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15.01.2008

12:25 Uhr

ANZ expandiert

Angreifer aus Australien

VonUrs Wälterlin

Die Finanzwelt wird immer wieder von „Global Players“ überrascht, die scheinbar aus dem Nichts auftauchen. Eine dieser Unbekannten ist die australische Großbank ANZ. Das traditionsreiche Finanzinstitut vergrößert sich stetig und hat ehrgeizige Ziele. Der nächste Schritt ist eine Großoffensive im asiatischen Raum.

MELBOURNE. Geht es nach Mike Smith, dann wird Asien bald eine neue Großbank haben. Der neue Chef der Melbourner Australia and New Zealand Banking Group (ANZ) plant in der nördlichen Nachbarschaft einen Frontalangriff. Im Dezember kündigte der 50-jährige Brite an, den heutigen Gewinn von 3,9 Mrd. australischer Dollar (Finanzjahr 07) in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln - größtenteils durch eine Expansion in Asien.

Statt wie bisher sieben Prozent sollen in Zukunft 20 Prozent des Gewinns aus dem Geschäft in diesem Teil der Welt stammen. Eine "führende Superregionalbank von globaler Qualität" solle ANZ werden. Der Markt war überhaupt nicht begeistert. Smith?s Pläne klangen zu sehr nach teuren Mega-Akquisitionen, fürchteten die Anleger. Doch der behäbig wirkende ehemalige Asien-Chef von HSBC wehrte ab. Er sprach von "organischem Wachstum". "Ich werde nicht die Bank verwetten", versuchte er die Kritiker zu beruhigen.

Dennoch hat die Nachricht das Interesse auf die bislang wenig bekannte Bank gelenkt. Nach Commonwealth Bank (CBA) und National Australia Bank (NAB) ist ANZ mit einem Umsatz von zehn Mrd. australischen Dollar die drittgrößte unter den australischen Großbanken. Das war nicht immer so. Vor zehn Jahren hinkte ANZ der Konkurrenz noch weit hinterher. Ein aggressives Sparprogramm unter Smith?s Vorgänger John MacFarlane brachte die Wende. Hinzu kam die Expansion in internationale Märkte - überwiegend in Asien.

Dabei ist die Bank seit ihren Anfängen im Jahr 1835 in London - damals noch als The Bank of Australasia (BoA) - international ausgerichtet. Sehr früh wurden Büros an exotischen Orten wie etwa den Salomonen und den Cook Inseln eröffnet, lange bevor andere australische Institute daran dachten, dass es auch in solchen Regionen einen Markt gibt.

Die moderne ANZ gibt es seit 1951, als sich BoA mit der damaligen Union Bank of Australia zusammenschloss. Heute ist ANZ in 25 Nationen präsent. In Neuseeland ist sie sogar die Nummer eins. ANZ bietet die volle Palette von Dienstleistungen - vom Einzelkundenkonto über Hypothekenkredite, Anlageberatung bis hin zum Investment-Banking. Doch trotz des Aufstiegs in der Rangliste der größten australischen Banken enttäuschte ANZ zuletzt die Anleger mit einem unterdurchschnittlichen Gewinnzuwachs. Während die Konkurrentinnen um zweistellige Prozentsätze zulegten, steigerte ANZ ihren Gewinn im letzten Jahr lediglich um acht Prozent auf 3,9 Mrd. australische Dollar. Viele sehen das Geldhaus deshalb als potenzielles Übernahmeziel.

Doch nicht mit Mike Smith. Nachdem der erste Schreck über das Ausmaß seiner Pläne überwunden war, wendeten sich die Analysten den Einzelheiten zu. Und die gefallen ihnen mittlerweile immer besser - auch wenn sich die überwiegende Mehrheit noch zurückhaltend äußert. "Wenn Smith diese ambitionierten Ziele erreicht, dann wird ANZ ganz groß; wenn nicht, hat er keine Glaubwürdigkeit mehr", sagt ein Beobachter.

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