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27.02.2014

13:17 Uhr

Anshu Jain

Zurück zu den Anfängen

VonThomas Jahn

Der Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, kehrt anlässlich des alljährlichen Maskenballs des Jüdischen Museums in seine alte Heimat New York zurück – und erzählt bestgelaunt und gelöst von seinem Leben.

Anshu Jain: Wiedersehen mit der alten Heimat New York. dpa

Anshu Jain: Wiedersehen mit der alten Heimat New York.

New YorkDas Park Armory ist ein gewaltiger Bau auf der Upper East Side von New York. Vor 130 Jahren lagerte hier ein ganzes Regiment der US-Armee. Heute ist das burgähnliche Gebäude denkmalgeschützt und eine der feinsten Adressen in der Metropole.

Am gestrigen Mittwochabend feierte dort das Jüdische Museum seinen alljährigen Maskenball. Star des „Purim Balls“: Anshu Jain, der Co-Chef von der Deutschen Bank.

Endlich ein Abend ohne Zank und Zaudern. In Deutschland schwirren die wildesten Berichte über den Manager und die Deutsche Bank durch die Gegend. Wegen der Manipulationen beim Leitzins Libor soll der Chef-Jurist auf der Kippe stehen, das Geldinstitut soll bereits über einen Nachfolger von Jain nachgedacht haben. Sein Co-Chef Jürgen Fitschen könnte wegen Prozessbetrug im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess angeklagt werden. Dazu stehen noch Ermittlungen zu Devisenkursmanipulationen an, die Bank feuerte vor wenigen Wochen drei Händler in New York.

Doch all den Ärger ließ sich Jain nicht anmerken. Im Gegenteil: Der 51-Jährige zeigte sich bestgelaunt. Der Purim-Ball ist einer der besonderen Gesellschaftsfeiern in New York, bei dem die Gäste Masken tragen: Erst ein Cocktailempfang, dann ein festliches Essen, gefolgt von einer angesagten After-Party.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Der ehemalige Bürgermeister Michael Bloomberg war dabei, wie auch die Führungsriege von Black Rock, dem größten Geldverwalter der Welt: Gründer Rob Kapito hielt das Grußwort, im Publikum saßen auch Vorstandschef Larry Fink und Bob Benmosche, Chef von dem Versicherungsriesen AIG.

„Für meine Familie und mich fühlt sich der Abend wie ein Wiedersehen an“, sagte Jain. „Ein Wiedersehen mit New York – der Stadt, die für mehr als ein Jahrzehnt unsere Heimat war“. Jain arbeitete von 1985 bis 1995 als Investmentbanker an Wall Street. Dann zog er nach London, um für die Deutsche Bank zu arbeiten.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

27.02.2014, 14:30 Uhr

UNGLAUBLICH
Die Aktionäre der Deutschen Bank haben Tränen in den Augen und der Typ vergnügt sich.

Account gelöscht!

27.02.2014, 14:36 Uhr

Aha. Das hätten wir uns denken können.

Ich nehme an, der Rücktritt ist nur noch eine Frage von Wochen.

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