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20.05.2016

17:35 Uhr

Ausfallbedrohte Darlehen

EZB legt Pläne für Kreditregister ad acta

Die EZB gibt Pläne für die Erfassung sämtlicher Problem-Darlehen in Europa auf. Ursprünglich hatte das Institut auch kleinste Kredite erfassen wollen, falls diese vom Ausfall bedroht wären. Deutsche Sparkassen freut das.

Die deutschen Sparkassen waren gegen die Regulierungspläne der EZB auf die Barrikaden gegangen - und freuen sich nun über die entschärften Pläne. dpa

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Die deutschen Sparkassen waren gegen die Regulierungspläne der EZB auf die Barrikaden gegangen - und freuen sich nun über die entschärften Pläne.

FrankfurtNach heftiger Kritik aus Deutschland legt die EZB Pläne für die Total-Erfassung von Problem-Darlehen in einem Kreditregister ad acta. Sie will sich im Rahmen des im Fachjargon als Anacredit bekannten Registers auf eine Meldegrenze für Problemkredite ab einer Summe von 25.000 Euro beschränken, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag mitteilte. Damit sind Überlegungen vom Tisch, ausfallgefährdete Darlehen bereits ab einer Summe von 100 Euro zu erfassen.

Gerade die Sparkassen waren dagegen auf die Barrikaden gegangen - und freuen sich nun über die entschärften Pläne. „Wir begrüßen alle Schritte, die dazu beitragen, überbordende Regulierung für kleine Institute zurückzuschrauben oder zu verhindern“, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.

Bei der EZB soll künftig für ausfallgefährdeten Kredite dieselbe Meldegrenze gelten wie für normale Darlehen. Diese wurde bereits zuvor auf 25.000 Euro festgelegt. In Deutschland liegt die Untergrenze für normale Kredite bei einer Million Euro - das ist die höchste Meldeschwelle in Europa. Laut einem EZB-Entwurf müssen Institute künftig bei Darlehen annähernd 100 Kreditdetails angeben.

Viele deutsche Banken hatten dagegen protestiert. Der Aufwand der Datenerhebung ist aus ihrer Sicht unverhältnismäßig hoch. Die ursprünglich für das Frühjahr 2018 geplante erste Stufe von Anacredit wurde von der EZB nun auf den 30. September 2018 verschoben. Aus der Finanzbranche war der Ruf nach einem Aufschub laut geworden, um mehr Zeit zur Umstellung auf das neue Meldesystem zu erhalten. Darlehen an Privatkunden werden davon in der geplanten ersten Stufe nicht erfasst.

Die EZB hofft, dass sie mit den vielen Kreditdaten besser beurteilen kann, wie sich ihre Geldpolitik auf die Realwirtschaft auswirkt. Auch Risiken für das Finanzsystem ließen sich so klarer erkennen. Hier spielen die Erfahrungen aus der Finanzkrise eine Rolle, als in vielen europäischen Ländern Steuergelder zur Rettung maroder Banken herangezogen wurden. Für die Kontrolle der Banken sind die Daten aus Sicht der deutschen Finanzaufsicht Bafin dagegen nicht nötig. „Ich kann ihnen klipp und klar sagen: Ich brauche solche Schwellenwerte aufsichtlich überhaupt nicht“, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld Ende vergangenen Jahres.

Von

rtr

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