen auf Immobilienfinanzierungen verbucht worden. In der Branche wurde auch erwartet, dass die Bank nochmals einen konservativeren Ansatz bei der Risikovorsorge für faule Kredite gewählt hat, was ebenfalls ergebnisbelastend ist.

Im operativen Geschäft sei das Jahr aber gut gelaufen, alle Ziele seien erfüllt worden, sagte ein Manager. „Es gab eine sehr erfreuliche Entwicklung in allen Komponenten des operativen Ergebnisses“, hieß es. Die Bank profitierte im vergangenen Jahr auch von Buchgewinnen aus Beteiligungsverkäufen, so brachte etwa der Verkauf von Münchener-Rück-Aktien im vierten Quartal nach früheren Angaben aus Branchenkreisen einen Buchgewinn von etwa 150 Mill. netto ein.

Die Münchener Großbank hatte von 2002 bis 2004 annähernd sechs Mrd. Euro Verluste aufgehäuft. Seit 2001 war auch die Dividende ausgefallen, damals waren 0,85 Euro je Aktie ausgezahlt worden. Für 2005 sollen die Aktionäre nun wieder eine Dividende von 0,25 Euro je Aktie erhalten.

Die HVB gehört zu weit über 90 Prozent der italienischen Unicredito, die das Münchener Finanzhaus im vergangenen Jahr in der bislang größten grenzüberschreitenden Bankenfusion Europas übernommen hatte. Die HVB und Unicredito wollen ihre Jahreszahlen am Mittwoch offiziell vorlegen. Die Münchener Bank veröffentlicht dabei aller Voraussicht nach zum letzten Mal eine Bilanz als Konzern einschließlich der Bank Austria und des Osteuropa-Geschäfts, das künftig bei Unicredito aufgehängt ist.

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