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29.01.2008

07:16 Uhr

Auf Mitarbeiter kommen Einschnitte zu

Sparkassen wollen bei WestLB aussteigen

VonPeter Köhler

ExklusivIm Eigentümerkreis der WestLB wird es im Rahmen eines Rettungspakets für das Kreditinstitut offenbar zu einer Neuordnung der Anteile kommen, wobei sich die Sparkassen teilweise oder sogar komplett zurückziehen könnten. Die Landesregierung strebt die Mehrheit an der Bank an. Auf den Steuerzahler könnten Milliarden-Bürgschaften zukommen.

Eingang der WestLB-Zentrale in Düsseldorf. Foto: ap Quelle: ap

Eingang der WestLB-Zentrale in Düsseldorf. Foto: ap

FRANKFURT. Die beiden Sparkassenverbände, die derzeit gut 50 Prozent an der WestLB AG halten, seien grundsätzlich bereit, im Zuge der Sanierung der Bank teilweise oder ganz aus dem Aktionärskreis auszusteigen, hieß es am Montag in Verhandlungskreisen.

Wie während eines Treffens der Eigentümer in Düsseldorf bekannt wurde, würde das Land NRW im Gegenzug die Risikoabschirmung der problematischen Wertpapiere der Landesbank garantieren. Vorgesehen sei die Gründung einer Zweckgesellschaft, in die strukturierte Finanzprodukte im Volumen von mindestens 20 Mrd. Euro ausgelagert werden sollen. Für Verluste von bis zu zwei Mrd. Euro würden die bereits gemachten Kapitalzusagen der Eigentümer herangezogen, für darüber hinausgehende Forderungsausfälle und die Bereitstellung von Liquiditätslinien würde das Land eine Bürgschaft übernehmen. Für diesen „breiten Risikoschirm“ bekomme das Land als Sicherheit die Anteile der Sparkassen zu Vorzugskonditionen. Über den Preis war am Montag aber bis in die späten Abendstunden heftig verhandelt worden.

Ob das Vorhaben letztlich an den Preisvorstellungen noch scheitern könnte, blieb zunächst offen. „Das Land will die Anteile praktisch geschenkt“, hieß es von Verhandlungsteilnehmern. Andererseits habe das Land klargemacht, dass die Sparkassen nicht zum Nulltarif aus der Haftung entlassen werden könnten.

Unklar ist noch, ob sich die beiden Sparkassenverbände aus dem Rheinland und Westfalen-Lippe ganz aus dem Aktionärskreis zurückziehen. „Die Sparkassen hätten nichts dagegen, ganz rauszugehen. Eine Minderheitsposition bringt schließlich überhaupt keine Vorteile für die Sparkassen“, hieß es im Umkreis der Verhandlungen. Das Land NRW, das 38 Prozent an der WestLB besitzt, wollte dagegen die öffentlich-rechtlichen Institute nicht ganz aus der Verantwortung entlassen. Während sich in Frankfurt die regionalen Sparkassenpräsidenten auf einer Sitzung mit dem westfälisch-lippischen Sparkassenchef Rolf Gerlach berieten, vertrat Sparkassenpräsident Michael Breuer in Düsseldorf auf einem Eigentümergespräch die Interessen der rheinischen Institute.

Die Eigentümer der WestLB hatten sich vor einer Woche darauf verständigt, zwei Mrd. Euro frisches Kapital zur Stabilisierung der Bank zu geben, davon ist eine Milliarde für den Verlustausgleich des Geschäftsjahres 2007 reserviert. Die große Zweckgesellschaft soll alle Papiere – wahrscheinlich auch die der WestLB-Vehikel Harrier und Kestrel – möglichst bis zur Endfälligkeit halten, um „fire sales“ – also Notverkäufe zu schlechten Preisen – zu verhindern. „Die gut 20 Mrd. Euro werden nicht alle ausfallen, sondern nur ein Teil davon“, sagte ein Insider. Mit den bisher bereitgestellten zwei Mrd. Euro werde man aber sicherlich auch nicht hinkommen.

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