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03.11.2016

06:34 Uhr

ARD-Doku über Pierre Wauthier

Tatort Zurich – Selbstmord eines Managers

VonBenedikt Becker

Der Finanzvorstand Pierre Wauthier hinterließ zwei Abschiedsbriefe: für seine Familie und gegen den Ex-Chef der Deutschen Bank. „Joe Ackermann is so far the worst Chairman I ever met“, schrieb er. Dann brachte er sich um.

Der Finanzvorstand der Zurich-Gruppe hat sich 2013 selbst das Leben genommen. dpa

Pierre Wauthier

Der Finanzvorstand der Zurich-Gruppe hat sich 2013 selbst das Leben genommen.

DüsseldorfEs geschah am 26. August 2013. Wenige Tage später tritt Josef Ackermann, der ehemalige Chef der Deutschen Bank, als Verwaltungsratspräsident des Finanzkonzerns Zurich zurück. Jegliche Mitschuld am Selbstmord von Pierre Wauthier, damals Finanzvorstand der Gruppe, weist er von sich.

In Wauthiers Brief steht, Ackermann habe „unerträglichen Druck“ ausgeübt. Die Schweizer Finanzaufsicht untersucht später die Vorwürfe – und entlastet Ackermann. Wauthiers Angehörige aber geben sich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden. Der Journalistin Tina Solimann haben sie erzählt, wie sie sich bis heute immer wieder die eine Frage stellen: Warum?

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Aus den Gesprächen entstand der Film „Tod eines Managers – der Fall Pierre Wauthier“, der am Mittwochabend in der ARD lief. Die aktuelle Themenwoche im Ersten will eigentlich die Zukunft der Arbeit zeigen. Soliman hingegen blickt in die Abgründe der Arbeit. Ihr Film wirkt über lange Strecken so, als habe sie sich nicht entscheiden können, was das wichtigere Thema ist: das Leid der Angehörigen nach einem Selbstmord. Oder der immense Druck, dem Manager heute ausgesetzt sind.

Erst im Verlauf der Dokumentation wird klar, wie eng hier beides zusammengehört. Soliman konfrontiert den Zuschauer gleich zu Beginn mit der Trauer einer Familie, die einen geliebten Menschen verloren hat. Eine Ehefrau und zwei Kinder, die viele Fragen haben. Und wenige Antworten.

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Es ist sein wichtigster Posten, den Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann aufgibt: Chefaufseher beim Versicherungsriesen Zurich. Der Selbstmord eines Managers bringt ihn dazu. Doch es scheint auch andere Gründe zu geben.

„Er war für mich der Fels in der Brandung“, sagt Alexander Wauthier über seinen Vater. Er hat Tränen in den Augen: „Ich wollte immer so sein wie er.“ Wauthiers Witwe Fabienne sagt: „Ich weiß nicht, was in dieser Nacht passiert ist.“ Sie schüttelt den Kopf und wiederholt den Satz. Für die Familie kam der Selbstmord völlig unerwartet.

Am Abend zuvor hatte Fabienne Wauthier noch mit ihrem Mann telefoniert. Alles war normal. Auch ehemalige Kollegen können bis heute nicht begreifen, dass der Mensch, den sie kannten, sich selbst das Leben nahm. Sie alle beschreiben ihn ähnlich: als korrekt, diszipliniert, makellos. Ein Perfektionist und Workaholic. Pierre Wauthier, das wird deutlich, war niemand, der einfach aufgibt.

Kommentare (24)

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Herr Alessandro Grande

03.11.2016, 10:34 Uhr

Der Film hat wunderbar gezeigt, dass am Ende eben nicht die Bank der Deutschen (gemeint war wohl die Deutsche Bank), sondern die Person selbst an ihrem Tod schuld war.
Jahrelange Erfolgsgeilheit, Machtanspruch - und besessenheit, Geldgier und vor allem geistige wie mentale Verarmung, indem ein Leben ohne diesen Pseudoerfolg nicht interessant geniug war, sich neue Felder der Ertüchtigung zu suchen und das auch noch mit einem goldenen Handschlag.
Man sollte nicht immer Institutionen die Schuld geben, sondern endlich einmal wieder Personen selbst in die Verantwortung nehmen. In Firmen wie auch im Staat wie bei uns die Kanzlerin!

Herr Percy Stuart

03.11.2016, 10:34 Uhr

Ich habe die Reportage gestern Abend im Ersten gesehen.
Warum fesselt sich jemand, der sich erhängt, die Hände auf den Rücken?
Auch Joe Ackermann wird den Preis noch bezahlen, für alles was er anderen zugefügt hat!
Im Leben ist nichts umsonst und der Preis für die eigenen Taten muß IMMER voll bezahlt werden.
Wir werden es erleben, auch Ackermann wird irgendwann zur Rechenschaft gezogen werden.

Herr Alessandro Grande

03.11.2016, 10:42 Uhr

@Trautmann: Sie haben leider keine Ahnung, nur so können Aussagen wie Ihre entstehen. Und vor allem haben Sie die Botschaft des Films nicht verstanden, der am Ende gezeigt hat, dass nicht der Vorstand, sondern die krankhafte Geilheit des Investmentbankers W. selbst dessen Suizid ausgelöst hat. Aber so ordinär wie Sie tickt langsam die ganze Gesellschaft in unserer Bananenrepublik Deutschland, immer mit dem Finger auf Andere zeigen, als mal bei sich und seinem Umfeld anzufangen!

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