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16.09.2011

15:53 Uhr

Anklage im UBS-Skandal

Die Zockerbande

VonTino Andresen, Thorsten Giersch

Jung, smart und kriminell - das Profil der Händler, die UBS und andere um Milliarden gebracht haben, ist immer das gleiche. Kein Wunder meinen Wirtschaftsethiker. Der Job ist beinhart. Die wenigsten beherrschen ihn.

Händler bei der Arbeit. AFP

Händler bei der Arbeit.

Düsseldorf31 Jahre ist jener Mann alt, der die UBS und ihre Aktionäre mal eben ein paar Milliarden geprellt hat. Die Polizei der City of London hat am Freitag Anklage gegen den inhaftierten Kweku Adoboli erhoben. Ihm werde Betrug zum Nachteil der Bank in Höhe von 1,3 Milliarden britischen Pfund (rund 1,5 Milliarden Euro) vorgeworfen. In Deutschland beenden manche in Adobolis Alter erst ihr Studium. In der Finanzbranche ist er nun schon mindestens der dritte erstaunlich junge Mensch, der einen Milliardenschaden anrichtet.

Der größte bekannte Zocker aller Zeiten, der Société-Générale-Händler Jérôme Kerviel, hatte gerade vor acht Tagen seinen 31. Geburtstag gefeiert, als er am 19. Januar 2008 ertappt wurde. Kerviel hatte offene Positionen von über 50 Milliarden in seinen Büchern. Ohne Erlaubnis hatte er die Börsenwetten abgeschlossen, die der französischen Großbank einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro einbrockten und Société-Générale-Chef Daniel Bouton den Job kosteten.

Das Musterbeispiel für einen kriminellen Händler, Nick Leeson, war sogar ein erst 27-jähriger Heißsporn, als er mit Betrügereien an der Börse in Singapur etwa 825 Millionen britische Pfund Verlust gemacht hatte und damit die älteste britische Handelsbank Barings, bei der sogar die Queen Kundin war, 1995 in die Pleite trieb.

Das zarte Alter der drei Zocker relativiert Hartmut Kliemt. „Mit 31 Jahren liegt man in etwa im Durchschnitt. Diese Händler müssen extrem belastbar sein und das ist man in der Form nur in jungen Jahren“, sagt der Professor für Legal Studies & Ethics an der Frankfurt School of Finance and Management im Gespräch mit Handelsblatt Online. Dass derartige Fälle möglich sind, liegt laut dem Fachmann für Philosophie und Ökonomik daran, „dass in Zeiten des schnellen Handels das Vier-Augen-Prinzip nur noch bedingt angewendet werden kann“.

Junge Händler haben einen harten Job - und müssen so mancher Versuchung widerstehen. dpa

Junge Händler haben einen harten Job - und müssen so mancher Versuchung widerstehen.

Die Jugend begünstigt nach Kliemts Ansicht derartige Taten: „Häufig ist das Bewusstsein für die eigenen Schwächen noch nicht voll entwickelt.“ Junge Menschen überschätzten ihre eigenen Fähigkeiten zur Selbstkontrolle. „Auch sind sie für den Erwartungsdruck ihrer Umwelt empfänglicher. Soweit diese Erfolg über Vorsicht stellt, wird es gefährlich.“ Dagegen müssten feste, innere Werte stehen und die Oberhand behalten.

Kweku Adoboli lebte in Laufentfernung zur Londoner City im angesagten Stadtteil Shoreditch, wo er bis vor kurzem in einer von Augenzeugen als „ziemlich aufgemotzt“ beschriebenen Loft für eine Wochenmiete von 1140 Euro logierte. Der inzwischen verhaftete Mann ist Brite und hat ghanaische Wurzeln. Er fotografiert gerne, schätzt schicke Restaurants, argentinische Weine und afrikanische Musik, beispielsweise vom nigerianischen Saxofisten Fela Kuti. Er war auf einer Privatschule. Für die UBS ist der studierte Computerwissenschaftler schon seit 2006 aktiv. Kollegen und Bekannten charakterisieren ihn als „hart arbeitend“ und „geradlinig mit hoher Integrität", einer auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sogar als „Supertyp“.

Kommentare (15)

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lowabras

16.09.2011, 14:04 Uhr

Nein nicht belastbar, sondern skrupellos kriminell, das ist die Voraussetzung für diese Riege, Herr Professor (von wem auch immer ernannt)!
Genau danach werden sie von den Banken ausgesucht, wer Banken "inside" kennt, kann ihnen da bei ihren klugen Erkenntnssen sicher etwas auf die Sprünge helfen!

flyingfridge

16.09.2011, 14:26 Uhr

Vollkommen richtig. Außerdem wäre es beim heutigen elektronischen Handel ein Leichtes, die Positionen einzelner Händler genau zu limitieren. Also wird entweder gewollt einem Einzelnen das Risiko aufgedrängt oder die ganze Investmentgruppe hat sich verzockt und dann wählt man unter sich einen Schuldigen aus, um das Image der Bank etwas zu schonen und den Sündenbock auszugrenzen. Vielleicht hat der junge Mann einfach den kürzesten Strohhalm gezogen?

Bernhard

16.09.2011, 14:45 Uhr

Immer das gleiche, es lässt sich nicht verbessern, höchstens man stellt diesen Geschäftszweig ein.

Die Glaskugel ist für alle gleich trüb. Praktisch alle Studien belegen, dass keiner (kein Bankberater, kein Fondsmanager, kein guter Freund, kein Computer und sei der Algorithmus noch so fein) dauerhaft Prognosen erstellen kann, deren Wahrscheinlichkeit einzutreffen bei mehr als 50 Prozent liegt. Es gibt nämlich keine Muster, die sich dauerhaft wiederholen, höchstens welche die sich zufällig ähnlich sind. Die Betonung liegt hier auf zufällig. Und weil das so ist, sollte niemand Berater oder Manager für Prognosen bezahlen (in Form von Provisionen und Gebühren) und erwarten oder erhoffen das diese „eingekauften“ Tipps erfolgreich sind. Selber machen und provisionsfrei anlegen ist die einzig saubere Lösung.

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