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20.01.2005

07:32 Uhr

Aufsichtsverband warnt vor schwacher Überwachung – Commerzbank-Chef Müller: Deutsche Börse siegt im Kampf um LSE

Börsenübernahme beunruhigt Regulierer

VonRobert Landgraf

Der Verband der Europäischen Aufsichtsbehörden schlägt wegen der möglichen Übernahme der London Stock Exchange (LSE) Alarm. „Je mehr transnationale Börsenfusionen es gibt, umso schwieriger wird es für die Regulierer, sie mit den bisherigen Mitteln zu kontrollieren“, sagt Fabrice Demarigny, Generalsekretär des Committee of European Securities Regulators (CESR), dem Handelsblatt.

LONDON. Er fordert „noch mehr Kooperationen“ zwischen nationalen Behörden. Zwar gebe es bereits einen Beratungsprozess, um die nötige Kontrolle auf europäischer Ebene zu etablieren. Nationale Aufsichten seien aber nur „unzureichend dafür ausgerüstet“, international tätige Firmen zu überwachen.

Das CESR ist der Zusammenschluss europäischer Börsenaufsichten. Bislang arbeitet das von der Lamfalussy-Kommission im Jahr 2001 beschlossene Gremium nur als Netzwerk nationaler Behörden. Zu den Aufgaben des CESR gehört die Koordination zwischen den Ländern; es berät die EU-Kommission in finanzmarktpolitischen Fragen und hilft beim Umsetzen europäischer Gesetze in den Mitgliedstaaten. Doch das könne angesichts der neuen Realitäten in Europa nicht so bleiben, sagt Demarigny. Die nationalen Aufsichten müssen seiner Meinung nach ihre Macht nach Europa verlagern. In Zukunft müsse das CESR Entscheidungen von EU-weiter Tragweite treffen können: „Ein einheitlicher europäischer Markt braucht eine einheitliche Überwachung.“

Die Diskussion über die europäische Aufsicht wird schon seit einiger Zeit geführt. Bislang weisen die 25 Mitgliedstaaten der EU rund 70 Institutionen mit unterschiedlichen Vorschriften und Verfahren aus. Einige wie die britische FSA dürfen unbegrenzte Strafen aussprechen, andere nicht einmal gegen Insiderhandel vorgehen. Die Regierungen aus Großbritannien und Deutschland gehören seit langem zu den größten Befürwortern einer einheitlichen Finanzaufsicht.

In der Halbzeitbilanz über die Lissabon-Ziele, Europa bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten Markt zu machen, heißt es: „Wir müssen uns dieser Aufgabe rechtzeitig stellen, bevor die Entwicklung der Märkte uns zu improvisiertem und damit wenig Erfolg versprechendem Handeln zwingt.“ Zu den größten Gegnern eines einheitlichen Ansatzes gehören nationale Behörden aus Angst vor einem Machtverlust, in Deutschland spricht sich auch die Bundesbank dagegen aus. Wichtigstes Argument: Eine europäisierte Behörde werde nationalen Vorschriften nicht gerecht.

Unterdessen begrüßte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller das Übernahmeangebot der Deutschen Börse an die Londoner LSE. Das Angebot der Deutschen Börse sei einleuchtend, da bei einer Fusion die derzeit technisch führende Wertpapierhandelsplattform in Frankfurt auf London erweitert werde. „Es ist immer sinnvoll, mit Blick auf die Kunden Kosten zu sparen und die eigene Wettbewerbsstärke zu erhöhen“, sagte Müller im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das gelte sowohl für die Börsen als auch für die Marktteilnehmer in London und Frankfurt.

Der Commerzbank-Chef warnte davor, die Diskussion über ein Zusammengehen zu emotionalisieren, wie es derzeit geschehe. „Wirtschaftlich angebrachte Fusionen dürfen in Europa nicht an Landesgrenzen scheitern“, sagte Müller. Im Fall LSE müsse klar sein, dass der Wertpapierhandel London als dem wichtigsten Finanzplatz in Europa nicht entgleite. Die Handelsplattform in London bleibe auch nach einer Fusion erhalten und ziehe nicht nach Frankfurt um. Wichtige Abteilungen und Vorstände seien sicherlich künftig in London zu finden, falls die Übernahme klappe.

Angesichts der Finanzkraft sieht Müller die Deutsche Börse aus einem Bieterwettbewerb mit dem Konkurrenten Euronext als Sieger hervorgehen. Der Commerzbank- Chef ist zuversichtlich, dass es zu einer Einigung zwischen der Börse und Aktionären kommen kann und damit die aus Frankfurt angestrebte Übernahme nicht gefährdet ist.

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