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02.09.2011

12:29 Uhr

Anleihe-Tausch

Bad Bank der HRE macht bei Griechen-Rettung mit

Für rund eine Milliarde Euro beteiligt sich die Bad Bank der verstaatlichen Hypo Real Estate am Umtausch von griechischen Staatsanleihen. Dieser Schritt war anfangs umstritten, da die Bad Bank dem Staat gehört.

Grünes Licht für den Kauf griechischer Staatsanleihen. Reuters

Grünes Licht für den Kauf griechischer Staatsanleihen.

MünchenDie Bad Bank für die Altlasten der Immobilienbank Hypo Real Estate will der Griechenland-Rettung nicht im Wege stehen. Die FMS Wertmanagement genannte Abwicklungsanstalt teilte am Freitag in München mit, sich an dem Umtausch von Anleihen zu beteiligen, mit dem die Finanzbranche dem schuldengeplagten Land unter die Arme greifen will.

Das Gesamtvolumen der griechischen Anleihen und Kredite im FMS-Portfolio betrage derzeit 8,76 Milliarden Euro. „Von den 30 Einzelpositionen qualifizieren sich 13 Anleihen mit einem Laufzeitende vor dem Jahr 2020 für den von der griechischen Regierung angebotenen Umtausch in länger laufende Papiere.“ Das Volumen dieser Wertpapiere summiere sich auf 975 Millionen Euro.

„Wir gehen davon aus, dass diese Maßnahme eine Stabilisierung bewirken wird“, sagte FMS-Risikochef Christian Bluhm. Er machte aber auch deutlich, dass die FMS aus handfesten eigenen Interessen handelt. Denn die Aussichten auf eine vollständige Rückzahlung der anderen Anleihen dürfte sich so verbessern. Um einen substanziellen Beitrag der Finanzbranche an der Griechenland-Rettung hinzubekommen, müssen sich auch die Bad Banks der HRE und der WestLB einbringen - schließlich halten sie als Mülldeponie der beiden in der Finanzkrise gestrauchelten Geldhäuser besonders große Positionen in Griechenland.

Droht eine Neuauflage der Bankenkrise?

Gibt es erste Anzeichen für eine Krise?

Das Misstrauen der Banken untereinander ist gestiegen. Sie leihen sich nicht mehr unbesorgt Geld, sondern deponieren es trotz geringer Zinsen teilweise lieber bei der Europäischen Zentralbank. Im August steigen die bei der EZB über Nacht „geparkten“ Gelder deutlich, auf zeitweise bis zu 145 Milliarden Euro. Von den Höchstständen während der Finanzkrise - 2008 waren es in der Spitze fast 300 Milliarden Euro - ist das aber noch ein gutes Stück entfernt.

Zugleich leihen sich die Institute nicht mehr so schnell Geld ohne Absicherung. Die Zinsen für unbesicherte Kredite in Euro sind deutlich stärker gestiegen als für besicherte. Der Abstand liegt in ruhigen Zeiten bei 0,2 Prozentpunkten, mittlerweile beträgt er 0,7 Prozentpunkte, wie Marc Hellingrath Fondsmanager bei der Fondsgesellschaft Union Investment berichtet. Zur Zeiten der Lehman-Krise waren es allerdings 2 Prozentpunkte.

Warum steigt das Misstrauen?

Banken haben milliardenschwere Forderungen an die Eurosünder Griechenland, Portugal oder Irland in ihren Büchern. Das Problem: Staatsanleihen aus OECD-Staaten müssen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. „Die Banken haben Risiken in ihrer Bilanz stehen, die als solche nicht gekennzeichnet sind“, sagt Bankenexperte Hein.
Kann ein Land seine Schulden ganz oder teilweise nicht zurückzahlen, müssen die Banken die Anleihen abschreiben, das führt zu Verlusten, die das Eigenkapital verringern.

Was unterscheidet die Lage von der letzten Krise?

Die meisten Banken stehen besser da als vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, da sind sich Experten einig. Die Institute haben ihre Bilanzen um faule Kredite bereinigt, die Kapitalausstattung ist besser. „Wir sind sehr weit entfernt von einer Situation, wie wir sie 2008 erlebt haben“, sagte jüngst Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret. Die europäischen Banken hätten im allgemeinen ihre Kapitalbasis erheblich gestärkt und seien dadurch widerstandsfähiger geworden. Den jüngsten Banken-Stresstest hatten alle deutschen Institute bestanden.

Gibt es auch positive Signale?

US-Investorenlegende Warren Buffett kündigte jüngst an, für fünf Milliarden Dollar Aktien der angeschlagenen Großbank Bank of America zu kaufen. Beobachter werten dies als Zeichen des Vertrauens in die Branche. Für Optimismus sorgte auch die angekündigte Fusion zweier bedrängter griechischer Großbanken.

Wie geht es weiter?

IWF-Chefin Christine Lagarde forderte die europäischen Staaten jüngst auf, Banken zu rekapitalisieren. Die EU-Kommission warnt vor Panikmache. Sie weist daraufhin, dass europäische Banken im Zuge der Stresstests ihr Eigenkapital um rund 50 Milliarden Euro gestärkt hätten. Nach Einschätzung des Bankenexperten Martin Faust von der Frankfurt School of Finance & Management hängt viel davon ab, wie sich die Schuldenkrise entwickelt. „Wenn wir tatsächlich über den Ausfall von Staatsanleihen im größeren Umfang reden, dann haben nicht nur die Banken ein Problem, dann liegen die Probleme weltweit.“

Das Vorgehen stößt in der Politik aber teilweise auf Kritik, weil so wieder der Steuerzahler, der für die Bad Banks in der Pflicht steht, haftet.

Nach langem Ringen hatten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann eine Beteiligung deutscher Institute im Umfang von 3,2 Milliarden Euro zugesagt, davon sollen 1,2 Milliarden Euro von den Bad Banks kommen. Griechenland strebt, um den Konkurs zu vermeiden, einen Umtausch von 90 Prozent seiner bis 2020 laufenden Anleihen an. Die Banken müssen zwar auf 21 Prozent ihrer zugesicherten Erträge verzichten, bekommen durch den Tausch in neue Papiere aber mehr Sicherheit.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

02.09.2011, 11:35 Uhr

Na klar, ist ja auch eine Bad-Bank.

Account gelöscht!

02.09.2011, 11:42 Uhr

ist das jetzt ein bad-joke?????

Profit

02.09.2011, 11:47 Uhr

Diese "Bank" liefert genau den Grund, warum ich noch in Griechenland-Anleihen drin bin. Die Dummheit der Politiker und "Normalbürger" kennt keine Grenzen ("Es kennt um Europa!"). Nachdem deutsche Politiker die Steurn erhöht haben werden - die SPD diskutiert ja heiß und innig darüber ("Reichensteuer") -, um den Euro-Rettungsunsinn zu finanzieren, will ich wenigstens vorher meinen "Schnitt" gemacht haben.

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