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17.01.2010

10:52 Uhr

Anti-Wall-Street

„Move your Money“ in die Gemeindebank

VonRolf Benders

Linksliberale Internetaktivisten blasen zum Angriff auf die Wall Street. In einer Kampagne fordern sie die Bürger auf, ihr Geld aus dem "Finanzkasino" abzuziehen und es bei den Gemeindebanken anzulegen. Der künstliche "Run" soll die Großbanken gefügig machen.

NEW YORK. Es ist ein Vorsatz für 2010 - so explosiv wie ein Silvesterfeuerwerk. "Move your Money" lautet der Slogan der jüngsten Anti-Wall-Street-Bewegung in den USA. Mit großem publizistischem Erfolg propagiert die linksliberale Internetaktivistin Arianna Huffington ihre Idee, die US-Bürger sollten ihre Ersparnisse von den mit Steuergeldern gestützten Instituten aus dem "New Yorker Finanzkasino" abziehen und es bei Gemeindebanken anlegen. "Es ist unsere Aufgabe, das Finanzsystem stabiler zu machen. Washington ist dazu nicht in der Lage", sagte die Gründerin der Huffington Post, einer der am meisten gelesenen Websites in den USA. "Das Geld abzuziehen und dort anzulegen, wo es unseren Gemeinden hilft, wäre ein perfekter Vorsatz für das neue Jahr."

Seit die Kampagne vor gut einer Woche ins Netz ging, erzielte die Internetseite über 2,3 Mio. Seitenaufrufe, 280 000-mal wurde das dazugehörige Video auf YouTube angesehen. "Es ist der Traum jedes Marketingexperten, der sich mit sozialen Internetnetzwerken beschäftigt, ein Konzept zu entwickeln, das so schnell erfolgreich ist", sagte Jacob Jegher, Bankenanalyst bei Celent.

Seit dem Sommer, als sich die Rückkehr der Banken zu Milliardengewinnen und-boni abzeichnete, wächst die Anti-Wall-Street-Bewegung. Der Hauptvorwurf: Wie kann es sein, dass der Steuerzahler die Banken rettet und diese dann zur Normalität übergehen. Zu dieser "Normalität" gehört den Kritikern zufolge eine restriktive Kreditvergabe, hohe Überziehungszinsen und Strafgebühren sowie Millionenausgaben für Lobbyarbeit gegen mehr Regulierung.

Sie wolle einen "Run" auf die Großbanken erzeugen, der diese zur Einsicht zwinge, sagte Huffington. Eigentlich versteht man unter einem "Run", dass Kunden in einer Krise so schnell so viele Einlagen bei einem Institut abziehen, dass es kollabiert. Huffington erhofft sich durch die Neuverteilung der Spareinlagen mehr Konkurrenz und daher bessere Konditionen für Kunden. Durch die Verkleinerung der Finanzgiganten soll das System zudem stabiler werden.

Kritiker halten Huffingtons Kampagne für problematisch. "Letztlich sind es die waghalsigen Community Banks, die jede Woche pleitegehen", meinte Ed Harrison, Bankenspezialist bei der Beratungsfirma Global Macro Advisors in Anspielung auf die 140 im vergangenen Jahr umgefallenen Kleinbanken. Huffingtons sieht das anders: Die Großbanken hätten mit dem Geld der Regierung den Kleinen das Leben schwergemacht. Zum Schutz ihrer Leser bietet sie auf "move-yourmoney.info" gemeinsam mit dem Researchhaus Institutional Risk Analytics eine Datenbank an. Gibt der Nutzer seine Postleitzahl ein, werden ihm als sicher bewertete Community Banks der Umgebung angeboten. Zudem ist für den "kleinen Mann" das Risiko überschaubar, Konten bis 250 000 Dollar sind staatlich garantiert.

Die rund 5 000 Kleinbanken im Lande sind verständlicherweise begeistert, auch wenn sie nicht an erdrutschartige Veränderungen glauben. "Unsere Mitglieder sind völlig verrückt nach dieser Kampagne", sagte Cam Fine, Präsident der Vereinigung Independent Community Banks. Aber er glaube nicht, dass die Kampagne die 15 bis 20 größten Banken des Landes ihrer Einlagen berauben werde. Die vermeiden bislang jede Konfrontation mit Huffington und schweigen sich aus.

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