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07.07.2013

18:43 Uhr

Auffällige Aktiengeschäfte

Deutsche Bank nimmt Kunden unter die Lupe

Die Finanzverwaltung ist auf einen Kunden der Deutschen Bank aufmerksam geworden, der zweifelhafte Aktiengeschäfte abgeschlossen haben könnte. Das Institut hat dazu bereits eine interne Untersuchung eingeleitet.

Interne Überprüfung bei der Deutschen Bank: Ein Kunde ist mit seinen Aktiengeschäften aufgefallen. dpa

Interne Überprüfung bei der Deutschen Bank: Ein Kunde ist mit seinen Aktiengeschäften aufgefallen.

FrankfurtDie Deutsche Bank nimmt intern möglicherweise zweifelhafte Aktiengeschäfte eines Kunden unter die Lupe. „Im Zusammenhang mit Aktiengeschäften eines Kunden der Deutschen Bank wurde von der Finanzverwaltung an die Deutsche Bank ein Auskunftsersuchen gestellt“, teilte ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses am Sonntag in Frankfurt mit. „Es handelte sich dabei nicht um Untersuchungen der Finanzverwaltung gegen die Deutsche Bank.“ Der Sprecher reagierte damit auf einen Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ über die internen Untersuchungen.

Konkret geht es um Handelsgeschäfte mit Aktien rund um den jeweiligen Dividendenstichtag eines Unternehmens, sogenannten „Cum-Ex-Geschäften“. Die Finanzverwaltung hat bereits seit längerem solche Geschäfte im Visier, bei denen Aktien schnell hintereinander ge- und wieder verkauft worden sein sollen, um Kapitalertragssteuern mehrfach erstattet zu bekommen. Das Bundesfinanzministerium hatte dieses Steuerschlupfloch 2012 geschlossen. Dem „Spiegel“ zufolge gehen Anwälte davon aus, dass zwischen 2007 und 2010 bis zu fünf Prozent der Finanzvermögen reicher Deutscher in solche Geschäfte investiert wurden.

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank

Viele Herausforderungen

Trotz aller Veränderungen in ihrem ersten Amtsjahr: Auf die Deutsche-Bank-Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain warten noch zahlreiche Herausforderungen. Ein Überblick.

Libor-Skandal

Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investment-Banking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank.

Kirch-Prozess

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadensersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten.

USA

Das Land ist einer der wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte.

Abbausparte

Der Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab.

Vermögensverwaltung

Gern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze.

Die interne Überprüfung bei der Deutschen Bank „ist noch nicht abgeschlossen, so dass zur Zeit keine weiteren Einzelheiten mitgeteilt werden können“, wie das Institut mitteilte. „Nach den bisherigen Feststellungen geht die Bank nicht davon aus, dass im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften Steuerrückzahlungsverpflichtungen der Bank oder sonstige Zahlungsverpflichtungen geltend gemacht werden.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Mazi

10.07.2013, 09:08 Uhr

Dem Vernehmen nach waren Geschäfte dieser Konstruktion kein Verstoß gegen die Gesetze. Es wäre deshalb eine Überprüfung der Qualität der am gesetzlichen Regelungsprozess beteiligten Finanzbeamten, erweitert um den Aspekt des Korruptionsverdachts, angesagt.

Das Handelsblatt sollte diesem Aspekt nachgehen und darüber öffentlich berichten.

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