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01.01.2006

19:31 Uhr

Angst vor neuen Hurrikans

Stürmische Zeiten für Versicherer

VonCapsar Dohmen

An der Wetterfront zeichnet sich keine Entspannung ab. Erste Vorhersagen von Meteorologen sehen 2006 erneut als ein hurrikanträchtiges Jahr. Auch mittelfristig ist keine Besserung in Sicht. Bereits in den vergangenen beiden Jahren gab es eine ungewöhnliche Häufung von Wirbelstürmen in den USA und Japan sowie den Rekordschaden durch den Hurrikan „Katrina“. Dessen Ausmaß steht bis heute noch nicht ganz fest.

HB MÜNCHEN. Klimaexperten der Rückversicherer machen eine Erwärmung der Ozeane für die verstärkten Sturmaktivitäten verantwortlich. Dabei überlagern sich zwei Trends: eine allgemeine unter anderem durch Kohlendioxid verursachte Klimaerwärmung sowie natürliche zyklische Schwankungen zwischen Kalt- und Warmphasen. Die Münchener Rück räumt den zyklischen Schwankungen heute einen größeren Anteil am Gesamteffekt ein als früher. Derzeit sehen deren Experten das Klima im ersten Drittel einer 20- bis 30-jährigen Warmphase.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit von Hurrikans. Besonders gravierend beurteilt Wilhelm Zeller die zunehmende Stärke der Stürme. „Wenn die Geschwindigkeit eines Sturms um sechs Prozent steigt, dann erhöht sich die Zerstörungskraft um 50 Prozent“, sagte der Vorstandschef der Hannover Rück kürzlich.

Letztlich hängen die für die Versicherungen entscheidenden Schäden von der Zugbahn eines Wirbelsturms ab. So bog der Wirbelsturm „Rita“ in diesem Sommer kurz vor der texanischen Millionenmetropole Houston ab. Aber der Sturm verschaffte der Branche gleichwohl einen Blick in den Abgrund. Denn bereits der Vorgänger „Katrina“ hatte schonungslos Schwächen der Risikomodelle der Rückversicherer aufgezeigt. Keiner hatte damit gerechnet, dass die wissenschaftlich anmutenden Modelle fehlerhaft sind. Ein Volltreffer in Houston hätte für einige Rückversicherer mit Sicherheit das Ende bedeutet.

Rückversicherer sind die Großhändler des Risikoschutzes. Erstversicherer wie Allianz, Victoria oder HUK Coburg decken Risiken für Privat- und Unternehmenskunden. Gegen Großschäden decken sich die Erstversicherer ihrerseits bei Rückversicherern ab. Sonst müssten viele bei Katastrophen die Insolvenz fürchten, ihre Kundschaft stände ohne Versicherungsschutz da. Eigentlich sind große Sturmdeckungen für Rückversicherer ein rentables Geschäft. Auf Grund von Erfahrungen und ausgeklügelten Modellen tüfteln sie aus, wie viel ein Großschaden kosten kann – dachte man.

Schwächen räumt auch die Branche selbst ein. „Insbesondere durch Katrina sind unsere Modelle überholt worden“, sagte der Vorstandschef der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, dem Handelsblatt. Unzureichend hätten die Modelle insbesondere die Schäden in der betroffenen Küstenregion sowie in New Orleans abgebildet, das gelte gerade für den sprunghaften Anstieg der Reperaturkosten.



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