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30.07.2015

18:03 Uhr

Appell für mehr Moral

Banker mahnen Banken

VonMichael Maisch

Geld ist nicht alles: Eine Gruppe hochrangiger Banker hält die Finanzindustrie dazu an, stärker auf die Moral zu achten. Der propagierte Kulturwandel sei ins Stocken geraten. Die Experten legen eine konkrete Reformagenda vor.

G-30 setzen auf mehr Moral

Hochrangige Banker fordern: „Null-Toleranz-Politik“

G-30 setzen auf mehr Moral: Hochrangige Banker fordern: „Null-Toleranz-Politik“

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Frankfurt„Auf Glanz und Pracht bedachte Banker sind in der Regel Lumpen und Schwindler“: ein böses Zitat. Es entstammt einem Brief der US-Bankenaufsicht aus dem Jahr 1863. Die G-30, die renommierteste Gruppe von Finanzexperten und Wissenschaftlern, hat unter dem Vorsitz des ehemaligen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet den Lumpen-Aphorismus ihrem aktuellen Bericht über Moral und Rendite in der Finanzbranche vorangestellt.

Strengere Regulierung: Bei den Banken geht die Angst um

Strengere Regulierung

Premium Bei den Banken geht die Angst um

Der vielbeschworene Kulturwandel ist bei den Banken noch immer nicht vollzogen. Ein schnelles Ende der enormen Strafzahlungen ist nicht in Sicht. Das haben inzwischen auch die Geldhäuser erkannt. Jetzt treibt sie Angst um.

Der Befund legt die ethischen Schwächen der Banken offen. Kulturwandel ist ein großes Wort, dem aber nicht genügend Taten folgten. Auch sieben Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise sehen die G-30 weiter viel Handlungsbedarf in Sachen Wertewandel. „Eine Reihe der größten Banken hat noch immer nicht die notwendigen Reformen umgesetzt“, heißt es gleich im ersten Teil des Berichts.

Hinter den G-30 stehen Banker wie Axel Weber, Verwaltungsratspräsident der Schweizer UBS, EZB-Präsident Mario Draghi, BayernLB-Aufsichtsratschef Gerd Häusler und Ökonom Kenneth Rogoff. Die Sittenwächter legen einen Reformkatalog vor: Er soll helfen, klare Kriterien für das wolkige Konzept „Kulturwandel“ zu definieren.

Strafzahlungen amerikanischer und europäischer Banken in Mrd. US-Dollar.

Steiler Anstieg

Strafzahlungen amerikanischer und europäischer Banken in Mrd. US-Dollar.

Strafgelder als Risiko für das Finanzsystem

Dabei geht es um härtere Sanktionen bei Fehlverhalten und Regelverstößen, auch für Top-Manager. Striktere Kriterien bei der Einstellung von Bankern und mehr Verantwortung für Aufsichtsräte und Vorstände sollen bewirken, dass nicht nur „Moneymaker“ in Banken werkeln, sondern auch Leute, die etwas mit dem Begriff des „ehrbaren Kaufmanns“ anfangen können.„Die Wiederherstellung des öffentlichen Vertrauens muss eine Priorität der Banken sein und ist längst überfällig“, warnt G-30-Chairman Trichet.

Skandale und kein Ende: Die üblichen Verdächtigen

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Premium Die üblichen Verdächtigen

Die Skandalgeschichte der Bankenbranche ist mit der Aufarbeitung der Finanzkrise noch lange nicht abgeschlossen: In der Bankenbranche reiht sich nach wie vor ein Fehltritt an den nächsten. Eine Übersicht.

Von 2009 bis 2014 haben 19 internationale Großbanken nach Berechnungen der Unternehmensberatung Boston Consulting Group 194 Milliarden Dollar an Strafen bezahlt. Diese Bußgeldinflation bereitet auch den Aufsehern Sorgen. So fürchtet der EU-Risikorat, die enormen Strafgelder der Banken könnten zum Risiko fürs Finanzsystem werden — denn sie zehren die mühsam angehäuften Eigenkapitalpolster der Geldinstitute auf.

Zu häufig dominierten bei der Fixierung von Boni und Prämien „traditionelle“ Leistungskriterien wie Gewinne und Einnahmen, mahnt Experte Häusler. Zwar könnten in manchen Ländern „weiche“, nicht präzise messbare Werte in Gehaltssystemen für Rechtsprobleme sorgen, doch die Banken sollten sich davon nicht abschrecken lassen. Sein Rat: „Grenzen ausloten.“

Kommentare (7)

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Herr Thomas Ungläubig

30.07.2015, 18:40 Uhr

Es fällt mir, ehrlich gesagt schwer, die Tränen zurück zu halten ;–)

Herr Manfred Zimmer

30.07.2015, 19:28 Uhr

Es sollte nicht vergessen werden, dass Versicherungen nicht nur die Mitarbeiter ausbilden und der Präsident der BAFin nichts anrüchiges dabei sieht, sondern die Versicherungen laden auch die Richter zu "Fortbildungsveranstaltungen" ein. Die Justizministerien scheinen, wie der Präsident der BAFin ebenfalls nichts anrüchiges zu sehen.

Die Korruption ist in Deutschland soweit forttgeschritten, dass alle moralische Schranken gefallen sind. Selbst Prof. Issing stellte unlängst in einem Interview (im Zusammenhang mit der EZB) fest, dass es laufend zu Vertragsverletzungen kommt.

Man möge sich nicht über die Griechen und die dortigen Verhältnisse aufregen, wir haben sehr viel Dreck vor der eigenen Tür zu kehren.

In diesem Zusammenhang mache ich auf die erfrischenden Äußerungen dews IWF aufmerksam, der Gespräche über ein drittes Hilfspaket ablehnt, solange die Griechen die Vorbedingungen nicht durchgewunken haben.

Man stelle sich vor, dass es möglich sein soll, dass 10 mio. Griechen 480 mio. EU-Bürger am Nasenring durch die Manege führen können und 480 mio. EU-Bürger dafür auch noch "Eintrittsgeld" hinlegen. So etwas kann man doch im Zirkus nur mit einem Clown probieren.

Herr Manfred Zimmer

30.07.2015, 19:32 Uhr

War Herr Gerd Häusler ehemals nicht bei der Deutschen Bundesbank? Ob er da auch tätig war, das weiß ich nicht.

Was war eigentlich der Grund für seinen Wechsel?

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