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31.07.2013

18:58 Uhr

Aufsichtsratssitzung

Commerzbank streicht zwei Vorstandsposten

ExklusivDie gebeutelte Commerzbank will den Vorstand verkleinern. Der Aufsichtsrat will in der nächsten Woche offenbar die beiden Vorstände der internen „Bad Bank“ abberufen. Auch Bereichsvorstände müssen zittern.

Umstrukturierungen geplant

Chaos bei der Commerzbank

Umstrukturierungen geplant: Chaos bei der Commerzbank

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FrankfurtDer Aufsichtsrat der Commerzbank soll am kommenden Mittwoch über die Abberufung von zwei Vorstandsmitgliedern entscheiden. Die beiden für die Abwicklungsbank zuständigen Manager Jochen Klösges und Ulrich Sieber sollen ihre Posten verlieren, erfuhr das Handelsblatt von mehreren mit dem Vorgang vertrauten Personen. „Dahinter steht die Logik, dass der Abbau der Altlasten schneller als gedacht voranschreitet“, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Die Bank wollte die Informationen nicht kommentieren.

Die Commerzbank hat die Abberufung von zwei Vorständen kurzfristig auf die Tagesordnung der nächsten Aufsichtsratssitzung am 7. August gesetzt. Klösges und Sieber steht eine Abfindung zu: Ihre Vorstandsverträge enden erst 2017.

Die Bank hatte vor wenigen Wochen den Abbau von 5200 Stellen angekündigt. Nun soll auch die Führungsspitze verkleinert werden. „Mit neun Mitgliedern ist der Commerzbank-Vorstand eher üppig besetzt“, räumte ein hochrangiger Bankmanager ein. Die ungleich größere Deutsche Bank kommt mit sieben Vorständen aus. Das wird auch die zweite Führungsebene treffen: Das Institut denkt auch darüber nach, die Zahl der Zahl der derzeit noch 51 Bereichsvorstände zu verkleinern. Darunter sind vier Frauen.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

„Es ist klar, dass man für eine so stark geschrumpfte Bank weniger Manager braucht - zumal, wenn gleichzeitig mehr als 5000 Stellen an der Basis abgebaut werden“, hatte ein Insider Reuters vergangene Woche gesagt.

Ein erster Versuch von Vorstandschef Martin Blessing, den Vorstand nach der Fusion mit der Dresdner Bank vor fünf Jahren zu verkleinern, war vor einem Jahr gescheitert. Nach der Entscheidung, das Immobilien- und das Schiffsfinanzierungsgeschäft einzustellen, sollte bereits der dafür im Vorstand zuständige Klösges gehen. Doch das Bundesfinanzministerium hatte Aufsichtsratskreisen zufolge sein Veto eingelegt, weil die Auszahlung seines gerade erst bis 2017 verlängerten Vertrages oder eine Millionen-Abfindung nicht in die politische Landschaft passte. Doch inzwischen hält der Staat mit 17 Prozent keine Sperrminorität mehr, sein Einfluss ist begrenzt. Bankchef Blessing nannte ihn einen „ganz normalen Großaktionär“.

Kommentare (1)

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Laienrichter

31.07.2013, 15:01 Uhr

Dann sollte der AR Müller mal bei seinem Günstling Blessing anfangen. Das kriegt man den größten positiven Effekt!

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