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20.06.2014

20:28 Uhr

Aufschläge bei Transaktionen

US-Staatsanwälte weiten Devisen-Ermittlungen aus

Aufschläge bei Devisentransaktionen untersucht derzeit das US-Justizministerium. Banken sollen unerfahrenen Kunden höhere Aufschläge berechnet haben. Die Geldhäuser könnten Kunden auf diese Weise betrogen haben.

New Yorker Wall Street: Großbanken könnten Kunden bei Devisentransaktionen betrogen haben. dpa

New Yorker Wall Street: Großbanken könnten Kunden bei Devisentransaktionen betrogen haben.

Die US-Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Devisenhandel laut informierten Kreisen ausgeweitet. Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen diesmal Aufschläge bei Devisentransaktionen. Dazu werden Händler bei verschiedenen Banken befragt, wie zwei mit den Vorgängen vertraute Personen berichten.

Das US-Justizministerium hat demnach Banker und Kunden befragt, wieviel die Devisenhandelsabteilungen ihren Kunden für Transaktionen berechnen. Die Befragungen sind ein erstes Anzeichen dafür, dass die Behörden sich mit den Praktiken bei den Transaktionen beschäftigen.

In Gesprächen mit Bloomberg News haben über ein Dutzend derzeitige und ehemalige Händler und Mitarbeiter der Devisenabteilungen berichtet, dass es üblich ist, einen sogenannten festen Aufschlag zu berechnen, mit dem die Dienstleistung des Bankmitarbeiters entgolten wird. Einige Kunden, die Devisentransaktionen nur selten oder nur in geringem Umfang tätigen, beobachten die ihnen berechneten Kurse kaum. Das Justizministerium prüft, ob die Banken Betrug begangen haben, indem sie die Praxis gegenüber den Kunden nicht angemessen offenlegten.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

„Banken sollten ihren Kunden gegenüber bei Preismechanismen immer transparent sein“, kommentierte David Woolcock, Vorsitzender des Ausschusses für professionelle Standards bei ACI, einer in Paris angesiedelten Interessenvertretung von 13.000 Händlern in 60 Ländern. „Das klingt nicht nach vorbildlichem Vorgehen oder moralisch vertretbarem Verhalten.“

Das Justizministerium hat über die vergangenen zwei Monate Mitarbeiter der Devisenabteilungen zusammen mit ihren Anwälten in Bankgeschäftsräumen befragt, wie eine informierte Person berichtete. Insgesamt ermitteln mehr als ein Dutzend Behörden weltweit zum Devisenmarkt, nachdem Händlern bei den größten Banken den Orders ihrer Kunden zuvorkamen oder sich absprachen um Benchmarksätze zu manipulieren. Außerdem haben die Banken eigene Untersuchungen durchgeführt und Mitarbeiter befragt, um zu zeigen, dass sie mit den Ermittlungen zusammenarbeiten.

Im Gegensatz zu Aktientransaktionen werden Devisentransaktionen nicht mit Zeit- und Datumsmarke versehen, so dass die Händler die Möglichkeit haben, Kunden gegenüber falsche Angaben über den zur Ausführung verwendeten Kurs zu machen. Zudem fallen die Transaktionen nicht unter die Mifid-Regelung der Europäischen Union, die von den Händlern verlangt, alle sinnvollen Maßnahmen zu ergreifen, um das bestmögliche Ergebnis für den Kunden zu erzielen.

Die von Bloomberg befragten ehemaligen Devisen-Mitarbeiter erklärten, dass die entsprechenden Abteilungen bei der Schweizer Großbank UBS und dem britischen Kreditinstitut Barclays wussten, welche Unternehmen bei Devisentransaktionen wenig erfahren waren. Ihnen seien höhere Aufschläge berechnet worden.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.06.2014, 12:37 Uhr

"Im Gegensatz zu Aktientransaktionen werden Devisentransaktionen nicht mit Zeit- und Datumsmarke versehen, so dass die Händler die Möglichkeit haben, Kunden gegenüber falsche Angaben über den zur Ausführung verwendeten Kurs zu machen."

Diese Angabe dürfen Sie getrost als Falschmeldung aufnehmen und die Seriösität des Artikels in Frage stellen.

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