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20.11.2014

17:57 Uhr

Apple Pay in Deutschland

Warum Apple vor einem Flop stehen könnte

Das mobile Bezahlsystem von Apple ist in den USA gut angelaufen. In Europa dürfte es der Internetriese deutlich schwerer haben. Denn das Geschäftsmodell ist für europäische Banken nicht profitabel.

Apple Pay wird in den USA bereits häufiger genutzt. ap

Apple Pay wird in den USA bereits häufiger genutzt.

DüsseldorfiTunes, iPod und iPhone –Apple schien in den vergangenen Jahrzehnten stets so etwas wie der König Midas der IT-Branche zu sein. Was immer das Unternehmen aus Cupertino anfasste, verwandelte sich zu Gold. Mit Apple Pay soll das bisher erfolglose bargeldlose Bezahlen mit dem Handy endlich zum Erfolgsmodell werden. In den USA ist das System bereits gestartet - und liefert nach den ersten drei Wochen überzeugende Zahlen ab. Bei der Supermarktkette Whole Foods wurde seitdem rund 150.000 Mal mit Apple Pay bezahlt, bei der Fastfoodkette McDonald's wird jede zweite mobile Zahlung über Apple Pay abgewickelt. Das ist ordentlich, da das Bezahlsystem derzeit nur auf dem neuen iPhone 6 läuft.

Doch so erfolgreich Apple Pay in den USA auch angelaufen ist: in Europa dürfte sich der Internetriese deutlich schwerer tun. Denn die Banken verdienen durch die Kooperation mit Apple viel zu wenig. „Bei den derzeitigen Kostenstrukturen ist das Geschäftsmodell von Apple Pay in Europa deutlich problematischer“, sagt Oliver Hommel, Experte für Zahlungsverkehr bei der Unternehmensberatung Accenture, im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Schuld daran ist eine Verordnung der Europäischen Kommission, mit denen die Gebühren bei bargeldlosem Zahlungsverkehr begrenzt werden sollen. Wird die Regulierung wie geplant umgesetzt, dürfen die Banken pro Kreditkartenzahlung nur noch maximal 0,3 Prozent erheben, bei Debit-Zahlung sind es sogar nur 0,2 Prozent. Damit würden die Institute auf einen Schlag drei Viertel ihrer Einnahmen in diesem Bereich verlieren. Das belastet nicht nur die Banken, sondern macht auch Apple Pay deutlich unattraktiver. Denn das System basiert auf den Kreditkartensystemen der großen Anbieter American Express, Mastercard und Visa.

Die Kosten für das bequeme Zahlen mit der Karte

Betrifft das überhaupt viele Menschen?

Ja. Dem Handelsforschungsinstitut EHI zufolge lag der Anteil des Kartenumsatzes 2012 am Gesamtmix der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel erstmals bei mehr als 40 Prozent - und das ist im EU-Vergleich noch ein geringer Anteil. Bei jeder Zahlung fallen dann Gebühren an.

Um welche Entgelte geht es?

Die Pläne beziehen sich auf die sogenannten Interbanken-Entgelte. Diese stellt die Bank eines Kunden dem Finanzinstitut eines Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Kreditkarten-Unternehmen wie Mastercard und Visa verdienen an diesen Gebühren - für Händler bedeuten sie aus Sicht der EU-Kommission unnötige Kosten in Milliardenhöhe, die durch höhere Produktpreise auf die Verbraucher abgewälzt werden. Zudem sieht die Kommission ein Hindernis für moderne und sichere Zahlungsmethoden, wenn es aufgrund der Gebühren für Händler billiger ist, Bargeld anstatt Karten zur Bezahlung zu akzeptieren.

Wie hoch sind die Gebühren?

Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich: Die Gebühren für Debitkarten reichen der "Financial Times" zufolge von 0,1 Prozent in Dänemark bis zu 1,6 Prozent in Polen. Die Entgelte für Kreditkarten betragen demnach in Deutschland 1,8 Prozent, in Frankreich jedoch nur 0,5 Prozent. Auch das stört die EU-Kommission, die für ganz Europa möglichst einheitliche Geschäfts- und Wettbewerbsbedingungen anstrebt.

Auf welcher Höhe sollen die Entgelte gedeckelt werden?

Die Gebühren für Kreditkarten-Zahlungen sollen höchstens 0,3 Prozent des Zahlungsbetrags betragen dürfen. Für Debitkarten will die Kommission die Grenze auf 0,2 Prozent festlegen. Das soll zunächst für grenzüberschreitende Zahlungen gelten, knapp zwei Jahre später dann auch für Transaktionen im Inland. Zuerst müssen allerdings EU-Staaten und Europaparlament zustimmen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland könnte das besonders Änderungen bei Kreditkarten bedeuten. Die deutschen EC-Karten dürften von den Bestimmungen für Debitkarten aufgrund eines einfacheren Systems ausgenommen bleiben. In Deutschland fällt bei der Zahlung mit EC-Karten in der Regel eine Gebühr in Höhe von 0,3 Prozent des Umsatzes an, mindestens jedoch acht Cent. Große Handelsunternehmen handeln mit den Banken aber auch eigene Sätze aus, die darunter liegen dürften. Die EU-Kommission hofft zudem, dass in Deutschland die Akzeptanz für das bargeldlose Bezahlen steigt.

Was ist das Ziel?

Neben einheitlichen Regeln und größerem Wettbewerb zwischen den Zahlungsanbietern strebt die EU-Kommission vor allem geringere Kosten für Verbraucher an. Doch das betroffene Unternehmen Mastercard warnt, dass genau das Gegenteil erreicht werden könnte, wenn die Kartenanbieter zum Ausgleich für die verlorenen Entgelte direkt von den Karteninhabern höhere Jahresgebühren fordern.

In welcher Höhe drohen den Kreditkarten-Unternehmen Verluste?

"10,5 Milliarden Euro fließen in der EU jährlich vom Handel in die Taschen der Kartenanbieter, davon bei Debitkarten 4,8 Milliarden Euro, bei Kreditkarten sogar 5,7 Milliarden Euro", sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der EU-Kommission zufolge könnten die Händler Abgaben in Höhe von rund sechs Milliarden Euro sparen.

Was ist noch geplant?

Die Kommission will Extragebühren verbannen, die etwa bei einer Flugbuchung per Karte anfallen. Verbraucher sollen außerdem besser vor Betrug und Missbrauch geschützt werden, indem ihr Verlust bei nicht autorisierten Kartenzahlungen nicht über 50 Euro hinausgehen soll, anstatt bisher 150 Euro.

In den USA verlangt Apple von den kartenausgebenden Banken 0,15 Prozent des Umsatzes für einen Zahlvorgang. Gelten die gleichen Bedingungen in Europa, müssten die europäische Banken also die Hälfte ihres Umsatzes an Apple abgeben. „Darum dürfte es den meisten Instituten schwerfallen, bei Apple Pay mitzumachen und gleichzeitig in der Gewinnzone für diese Transaktionen zu bleiben“, sagt Hommel.

Besonders in Deutschland sind die Marktvoraussetzungen für Apple Pay ohnehin schlecht: Apple hat mit rund 12 Prozent einen deutlich niedrigeren Anteil am Smartphone-Markt. Außerdem sind Kreditkarten, die das Herzstück von Apple Pay sind, deutlich weniger verbreitet. Nur etwa jeder dritte Deutschen hat überhaupt eine Kreditkarte. Beim „Mobile Payment Readiness Index“ des Kreditkartenunternehmens Mastercard landet Deutschland im Vergleich von 34 Industrieländern unter dem Durchschnitt. „Es ist auch nicht zu erwarten, dass sich die Situation auf einen Schlag ändert“, sagt Hommel. Er rät Banken darum, eigene Systeme zu entwickeln.

Oliver Hommel zu Apple Pay: „Die Banken müssen aufpassen“

Oliver Hommel zu Apple Pay

„Die Banken müssen aufpassen“

Apple Pay wird es in Europa deutlich schwerer haben als in den USA, meint Oliver Hommel, Experte für Zahlungsverkehr bei Accenture. Die deutschen Banken werden durch das neue Angebot herausgefordert.

Denn für die Banken sind die neuen mobilen Bezahlsysteme mittelfristig eine große Gefahr: Sie drohen nur noch auf die Rolle des Dienstleisters zurückgedrängt zu werden, der die Zahlungen im Hintergrund abwickelt. „Die digitale Revolution rüttelt an der Rolle der Banken als Finanzintermediär“, warnte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch kürzlich auf der Kreditpolitischen Tagung  in Frankfurt. Eine Entwicklung die Banken im Netz bereits zu spüren bekommen, wo Zahlungen über Paypal oder ähnliche System angeboten werden. „Für uns Banken ist es höchste Zeit, noch intensiver als in der Vergangenheit in moderne Technologien zu investieren und sie in den Kern der Geschäftsstrategie zu integrieren“, mahnt Kirsch.

Kommentare (7)

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Herr Nehal Devanowitch

20.11.2014, 18:34 Uhr

ich frag mich schon seit 5 jahren wieso deutsche banken so ein system nicht etablieren. Sind die so doof dass sie nicht die zukunft erkennen? Auf der schiene könnte man locker 10 bis 15 jahre reiten

Herr Thomas Ungläubig

20.11.2014, 20:01 Uhr

Der deutsche Markt ist für APPLE wie eine Träne im Ozean und was die Banken betrifft so sind sie viel zu träge und konservativ (hier gibt es immer noch einen Weltspartag trotz mieser Zinsen). Den Vertrauensbonus haben sie spätestens verspielt indem sie jede Transaktion, die € 10.000 überschreitet dem Big Brother melden müssen (wg. Terrorismus) huhuuu :–( und wenn TTIP tatsächlich durchgesunken wird ist der Drops sowieso gelutscht. Zu guter Letzt: Bad news are good news, die Aktie hat in den letzten 6 Monaten um € 30 zugelegt ;–)), sollte das HB doch wissen. Noch Fragen?

Herr Helmut Paulsen

20.11.2014, 20:17 Uhr

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