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13.01.2010

21:02 Uhr

Anhörung zur Finanzkrise

US-Bankchefs räumen Fehler ein

VonAstrid Dörner

Die „Financial Crisis Inquiry Commission“ (FCIC) bat die Entscheider der großen US-Banken am Mittwoch zum Rapport. Eine Anhörung sollte Licht in die Rolle der Institute bei der Ausweitung und Verschärfung der Finankrise klären. Die Diskussion verlief sachlich und die Banker gestanden Fehler ein – vergaßen jedoch nicht die Offensive.

Lloyd Blankfein, Chairman von Goldman Sachs, stand mit seiner Bank im Fokus der Kommission. ap

Lloyd Blankfein, Chairman von Goldman Sachs, stand mit seiner Bank im Fokus der Kommission.

NEW YORK. Die Finanzkrise tobt seit zwei Jahren, doch deren Aufarbeitung hat gerade erst begonnen. Am Mittwoch lud die „Financial Crisis Inquiry Commission“ (FCIC) die Lenker großer US-Banken zur ersten Anhörung: Die Chefs von Goldman Sachs und JP Morgan Chase, Lloyd Blankfein und Jamie Dimon, der neue Vorstandsvorsitzende der Bank of America, Brian Moynihan, sowie Morgan Stanleys ehemaliger Chef John Mack reisten nach Washington, um sich den Fragen der überparteilichen Kommission zu stellen.

Es geht um die Vergütung an der Wall Street, um die Hilfsprogramme der Regierung, die Rolle der Rating-Agenturen, den Hypothekenmarkt und Kreditderivate, die den Versicherungskonzern AIG an den Rand des Zusammenbruchs geführt haben. Neue Erkenntnisse zu den Ursachen der Finanzkrise will die FCIC ans Licht bringen. „Wir können nicht nur das wiederkäuen, was wir schon wissen“, hatte Kommissionschef Phil Angelides im Vorfeld der Anhörung angekündigt.

Der ehemalige Finanzminister des Bundesstaates Kalifornien setzte am Mittwoch jedoch auf eine sachliche Debatte statt auf polemische Wortgefechte und gab mehrmals nach, als ihm Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein ins Wort fiel. Die Banker, vor allem Blankfein und Dimon, gaben sich aggressiv und selbstsicher, auch als es um die viel kritisierten Bonuszahlungen ging.

Blankfein stand im Mittelpunkt der Anhörung. Die zehnköpfige Kommission hatte deutlich mehr Fragen an ihn als an die anderen Banken-Chefs. Viel Zeit nahm sich Angelides für einen möglichen Interessenkonflikt von Goldman, in dem es um die Schaffung von bestimmten Derivaten ging. Diese hatte das einflussreiche Institut an institutionelle Investoren verkauft und dann über Leerverkäufe gleichzeitig auf den Wertverlust dieser Papiere gewettet. „Das klingt für mich ein bisschen so, als würde man ein Auto mit kaputten Bremsen verkaufen und dann eine Versicherung auf den Fahrer abschließen“, spottete Angelides. Blankfein jedoch protestierte vehement und betonte, dass es sich um professionelle Investoren gehandelt habe, die sich bewusst diesem Risiko ausgesetzt hätten.

Alle Banker gaben Fehler zu: „Während des Verlaufs der Krise hat unsere Branche eine Menge Schaden angerichtet“, sagte Brian Moynihan, der seit Januar die Bank of America führt.

Sie waren sich einig, dass eine Reform des Finanzsystems wichtig sei. Die Politik dürfe dabei jedoch nicht zu weit gehen, betonte Blankfein. Die Reform dürfe „nicht ausschließlich dazu dienen, uns vor einem Sturm zu bewahren, der nur alle 100 Jahre eintritt“.

Am Donnerstag geht die zweitätige Anhörung der Bankchefs weiter. Im Laufe des Jahres werden noch etwa zehn weitere folgen, bis die FCIC am 15. Dezember ihren Bericht abgeben muss. Schon seit Monaten steht der Ausschuss in der Kritik: Die Mitglieder seien zu unbekannt und nicht unabhängig genug. Zwei von ihnen haben Wahlkampfspenden von jeweils zwei Mio. Dollar aus der Finanzindustrie erhalten, wie aus Daten der Nichtregierungsorganisation Center for Responsive Politics hervorgeht.

Die Anhörungen kommen auch für die Regierung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn zur gleichen Zeit verhandelt der Bankenausschuss des Senats hinter verschlossenen Türen über Details der Finanzreform. Die Obama-Administration und einige Senatoren seien besorgt, dass „neue Erkenntnisse einen öffentlichen Aufschrei hervorrufen, die dann sich abzeichnende Kompromisse am Capitol Hill behindern könnten“, sagte Politik-Analyst Joseph Engelhard von der Investmentberatung Capital Alpha Partners.

Kommentare (3)

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rainer repke

14.01.2010, 03:47 Uhr

Liebe Freunde,

ich habe gestern die Debatte angehoert. Es war erstaunlich, wie dreist die vier Firmenchefs ihrer Verantwortung ausgewichen sind. Wenn man die hoert, dann war das Ganze ein Trend, an dem jeder mitmachte und es fehlte halt an interner und externer Kontrolle. Aber der SEC wollte man keine Vorwuerfe machen, rauemte allerdings ein, dass die Fed (die jetzt die Kontrolle ausuebt) besser ausgeruestet ist. im uebrigen habe man Hausufgaben gemacht, interne Kontrollen verbessert, die bilanzen bereinigt etc. Man hatte beinahe den Eindruck, die investment banken seien Opfer nicht die treibende Kraft. Und wie einmuetig die vier sich gaben.

in einem Punkt haben sie allerdings Recht: werimmer ein Produkt gekauft hat und das Risiko nicht selber sauber analysiert hat, ist bei Verlust selber schuld. So einfach ist es. Das z.b, selbst als Subprime Deals schon lange in der Welt als toxcic bekannt waren, Verkaeufer der investement banker in zb Australien rumgereist sind und haben den lokalen Regierungen dieses Zeug angeboten und verkauft, das zeigt ein anderes Gesicht: informationsvorteil wurde ohne Hemmung genutzt. Und, wenn Ratingagenturen nicht vertrauenswuerdig sind, wozu haben wir sie dann? War es nich umgekhrt so, dass die investement banken wussten, wo die Grenzen der Rating Agenturen sind und haben sie gerade deshalb um ein Rating gebeten (gegen bezahlung)?

Da war noch ein anderes Problem: zur Zeit vor dem Platzen der bubble wurde jeder Produktverkaeufer, der nicht mindestens 1o, 2o, 3o% pro Monat mehr an Produkten verkauft hat, als Versager angesehen und seine bezahlung hing nicht vom Wert seiner beratung ab, sondern allein vom Verkauf. Das hat sich nicht geandert. Und da war noch was: die Produkte waren (und sind) so komplex, dass der Verkaeufer sie nicht versteht. ich habe bei einem solchen Fall den Hochglanz-Zwei-Seiten-Prospekt gegen das Vertragswerk ausgehakt. Das hat eine Woche gedauert. Mein berater sagte: erstens verstehe ich das nicht, zweitens habe ich keine Zeit, wir haben das Produkt an einem Tag voll verkauft (was nutzt es mir da, wenn ich eine Woche spater guten Rat erhalte, und drittens, wie oben, ich werde nach Umsatz angesehen und bezahlt.

Mein Meinung ist, dass die investment banken (nicht nur die in den USA) die laxe Politik der USA massiv genutzt haben, um zu verkaufen, was nur irgend zu verkaufen ist. Und die Kaeufer waren, wieder einmal, zu daemlich, den braten zu riechen.

Es grusst
Euer
Rainer

aruba

14.01.2010, 08:14 Uhr

Guten Tag,...... Auch ich habe die Debatte auf CNbC verfolgt; ich kann mich nur den Worten von Mr. Rainer Repke anschliessen. Muessten unsere " banker " ( nicht bankiers ) sich einem solchen Gremium stellen; sie wuerden vor Dummheit brummen. Vor allem wurde der Jude blankfein mehrmal befragt ob er den wisse was er da alles Unterschreibe. Er wand sich wie ein Aal,..... was dem Kerl ja nicht schwerfaellt. ich habe Vorstaende erlebt die so besoffen waren dass sie kaum sprechen konnten; ( denken ? .. eh nicht ) jedoch kassieren und unterschreiben;.... das ging wie " Zitz ". besten Dank

Melanie Gatzke

14.01.2010, 13:53 Uhr

Wenn ich das alles lese, komme ich zu der Ansicht, die banker haben die Gier und die grenzenlose Dummheit der Menschen skrupellos ausgenutzt.
Ja, wer ist da wohl schuld?
ich mache in erster Linie die Politiker verantwortlich, die nicht fähig waren, die Grenzen zu setzen, im interesse des Ganzen, die nötig gewesen wären.
Der Mensch ist nun mal so, wie er ist. Die Gesetze müssen auch dem Rechnung tragen.
Die sollten mal alle auch ein wenig Psychologie und Verhaltensbiologie studieren, dann wüssten sie, warum es so ist und nicht anders. Es ist die natur des menschen und er kann nur durch Gesetze und Regelungen in Schach gehalten werden.
Es könnte einem ja wurscht sein, wenn einzelne baden gehen, doch es reißt ja ganze Volkswirtschaften mit, deshalb hört da die Freiheit der banker und jeden Einzelnen auch auf, wo sie allgemeinen Schaden anrichten. banker sind wie Raubtiere, sie überrennen alles, fressen alles, was ihnen in den Weg kommt. Da auf freiwillige Vernunft zu setzten ist an Dummheit und Naivität nicht mehr zu überbieten.
Noch schlimmer ist, dass niemand aus keiner Krise auch nur gas Geringste lernt.
Deshalb wird die nächste auch wieder kommen, und der Stasat wird wieder azhlen, dumm genug ist er .

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