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20.12.2013

08:27 Uhr

Aufsichtsratschef

Achleitner lobt Deutsche-Bank-Vorstände

„Anshu Jain und Jürgen Fitschen sind das richtige Team“: Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner stellt sich hinter die Co-Vorstandschefs des Geldinstituts. Das Unternehmen brauche aber Zeit für den Wandel.

„Viele Fehlentwicklungen haben Wurzeln, die Jahrzehnte zurückreichen. Das lässt sich nicht in wenigen Monaten korrigieren“: Paul Achleitner, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. dpa

„Viele Fehlentwicklungen haben Wurzeln, die Jahrzehnte zurückreichen. Das lässt sich nicht in wenigen Monaten korrigieren“: Paul Achleitner, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank.

DüsseldorfAufsichtsratschef Paul Achleitner hat den beiden Co-Chefs der Deutschen Bank in einem Interview mit der WirtschaftsWoche den Rücken gestärkt. „Meine Kollegen im Aufsichtsrat und ich haben uns mit allen derzeit bekannten Themen früh beschäftigt und sind deshalb überzeugt, dass Anshu Jain und Jürgen Fitschen das richtige Team sind, um die Dinge im Sinne der Bank voranzutreiben“, sagte er. „An der Spitze der Bank stehen Persönlichkeiten, die unter den alten Spielregeln korrekt gehandelt haben und erfolgreich waren, aber wissen, wie fundamental sich die Regeln verändert haben und dafür sorgen, dass sich die Bank entsprechend anpasst.“

Achleitner bekräftigte gegenüber der WirtschaftsWoche, dass kein Vorstand in die versuchte Manipulation von Referenzzinsen verwickelt sei. Möglichen Verdachtsmomenten auf Manipulationen des Goldpreises oder von Devisenkursen werde die Bank konsequent nachgehen. „Die Bank hat ein ureigenes Interesse daran, Prozesse kontinuierlich zu überprüfen. Wenn es Hinwiese auf Fehlverhalten gibt, leiten wir Untersuchungen ein, um Fehlverhalten aufzudecken und auch zu bestrafen.“

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.


Die Bank werde noch einige Zeit benötigen, um die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten. „Viele Fehlentwicklungen haben Wurzeln, die Jahrzehnte zurückreichen. Das lässt sich nicht in wenigen Monaten korrigieren“, so Achleitner. „Sie können nicht einen Schalter umlegen, und dann laufen die Dinge ab sofort anders. Die Bank braucht Zeit für den Wandel.“ Aber es habe sich schon viel getan. „Die Bank hat ihr Vergütungssystem komplett überarbeitet, Kontrollen ausgebaut, Geschäftsbeziehungen überprüft.“

Gleichzeitig äußerte Achleitner Verständnis an der jüngsten Bankenkritik. „Die Skepsis ist nachvollziehbar und verständlich. Unsere Branche hat über Jahrzehnte erklärt, dass sie am besten funktioniert, wenn es möglichst wenige Regeln gibt. Als sie dann den Wagen an die Wand gefahren hatte, musste der Staat zur Rettung einspringen“, sagte Achleitner selbstkritisch. „Das hat das Vertrauen zutiefst erschüttert. Emotionen wie Ärger, Frust und Wut dürfen einem rationalen Dialog aber nicht im Wege stehen. Ohne ein stabiles Finanzsystem gibt es keine stabile Gesellschaft.“

Von

dah

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

20.12.2013, 08:59 Uhr

lol, diese Fehlentwicklungen stammen eben nicht nur aus früheren Jahrzehnten, sondern aus der Zeit als diese deutsche Bank ihre Finger überall reingesteckt hat, wo diese besser rausgeblieben wären.
Diese Bank lebt nach dem Motto, wir haben soviele Schulden, wir dürfen nicht pleite gehen.

DieNichtskoennerDB

20.12.2013, 09:50 Uhr

Tja, bei den "Aufsichtsratsgehältern" kein Wunder.
Für wen ist denn der Aufsichtsrat da?
Für die Aktionäre oder wen oder was ?

Der Aktienkurs im Keller und was ist mit einer Dividende?
Und da lobt dieser Hans..... t den Vorstand? Das ist doch ein Witz!

HBo

20.12.2013, 10:26 Uhr

Ja, sie werden die Geschäfte weiter führen "im Sinne der Bank", vielleicht etwas dezenter, aber wie immer. Fitschen hat auch allen Grund, sich über Regulierungsmaßnahmen zu beschweren (Duell mit Schäuble). Diese Beiden haben nichts, aber auch gar nichts gelernt aus der Vergangenheit. Und Achleitner, von dem ich bisher viel gehalten habe, haben Sie offensichtlich nun auch mit im Boot!

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