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05.07.2013

16:07 Uhr

Angeschlagenes Institut

Ladenhüter Commerzbank

Der erneute Kursrutsch der Commerzbank befeuert wieder die Übernahmespekulationen. Mögliche Käuferkandidaten wurden in der Vergangenheit genug gehandelt. Experten winken jedoch ab: „Zu unrealistisch“.

Hat derzeit an vielen Brandherden zu kämpfen: Commerzbank-Chef Martin Blessing. Reuters

Hat derzeit an vielen Brandherden zu kämpfen: Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Düsseldorf Bei seinem Amtsantritt vor knapp sechs Jahren hätte es sich Commerzbank-Chef Martin Blessing wohl nicht träumen lassen, dass er einmal in der Situation ist, dass sich Zerschlagungsgerüchte um sein Institut ranken. Doch genau diese Spekulationen reißen nicht ab – und werden durch den neuerlichen Absturz der Aktie noch befeuert. Papiere des Unternehmens sind derzeit billig zu haben: für 5,95 Euro ist man dabei.

In den vergangenen vier Wochen hat die Commerzbank ein Viertel ihres Wertes verloren. Seit Jahresbeginn haben die Papiere um fast 45 Prozent nachgegeben. Wenn die Aktie noch weiter abrutscht, könnte sogar der Ausschluss aus dem Dax drohen. Das Geldhaus, das einst mit dem Anspruch antrat, die Deutsche Bank anzugreifen, hat sich innerhalb von vier Jahren fast halbiert. Von knapp 1.100 Milliarden Euro nach der Übernahme der Dresdner Bank 2009 schmolz die Bilanzsumme auf knapp 650 Milliarden Euro.

Es geht immer weiter bergab, eine Lösung muss her – und die könnte auch eine Übernahme bedeuten. Ende Juni erfuhr das Handelsblatt, dass man beim Großaktionär Bund und in Frankfurter Finanzkreisen derzeit nicht nur über einen möglichen personellen Neustart diskutiert. Es gehe auch um die Frage, ob die Commerzbank langfristig aus eigener Kraft überleben kann - oder nicht besser mit einem Partner. „Die Konsolidierung ist ein Thema für die Zeit nach der Bundestagswahl“, sagte ein Insider laut Handelsblatt-Informationen. Eine Option sei, die Commerzbank zu nutzen, um die Säulen des deutschen Finanzsystems aufzubrechen und das Frankfurter Geldhaus mit einer Landesbank oder einer Genossenschaftszentralbank zusammenzuspannen.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Als mögliche Käufer wurden in den vergangenen Wochen zahlreiche Namen gehandelt, darunter der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock, chinesische Banken und sogar die Deutsche Bank. Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain verneinte jedoch jegliches Interesse an jedweden Fusionen oder Übernahmen.

Michael Seufert, Commerzbank-Analyst bei der Norddeutschen Landesbank, winkt ebenfalls ab: „Ich halte die Übernahmespekulationen zum jetzigen Zeitpunkt für unrealistisch. Der niedrige Kurs spricht zwar dafür, allerdings befindet sich das Haus mitten in der Umstrukturierungsphase, weshalb es für Investoren nicht attraktiv ist.“ Erst vergangenen Monat verkündete die Commerzbank, in den nächsten dreieinhalb Jahren rund 5200 Stellen zu streichen. Das ist jede neunte der 45.000 Vollzeitstellen im Konzern.

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Auch Guido Hoymann, Analyst beim Bankhaus Metzler, hält eine Übernahme für „unrealistisch“. Die Banken seien zurzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt aufgrund der derzeitigen Kapitalknappheit. Selbst die Deutsche Bank, die derzeit mit einer Eigenkapitalquote von 9,6 Prozent ausgestattet ist, käme als potenzieller Käufer nicht in Frage. „Auch wenn die Deutsche Bank derzeit recht gut dasteht würde die Übernahme der Commerzbank sie vermutlich zurückwerfen.“ Allein die schlechtere Eigenkapitalquote der Commerzbank, die nach der jüngsten Kapitalerhöhung 8,6 Prozent beträgt, könnte dazu führen, dass sich nach einer Übernahme die Quote insgesamt verschlechtert.

Die Commerzbank hat zudem mit einigen Unsicherheiten zu kämpfen. So ist das Institut auch im zyklisch anfälligen Geschäft mit Gewerbeimmobilien und Schiffsfinanzierungen involviert. Vor allem die interne Bad Bank der Commerzbank könnte noch so manche Überraschungen bergen. „Es ist nicht zu erwarten, dass die Risikovorsorge auf diesem niedrigen Niveau bleibt“, sagte der Finanzvorstand Stephan Engels erst kürzlich mit Blick auf die Abbaubank. So werden etwa in der Schiffsfinanzierung weiterhin hohe Abschreibungen auf faule Kredite erwartet.

Kommentare (12)

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05.07.2013, 16:27 Uhr

Habe hier im HB gestern noch den Coba-Put empfohlen mit der Bemerkung "morgen noch ein paar Stunden auf die Schläfer warten"

Bin heute wieder 12,5% reicher geworden. Danke Hr. Blessing für Ihre absolute Unfähigkeit - so macht man das..

Account gelöscht!

05.07.2013, 16:51 Uhr

Habe hier auch gestern das Kursziel ausgegeben:
50 Pfennig!
Bedanke mich jedoch bei keinem. Mahne aber an, dass hierzulande Versagen in hohen Funktionen nicht zum erforderlichen Rausschmiss führen.

Petgir

05.07.2013, 17:34 Uhr

Sehr schön, langsam wird der Laden interessant. Jetzt warten wir mal auf das Delisting und verbreiten noch ein bischen schlechte Laune ... bitte auch weiter fleißig shorten. Ich hätte gern eine Null vorm Komma.

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