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06.02.2004

08:20 Uhr

Auch Sparkasse in Potsdam hat Interesse

US-Investoren wollen Berliner Bank

VonFRANK MATTHIAS DROST

Flowers und Bonderman führten Gespräche mit Bürgermeister Klaus Wowereit.

BERLIN. Die US-Investoren Christopher Flowers und der Chef der Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific, David Bonderman, sondieren mal wieder den Berliner Bankenmarkt: Nachdem der gemeinsam geplante Kauf der Bankgesellschaft Berlin im März 2003 scheiterte, gilt das Hauptaugenmerk jetzt der Berliner Bank, einer Tochter der Bankgesellschaft. Ein Gespräch der beiden Investoren mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), fand bereits statt, sagte ein Sprecher Wowereits dem Handelsblatt. Zum Inhalt des Gesprächs machte er allerdings keine Angaben. „Kein Kommentar“, hieß es auch seitens der Investoren.

Die Bankgesellschaft, an der das Land 81 % der Anteile hält, muss sich von der Berliner Bank bis spätestens Oktober 2006 trennen. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti drängte massiv auf die Marktöffnung – eine der zentralen Bedingungen der EU-Kommission für die Gewährung von Beihilfen. Und ohne Beihilfen in Höhe von 1,75 Mrd. Euro durch das Land Berlin und die Bürgschaft für das Immobiliendienstleistungsgeschäft über 21,6 Mrd. Euro hätte die Bankgesellschaft nicht überleben können. Ihr Retailkonzept sah deshalb die Zusammenführung des Privat- und Firmenkundengeschäfts der Berliner Sparkasse und der Berliner Bank vor, wobei die beiden Marken erhalten bleiben sollten. Die geplanten Synergieeffekte von jährlich 35 Mill. Euro gehen jedoch mit der Trennung von der Berliner Bank verloren. Die Berliner Bank betreut rund 400 000 Kunden, die als die besser betuchte Privatkundschaft in Berlin gilt. Die Bilanzsumme liegt bei rund 7 Mrd. Euro.

Nicht nur Flowers und Bonderman sind an einer Präsenz in der Hauptstadt interessiert. Die erfolgreiche Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam hat auch den Finger gehoben. „Im Falle eines Erwerbs würden wir eine Zwei-Marken-Strategie fahren, weil die Kulturunterschiede zwischen einer Sparkasse und einer privaten Bank einfach zu groß sind“, sagte der Vorstandsvorsitzende Walter Schubert unlängst. Schuberts Traum bleibt jedoch eine Fusion mit der Berliner Sparkasse. Damit könne eine einheitliche Wirtschaftsregion abgedeckt werden.

Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) kann sich entspannt zurücklehnen. Denn das sich abzeichnende Bietergefecht um die Berliner Bank dürfte nicht auf zwei Kontrahenten beschränkt bleiben. Die Berliner Volksbank, die noch dabei ist, letzte Sanierungsarbeiten zu verrichten, wird auch im Spiel sein.

Ob sich jedoch Sparkasse und Volksbank gegen die Investmentbanker durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Flowers gilt in der Branche als Wunderkind, der bereits mit 21 Jahren bei Goldman Sachs arbeitete. Als selbstständiger Investmentbanker mischte er bei der Übernahme der japanischen Long-Term Credit Bank mit, die kürzlich als Shinsei Bank an der Börse debütierte.

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