Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.09.2011

13:11 Uhr

Appell an Berlusconi

Top-Banker kritisieren fehlenden Reformeifer in Italien

Alle stürzen sich auf Berlusconi: Spitzenbanker der EU verlangen von Italiens Ministerpräsident mehr Kraftanstrengungen, damit sein Land wieder auf die Beine kommt - man könne noch viel Fett abschneiden in Italien.

Soll sich mehr anstrengen, um seinem Land wieder auf die Beine zu helfen: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi. dpa

Soll sich mehr anstrengen, um seinem Land wieder auf die Beine zu helfen: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

FrankfurtDeutliche Worte in Frankfurt: Europäische Spitzenbanker fordern von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi mehr Kraftanstrengungen, um die Schuldenprobleme des Landes zu lösen. Am deutlichsten wurde am Dienstag Commerzbank -Chef Martin Blessing: „Italien hat ein Problem mit der politischen Führung, nicht mit der Wirtschaftsstruktur“, sagte er am Dienstag auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt. Das Land sei zu groß, um unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen zu können, es müsse sich selbst helfen. Doch genau daran arbeitet die italienische Regierung im Moment zu wenig. Das kreiere einen Teil der Probleme. „Die Debatte über den italienischen Staatshaushalt in den letzten Wochen war nicht wirklich hilfreich“, so der Commerzbank-Chef.

Auch Unicredit-Chef Federico Ghizzoni forderte von der italienischen Regierung stärkeren Reformwillen. „Das Land hat ein Problem, aber auch das Potenzial, wieder selbst auf die Beine zu kommen“, betonte er auf der Konferenz. Dazu bedürfe es entschlossenen politischen Handelns.

Hintergrund für die Kritik war das Verhalten von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Obwohl das Land am Kapitalmarkt immer höhere Zinsen für neue Schulden zahlen muss, tut sich die Regierung schwer mit Reformen. So hatte Berlusconi zunächst ein Sparpaket im Volumen von 45,5 Milliarden Euro angekündigt, und dann erst vor wenigen Tagen einige der angekündigten Schritte wieder zurückgenommen. So wurden Pläne für eine Reichensteuer, die Abschaffung der Gemeinderäte kleiner Städte und die Einführung eines höheren Renteneintrittsalters für Akademiker wieder kassiert. Das löste europaweit Kritik aus, auch bei der Europäischen Zentralbank, die dem Land mit dem Kauf italienischer Staatsanleihen hilft.

„In Italien gibt es noch viel Fett, das man abschneiden kann“

Das sorgt für Unruhe, insbesondere bei den Banken, die Italien viel Geld geliehen haben. Neben italienischen Banken ist das auch die Commerzbank, bei der das südeuropäische Land mit 8,7 Milliarden Euro in der Kreide steht. Für Blessing ist deshalb nicht Griechenland das größte Problem. „Für mich ist die Frage mit den italienischen Staatsschulden eigentlich im Moment auch die Kernfrage“, so Blessing.

Angesichts des wenig ausgeprägten Sparwillens einiger europäischer Länder hält Blessing den Zeitpunkt für gemeinsame Staatsanleihen der Euroländer, so genannte Eurobonds, auch noch nicht für gekommen. Solche Eurobonds hatte unter anderem Italien gefordert. „Die Bonität der Mitgliedsstaaten einfach zu vergemeinschaften, ohne vorher verbindliche Regeln vereinbart zu haben, das wäre falsch“, sagte er. Es reiche nicht, sich auf vage Versprechungen oder Abreden zu verlassen. „Wir sehen ja gerade in Italien wie schnell man ein versprochenes verabredetes Programm auch wieder zurückdrehen kann“, so Blessing.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Pendler

06.09.2011, 13:04 Uhr

Machen wir uns keinen vor, die Dolce-Vita Staaten sind ein Krebsgeschwühr. Je früher sie wir entfernen, um so höher ist die Chance, dass der € überlebt.

Wer für den € ist, befürwortet den Rausschmiss der Dolce-Viat staaten aus dem €-Raum

Account gelöscht!

06.09.2011, 13:09 Uhr

Hoffentlich schneiden die nicht das Fett vom Parmaschinken ab; täte weh. (:
Spass beiseite; warum die Italiener aus dem Euroraum rauswerfen. Könnten nicht einfach wir Deutsche gehen, da wir ja nicht nur die Italiener durchfüttern (lieber wäre mir, die täten es mit uns, evtl. auch mit Parmaschinken), sondern auch die anderen Länder. Und ich kann gar nicht soviel Spezialitäten aus all den schönen Ländern essen wie ich k.... (anderes Wort für übergeben) könnte.

POPPER

06.09.2011, 13:10 Uhr

Wer soll dem Vize-Export-Weltmeister Deutschland denn seine Waren abkaufen, wenn die gesamte industrialisierte Welt sich zu Tode spart? Schon heute lahmt die Wirtschaft vor allem deshalb, weil die Nachfrage aufgrund sinkender Reallöhne stagniert. Wie sollen Länder wie Griechenland, Spanien oder Portugal ihre Defizite abbauen, wenn Deutschland seine Überschüsse nicht verringern will? Wer soll überhaupt Defizite machen, wenn alle europäischen Staaten Überschüsse erzielen sollen? Die Überschüsse einiger Staaten müssen immer auch zwingend die Defizite anderer Staaten sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×