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23.11.2011

11:38 Uhr

Aufsicht verschärft Regeln

Banken sollen ihre Schatztruhen füllen

Die EU-Bankenaufsicht Eba will, dass die Banken mehr Geld auf die hohe Kante legen. Das kann die deutschen Banken härter treffen als sie bisher erwartet haben. Denn ihre Chancen, frisches Geld zu besorgen, sind begrenzt.

Das Banken-Viertel in Frankfurt am Main. dapd

Das Banken-Viertel in Frankfurt am Main.

Frankfurt/MainEs ist paradox: Diejenigen, die eigentlich dafür sorgen sollten, dass die Anleger wieder Vertrauen zu den Banken bekommen, sorgen nun für Unsicherheit. Grund dafür ist das Gerücht, die europäische Bankenaufsicht Eba wolle die Kapitalhaltungsvorschriften verschärfen. Die Folge davon wäre ein erhöhter Kapitalbedarf bei zahlreichen Geldinstituten, insbesondere bei deutschen Banken.

Die EU will das verlorengegangene Vertrauen in die Banken wiederherstellen, indem sie die 70 größten Institute Europas dazu zwingt, ihr hartes Kernkapital bis Juni 2012 einheitlich auf neun Prozent der risikogewichteten Aktiva aufzustocken. Bisher schienen die 13 größten deutschen Banken glimpflich davongekommen zu sein. Im Oktober hatte die Eba noch positive Nachrichten verkündet, wonach nur vier der deutschen Banken ihr Kernkapital auf zusammen 5,2 Milliarden Euro aufstocken müssten.

Nun droht eine Verschärfung der Kriterien, nach denen die Kernkapitalquote berechnet wird. Die könnte zu einer starken Erhöhung des Kapitalbedarfs führen - vor allem bei deutschen Instituten. Die Kritik an der Eba wächst, vor allem von dem Bundesverband der Banken kam heftiger Gegenwind. Sollten die Aufseher ihre Stresstests weiter verschärfen, werde man erheblichen Widerstand leisten, sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Verbands. Auch BdB-Chef Andreas Schmitz zeigte kein Verständnis für den Schwenk der Eba: "Regulierungsschritte dürfen nicht heute so, morgen anders und übermorgen wieder anders aussehen."

So plant die Eba etwa, dass stille Reserven nicht mehr vollständig als Eigenkapital gewertet werden können. Zudem gilt laut einem Bericht der "Börsenzeitung" bereits als sicher, dass von den Instituten gehaltene Staatsanleihen nicht mehr wie bisher zu Preisen von Ende September, sondern zu Marktpreisen von Ende Juni angerechnet werden sollen. Allein das erhöhe schon den Kapitalbedarf.

Das heftigste für die deutschen Banken ist jedoch, dass sie ihre Buchgewinne aus Positionen von Staatsanleihen nur noch eingeschränkt verrechnen können sollen. Das dürfte sie sehr ärgern, erzielten sie doch dank steigender Kurse für deutsche Staatsanleihen derzeit besonders gute Buchgewinne. Vor allem im Vergleich zu anderen europäischen Geldinstituten haben sie einen hohen Anteil von deutschen Staatsanleihen. Vielen Geldinstituten, etwa der Commerzbank dürfte auch die neue Regel zu schaffen machen, nach der die schlechten Ergebnisse der Banken aus dem dritten Quartal in die Berechnungen mit einfließen sollen.

Aber auch französische und die ohnehin schon stark angeschlagenen spanischen Banken könnten die neuen Regeln stark treffen.

Vor allem die südeuropäischen Banken haben damit zu kämpfen, dass ihnen die Kunden davon laufen. Einem Bericht des „Wall Street Journals“ zufolge, der sich auf eine Studie der Citigroup bezieht, sanken die Einlagen bei fünf der sechs größten Banken Spaniens im dritten Quartal. Allein Santander verlor Einlagen von Unternehmen und anderen Institutionen in Höhe von neun Milliarden Euro – das sind rund zehn Prozent der gesamten Anlagesumme dieser Kundengruppe bei dem Geldinstitut.

Kommentare (9)

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Mazi

23.11.2011, 11:48 Uhr

Die neuen Regeln brauchen ja erst nächste Woche - hat noch Zeit.

Wo sind wir eigentlich? Da werden die Fianzinstitute scheinbar immer noch "vor Risiken" überwacht. Aber das eigentliche Problem scheint vielmehr die Tatsache zu sein, dass man der Aufsicht nicht mehr zutraut die Fianzinstitute zu überwachen. Wie sollte sonst der gestrige Kurssturz der Commerzbankaktie zu erklären sein.

Es gibt Zuständigkeiten und daraus Verantwortlichkeiten. Die Ergebnisse der jüngsten Zeit dokumentieren, dass die Aufgaben sachlich nicht wahrgenommen wurden. Demzufolge sind die Konsequenzen - und zwar rückwirkend - zu ziehen.

c200k

23.11.2011, 12:09 Uhr

Es ist nicht zu fassen: in einer extrem angespannten Phase in ganz Europa, in der viele Banken um das Überleben kämpfen und sich offensichtlich langsam aus teils dramatischen und schwierigen Situationen versuchen zu befreien, kommt wieder mal eine EU-Behörde, deren Hauptaufgabe es sein sollte vertrauensbildende Maßnahmen in die eigene Klientel zu generieren mit schon wieder verschärften Bedingungen zur "Bankenrettung". Was soll das? Ähnlich wie bei den Rating-Agenturen wird hier immer wieder Öl in's Feuer gegossen und die Situation verschlimmert. Sollen die Banken vor lauter Sicherheitsfanatik etwa kaputt gesichert werden?
Wie wäre es denn, einfach mal die Klappe zu halten und Ruhe zu bewahren und nicht jeden Tag eine neue Sau durch's Dorf zu treiben? Wenn die Banken kaputt sind, die Leute auf der Strasse stehen und das Chaos ausbricht, na dann gute Nacht!

Account gelöscht!

23.11.2011, 12:10 Uhr

Ratet, wer die Truhen leeren möchte ... :-))

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