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30.01.2009

08:36 Uhr

Arbeitsdirektor Eric Strutz im Interview

Commerzbank nimmt sich Dresdner-Boni vor

VonHans G. Nagl, Yasmin Osman

ExklusivEin halbes Jahr nach der Ankündigung der Übernahme der Dresdner Bank geht die Commerzbank die umstrittenen Bonuszahlungen bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort an. Arbeitsdirektor Eric Strutz nimmt im Handelsblatt-Interview zudem zu den Kurzarbeit-Gerüchten Stellung, spricht über den Seelenzustand der Belegschaft, das Schlussquartal 2008 und die Frage, ob die Milliardenhilfen des Bundes nun ausreichen.

Der Geldsegen für die Dresdner-Kleinwort-Banker war von Belegschaftsvertretern harsch kritisiert worden. Foto: dpa dpa

Der Geldsegen für die Dresdner-Kleinwort-Banker war von Belegschaftsvertretern harsch kritisiert worden. Foto: dpa

Handelsblatt: Herr Strutz, wenn man mit Mitarbeitern von Commerzbank und Dresdner Bank redet, hat man den Eindruck, die Fusion inmitten der Krise sorgt für wenig Freude. Jetzt heißt es auch noch, Sie wollen Kurzarbeit beantragen.

Eric Strutz: Es gibt keine Kurzarbeit. Wir haben diese Option nicht einmal geprüft. Das ist typischerweise etwas für produzierende Betriebe. Es gab in den 90er-Jahren in manchen Banken vorübergehend individuelle Vereinbarungen zur Arbeitszeitverkürzung, um Krisenzeiten durchzustehen. Wenn Sie mich fragen, ob das bei uns diskutiert wird, sage ich klar nein. Sollte die Krise aber noch dramatischer werden, müssen wir Banken uns auch das ansehen.

Sie könnten doch einfach noch mehr Arbeitsplatze im Zuge der Fusion mit der Dresdner streichen?

Wir haben gesagt, wir bauen 9 000 Stellen ab, davon 6 500 in Deutschland. Zu dieser Zahl stehen wir. Das macht Sinn, weil es im Kern darum geht, in der Verwaltung und Abwicklung Doppelungen herauszunehmen. Und auch unsere Zusage, dass es bis Ende 2011 keine betriebsbedingten Kündigungen gibt, hat Bestand.

Wieso dann all die Frustration bei den Mitarbeitern?

Sicherlich wird Ihnen nicht nur Euphorie entgegenschlagen, wenn Sie mit Mitarbeitern reden, die sich etwa bei der Besetzung der Führungsebenen nicht durchsetzen konnten. Das gilt umso mehr, weil es am Arbeitsmarkt derzeit wenig Alternativen gibt. In unseren Mitarbeiterumfragen stellen wir aber fest, dass nur sechs Prozent den Integrationsprozess als intransparent empfinden. Drei Viertel sind zufrieden. Das ist besser, als wir zu diesem Zeitpunkt erwarten können.

Und weil die Begeisterung so groß ist, haben die Dresdner-Arbeitnehmer Ihren Chef, Herrn Blessing, bei der Wahl zum Vorstandsvorsitzenden durchfallen lassen?

Das müssen Sie die Arbeitnehmerseite fragen. Welche Interessen dahinter stehen, kann ich nur vermuten.

Konkret wohl die Frage der Altersvorsorge, die bei der Dresdner Bank besser als bei der Commerzbank ist und deshalb nun gekürzt werden soll.

Wenn dem so wäre, wäre dies die Verbindung inhaltlicher Themen mit der Wahl eines Organmitglieds. Aktienrechtlich betrachtet wäre dies mehr als schwierig. Fakt ist, dass die Bezahlung in beiden Häusern sehr ähnlich ist. Lediglich in sehr wenigen Fällen gibt es Exzesse, die finden sich vor allem bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort. Wir zahlen marktkonform, das kann in Einzelfällen Einschnitte bedeuten.

Aber die firmeneigene Altersvorsorge bei der Dresdner gilt als weitaus umfangreicher als bei der Commerzbank...

Hier gibt es Unterschiede. Wir überprüfen das, das braucht aber Zeit. Zum Teil fehlen einfach noch die konkreten Zahlen. Wir haben uns mit den Arbeitnehmervertretern darauf geeinigt, das Thema im Sommer anzugehen, wenn der Interessensausgleich abgeschlossen ist. Klar ist: Niemand verliert bereits erarbeitete Ansprüche. Und für das Jahr 2009 bleibt ohnehin alles beim Alten.

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