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03.02.2011

15:56 Uhr

Anlegerschutzgesetz

MLP fordert strengere Regulierung für alle

VonMichael Detering, Thomas Schmitt

Verbraucherschützer erhalten bei ihrer Kritik an dem aus ihrer Sicht zu schwachen Anlegerschutzgesetz Unterstützung aus der Finanzbranche. Der Finanzvertrieb MLP kritisiert, dass Banken und freie Vermittler künftig unterschiedlich stark reguliert werden.

MLP-Chef Schroeder-Wildberg sieht Nachholbedarf bei der Regulierung. ap

MLP-Chef Schroeder-Wildberg sieht Nachholbedarf bei der Regulierung.

FRANKFURT. "Entscheidende Fortschritte beim Anlegerschutz sind nur möglich, wenn es einen einheitlichen Rechtsrahmen gibt", sagte der Vorstandsvorsitzende von MLP, Uwe Schroeder-Wildberg. MLP hat ein eigenes Interesse an einer stärkeren Regulierung: Anders als andere Finanzvertriebe wie AWD oder OVB hat der Konzern aus Wiesloch eine Banklizenz und fällt deswegen unter die strengere Regulierung.

Besonders großer Streitpunkt ist, welche Behörde für die Aufsicht zuständig: Nur die Vermittler von Banken sollen künftig von der strengeren Finanzaufsicht BaFin kontrolliert werden, freie Vermittler hingegen von der Gewerbeaufsicht. Kritiker monieren, dass diese Ämter, die sich sonst um die Hygiene in Gaststätten oder illegal entsorgten Müll kümmern, mit der neuen Aufgabe überfordert sind.

Das Anlegerschutzgesetz soll am 11. Februar vom Bundestag verabschiedet werden und im März in Kraft treten. Der Bundesrat hatte Einwände erhoben, aber Beobachter erwarten nicht, dass sich an der Zweiteilung bei der Aufsicht noch etwas ändern wird.

MLP-Chef Schroeder-Wildberg kritisierte auch die Gesetzgebung bei den Produktinformationsblättern. "Je nach Produkt gibt es keine einheitliche Regelung, was veröffentlicht werden muss und was nicht", sagte der MLP-Chef. "Das wird bei vielen Verbrauchern zu Irritationen und Verwirrung führen."

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) und die Gewerkschaft Verdi fordern ein konsequenteres Vorgehen beim Anlegerschutz. "Die Finanzaufsicht muss die Anlageberatung stärker unter die Lupe nehmen", sagte der VZBV-Vorstand Gerd Billen. Er kritisierte ebenfalls die zersplitterten Kontrollstrukturen: "Wir brauchen eine einheitliche Regulierung und Beaufsichtigung für alle Finanzvermittler inklusive des grauen Kapitalmarktes." Im Gewerberecht habe die Aufsicht über Finanzvermittler nichts zu suchen.

Kommentare (3)

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k.h.a.

03.02.2011, 19:02 Uhr

Mit dem Ruf nach (einheitlicher) Regulierung lenken sie nur ab von der persönlichen Verantwortung, der sie sich zu stellen hätten, könnten sie nicht auf die (unzulängliche, mißverstandene oder überreichliche) Regulierung ihres Unternehmens verweisen. Zehn Jahre Gefängnis und Einziehung des gesamten Vermögens bieten immer noch die beste Abschreckung vor dem allzu großzügigen Umgang mit dem Vermögen der Anleger.

JCFK

04.02.2011, 13:03 Uhr

@k.h.a: ja und die Todesstrafe für jeden der es auch nur wagt nur einen Fehler in seinem Leben zu machen. :-) Mal im Ernst, oft sind Kunden nicht in der Lage einfachste Zusammenhänge zu verstehen. - Klar der Aktienfonds wird aus Angst immer dann verkauft wenn der Kurs schlecht läuft. - ist daran dann ein Vermittler oder eine bank schuld, selbst wenn ein Aktienfonds für den Anlagehorizont des Kunden geeigent gewesen wäre?

Neulig

05.02.2011, 18:19 Uhr

Grundsätzlich wäre eine bessere Überprüfung richtig. Auch eine gewisse und sinnnvolle Regulierung halte ich für sinnvoll. Allerdings verdrehen Unternehmen wie MLP gerne die Tatsachen und machen aus der Not eine Tugend. beratungsprotokolle werden vor allem so erstellt, dass Kunden haufenweise Lücken aufgewiesen werden, die sie unbedingt mit dem Abschluss neuer Verträge schließen müssen und Kunden werden mit der Argumentation zu Terminen gelotst, dass unbedingt ein aktuelles beratungsprotokoll erstellt werden müsste.
interessant ist, dass MLP gerne angibt sie wären eine bank. Sie haben eine banklizenz, damit sind sie aber noch keine bank im eigentlichen Sinne und die MLP-berater, die einfache und gebundene Handelsvertreter sind, sind noch lange keine bankberater oder gar Vermögensverwalter für die sie sich häufig ausgeben (siehe internetportale). Wäre MLP eine echte bank hätten sie an dem Stresstest der banken teilnehmen müssen. Haben sie aber nicht. Leider sind bergriffe wie "bankberater" oder "Vermögensverwalter" nicht geschützt. Ein MLP-berater darf im Namen seiner Kunde z. b. keine Aktien kaufen, was aber ein Vermögensverwalter in einem gewissen Rahmen dürfte. Auch eine Aktienberatung findet nicht satt, wie sie in einer bank aber möglich wäre. Das will MLP wahrscheinlich auch gar nicht, da man dabei viel zu wenige verdienen würde.
Weiterhin geben sich ein paar MLP-berater als Dozenten aus. Nämlich der "Corporate University" von MLP, die aber keine Universität ist. Man kann dort keinen Abschluss machen und man nennt sich ja auch absichtlich "university" und nicht Universität, was ein geschützter begriff ist. "Dozent" wiederum ist nicht geschützt u. s. w.
Wie kann man z. b. MLP bzw. deren Handelsvertretern trauen, wenn sie sich so verhalten, dass jeder normale Kunde im Prinzip schon bei der Darstellung vieler Sacherverhalte im weiteren Sprachgebrauch getäuscht wird. Für viele Geldanlagen (MLP Fonds)findet man auch keine Wertpapierkennnummer, weil sie nicht an der börse zugelassen sind und man wohl nicht möchte, dass die Produkte vom Kunden mit anderen Anlagen verglichen werden können (oft sehr hohe Verwaltungskosten und eine Performance, die die Fonds vielleicht zum Mittelmaß gehören lassen). Die verwendete beratungssoftware ist bei Finanzdienstleistern oft ein Eigenprodukt. Meistens dürfen Handelsvertreter von Finanzdienstleistern zur beratung keine anderen und unabhängigen Vergleichsprogramme verwenden. So kann der Finanzdienstleister ein Produktsteuerung über gewisse Eigenschaften vornehmen und möglichst die Produkte verkaufen, bei denen das Finanzdienstleistungsunternehmen z. b. am meisten Provision erhält. Die Handelsvertreter wissen davon meistens nichts und haben in ihren Verträgen häufig nur einen eigenen Provisionssatz stehen (z. b. 2,5% bei einer Lebensversicherung oder 5 Monatsbeiträge bei einer privaten Krankenversicherung). Dass der Finanzdienstleister aber bei Versicherung A 5,5% Provision erhält und bei Versicherung b nur 4,5%, weiß der berater häufig nicht. bei den Monatsbeiträgen für Krankenversicherung kann die Differenz z. b. zwischen 2 und 14 liegen, so dass hier eine Steuerung noch viel interessanter ist.
Wenn MLP wirklich ehrlich sein wollte, würde sie den Kunden mitteilen, wie viel Provision MLP und der berater bei jedem Vertrag wirklich verdient. Auch die tatsächlichen bestandsprovisionen sollten sie aufweisen. Dann würde ein Kunde vielleicht erkennen, warum es A statt b empfohlen bekommt. Das schreibt aber der Gesetzgeber so leider nicht vor, so dass bisher nur Durchschnittsätze veröffentlicht werden, so dass fast jede Lebensversicherung 4% Abschlussprovision hat, obwohl das gar nicht stimmt. Über die bestandsprovisionen, die auch sehr unterschiedlich sein können, findet man gar nichts.

Die hier geäußerten Wünsche von Herrn Schröder-Wildberg haben m. E. allein das Ziel Wettbewerber durch weiteren bürokratischen Aufwand und erhöhte Einstiegshürden zu verdrängen oder von dem Geschäft abzuhalten. Eine Verbesserung ist m. E. nicht wirklich gewünscht, denn diese könnte MLP auch ohne gesetzliche Vorgaben umsetzen. ich denke, dann würden sich aber einige Kunden wundern, wenn in der Vergleichssoftware z. b. auch die echten Provisionen ausgewiesen würden und man danach sortieren könnte. Ein gutes beispiel ist z. b. die Versicherung Heidelberger Leben, die zum Großteil nur von MLP-beratern verkauft wird. Laut baFin (siehe Homepage von baFin) hat diese Versicherung mit die höchsten Verwaltungskosten in Deutschland und bisher auch sehr geringe Nettorenditen (z. b. 2008: 1,0% Reinverzinsung und 10,9% Verwaltungsaufwendungen!). Wie kann ein "echter" Makler einem Kunden ein Produkt einer Versicherung empfehlen, von der er weiß, dass alleine die Verwaltungskosten 200-400% höher sind als bei anderen Anbietern?

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