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22.12.2016

21:25 Uhr

Antrag auf Staatshilfe wird erwartet

Private Rettung von Monte dei Paschi gescheitert

Fünf Milliarden Euro benötigt die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi bis Jahresende. Private Investoren sollten das Geld beisteuern. Doch das Vorhaben ist misslungen. Vermutlich muss der Staat nun helfen.

Die Krisenbank muss nun aller Wahrscheinlichkeit nach Staatshilfe beantragen. Reuters

Monte dei Paschi in Siena

Die Krisenbank muss nun aller Wahrscheinlichkeit nach Staatshilfe beantragen.

RomDer italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena ist der erhoffte Befreiungsschlag misslungen. Das Traditionshaus habe bei seiner Kapitalerhöhung weniger Geld eingenommen als die benötigten fünf Milliarden Euro, teilte das Institut am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur Ansa zufolge mit. Es wird erwartet, dass die Bank den Staat nun um direkte Hilfe bittet und dieser das nötige Geld zuschießt.

Experten hatten bereits damit gerechnet, dass Monte dei Paschi durch den Umtausch von Anleihen in Aktien und den Verkauf neuer Aktien nicht die nötige Summe zusammenbekommt. Die italienische Regierung hatte sich daher bereits am Dienstag beim Parlament die Erlaubnis für eine Kreditaufnahme von bis zu 20 Milliarden Euro geholt, um angeschlagene Banken im Notfall zu retten. Wann das Kabinett ein Notfall-Dekret verabschieden könnte, war zunächst unklar.

Monte dei Paschi ächzt unter einem Berg fauler Kredite, die nun teils abgestoßen werden sollen. Damit der Bank dieser Kraftakt gelingt, muss sie bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen. Neben dem Verkauf neuer Aktien, der am Nachmittag geendet hatte, sollte dazu auch ein Umtausch von Anleihen in Aktien beitragen. Nach Angaben von Monte dei Paschi steuerte der Umtausch 2,06 Milliarden Euro an Kapital zu dem Rettungspaket bei.

Das Traditionshaus hatte bereits am späten Mittwochabend in Siena erklärt, bisher keinen sogenannten Ankerinvestor gefunden zu haben, also einen Geldgeber, der eine große Last bei der Kapitalerhöhung hätte schultern können.

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Am Mittwoch hatte die Bank erklärt, dass ihr das Geld früher ausgehe als gedacht. Die flüssigen Mittel könnten nur noch für vier Monate reichen, hieß es in einer Kapitalmarkt-Mitteilung. Bislang hatte das schwer angeschlagene Geldhaus aus Siena angegeben, dass das Geld noch für elf Monate ausreiche. Zum Stichtag 16. Dezember hatte Monte dei Paschi 10,6 Milliarden Euro an Liquidität.

Es wird damit gerechnet, dass die Bank den Staat nun um direkte Hilfe bittet. Erst am Dienstag hatte das Parlament die Aufnahme neuer Staatsschulden in Höhe von 20 Milliarden Euro gebilligt, um Monte dei Paschi und andere Krisenbanken notfalls stützen zu können. Die italienische Finanzbranche leidet unter der schwachen Wirtschaft im Land, weshalb viele Schuldner ihre Kredite nicht bedienen können.

Von

dpa

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