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02.09.2013

17:02 Uhr

Aufruf zum Schrumpfen

Sparkassen-Präsident hält Deutsche Bank für zu groß

ExklusivEinige Banken sind nach wie vor so groß, dass sie das Finanzsystem ins Wanken bringen könnten, meint Georg Fahrenschon, Präsident des Sparkassenverbands. Die Institute müssten schrumpfen, auch Deutschlands Primus.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, hält die Deutsche Bank für zu groß. PR

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, hält die Deutsche Bank für zu groß.

DüsseldorfFünf Jahre nach der Lehman-Pleite zieht der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, eine durchwachsene Bilanz der Regulierer. Banken hätten durch den Abbau von Risikopositionen und mehr Eigenkapital an Stabilität gewonnen. Aber einige Banken seien so groß, dass Fehler von ihnen das Finanzsystem ins Wanken bringen könnten, so Fahrenschon in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Dazu zählt er auch den deutschen Branchenprimus. „Die Deutsche Bank ist sicher wichtig, aber für die deutsche Volkswirtschaft zu groß“, sagte er. „Wir müssen uns überlegen“, so Fahrenschon, „ob wir alle davon abhängig sein wollen, dass dort niemals gravierende Fehler gemacht werden.“ Es gebe Banken, die kleiner werden müssten.

Die größten Sparkassen Deutschlands

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.

Nassauische Sparkasse

2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Die Deutsche Bank hatte Ende Juli angekündigt, ihre billionenschweren Bilanz um bis zu 250 Milliarden Euro Luft zu schrumpfen. Damit will sie die verschärften Kapitalanforderungen der Regulierer erfüllen. „Wir werden unsere Bilanzsumme weiter verringern“, hatten die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen angekündigt. „Dies wollen wir auf eine Weise tun, die es uns ermöglicht, die Anforderungen in Hinblick auf das Verhältnis von Bilanzsumme zu Kapital zu erfüllen, unser Angebot für Kunden beizubehalten und unser Geschäftsmodell zu stärken, ohne dass dies materielle Auswirkungen auf unser Ergebnis hätte.“

Finanzvorstand Stefan Krause rechnet aber damit, dass der Bank durch den Bilanzabbau 300 Millionen Euro Gewinne entgingen. Zudem werde die Aktion einmalig 600 Millionen Euro kosten. Die Schuldengrenze für Banken (Leverage Ratio) ist zuletzt in den Fokus von Aufsehern und Analysten geraten. Diese vom Risiko unabhängige Kennziffer soll verhindern, dass die Banken ihre Bilanz über Gebühr aufblähen und die Branche zusätzlich zu den risikogewichteten Eigenkapitalquoten zähmen.

Kommentare (6)

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Rechner

02.09.2013, 17:38 Uhr

"Sparkassen-Präsident hält Deutsche Bank für zu groß."

Ich auch.

...

Solange Banken mit Eigenkapotalquoten von unter 2% arbeiten können, ist das ein Drahtseilakt der nicht lange gut gehen kann.

Die Erhöhung der Eigenkapitalquote braucht aber Zeit, wenn man mit der Medizin nicht mehr Schaden anrichten will als die Krankheit schon angerichtet hat.

Also ist eine Zerschlagung von Großrisiken wie der Deutschen Bank mehr als geboten.

...

Die Eigenkapitalquote sollte wieder in ihren angestammten Platz als regulatorisch relevante Kennzahl eingesetzt werden und die nach Basel 1,2,3 schöngerechnete "Kernkapitalquote" ersetzen.

Die in Basel 1,2,3 verankerte unzureichende Eigenkapitalunterlegung von Staatskredit und von durch amerikanische Betrügeragenturen mit 'AAA' aufgemotzten Schrottpapieren hat schon zwei weltweite Finanzkrisen verursacht.

Es wäre langsam Zeit, daß Politiker die Konsequenzen ziehen.

Denn sowie sich die öffentliche Aufmerksamkeit wegen der allmählichen Bereingung dieser Krisen von der Finanzwelt abwendet, wird es wieder zu Kapitalfehllenkungen kommen.

Account gelöscht!

02.09.2013, 19:51 Uhr

Breaking News: +++Bank hält Konkurrenz für zu groß+++

Is ja echt 'ne Überraschung. Was kommt als nächstes?
Opel hält VW für zu groß?

Makrooekonom

02.09.2013, 19:55 Uhr

Herr Fahrenschon hat aber schnell vergessen. In der Finanzkrise ging für die BR Deutschland die größte Gefahr von der IKB und den Landesbanken aus. Die Baustellen der Bayern LB sind heute noch nicht aufgeräumt. Die Krise der IKB wurde zunächst von niemandem, wahrscheinlich auch von Herrn Fahrenschon nicht Ernst genommen.

Die Forderung ist populär, aber trotzdem unsinnig. Die Deutsche Bank steht im nationalen und internationalen Wettbewerb. Im internationalen Maßstab ist die deutsche Bank eher zu klein. Genauso könnte Herr Fahrenschon fordern, daß die BR Deutschland ihr Bruttoinlandsprodukt senkt, um eine Rezession zu vermeiden.

Herr Fahrenschon ist der Lobbyist der Sparkassen. Ein paar Sticheleien gegen den Marktführer sind verständlich. Allerdings sollte man sich dabei nicht unter dem eigenen Niveau verkaufen.

Der Verweis auf die Lehman macht das Leben für deutsche Finanzpolitiker zwar gemütlich, aber am Anfang stand für uns die IKB. Eine halbstaatliche Bank von minderem Gewicht.

Letztlich ist jede Bank systemrelevant. Stichwort: Multiplikatoreffekt des Forderungsausfalls. Das weiß man aber nicht erst seit Herstatt sondern konnte man schon bei den Bankenpleiten im 19. Jhr. lernen.

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