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27.09.2013

17:23 Uhr

Auskunft verlangt

Bundesbank checkt Banken wegen Niedrigzinsen

Baukredite gibt es zu Niedrigkonditionen für zehn Jahre und mehr. Doch wenn das Zinsniveau rasch steigt? Dann kommt die Bank plötzlich teuer an frisches Geld, sitzt aber auf Niedrigzinsverträgen. Die Bundesbank prüft.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Reuters

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

FrankfurtDie Belastungen der Banken durch niedrige Zinsen rufen die Aufsichtsbehörden auf den Plan. Die deutschen Geldhäuser müssen der Bundesbank ausführlich berichten, wie sich das fortdauernde Niedrigzinsumfeld auf ihre Ergebnisse auswirkt. Zudem sollen sie erläutern, wie sich ihre Ertragskraft bei einem plötzlichen Zinsanstieg entwickeln würde, wie die Bundesbank am Freitag erklärte. Besonders Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken, die über Hunderte Milliarden an Spareinlagen verfügen, leiden unter den niedrigen Zinsen, mit denen die Europäische Zentralbank die schwächelnde Wirtschaft in Schwung bringen will.

Die deutschen Banken unterstützen die Erhebung, wollen dafür aber mehr Zeit. Die Bundesbank hatte die Institute am 11. September aufgefordert, die Daten bis Ende des Monats zu liefern. In einem Brief an die Bundesbank fordert die Deutsche Kreditwirtschaft (DK), diese Frist bis Ende Oktober zu verlängern. Ansonsten würden viele Institute überfordert, argumentieren die Geldhäuser.

Die größten Sparkassen Deutschlands

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.

Nassauische Sparkasse

2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Laut den Banken liegen viele der angefragten Daten nicht standardmäßig vor und müssen erst erhoben werden. Dazu zähle beispielsweise die Einschätzung über die künftigen Ergebnisse durch die Fristentransformation. Darunter versteht man die Praxis, dass Banken langfristige Kredite vergeben und diese kurzfristig refinanzieren. Hinzu komme, dass die zuständigen Abteilungen der Banken derzeit gut damit beschäftigt seien, neue Regeln der Aufseher umzusetzen, erklärte die DK.

Die Bundesbank hat bisher noch nicht entschieden, ob sie dem Wunsch der Institute nachkommt. "Wir sind im Dialog mit den Banken", erklärte sie. Für eine endgültige Entscheidung fehlten allerdings noch einige Erkenntnisse. Es gebe keine speziellen Vorfälle oder Sorgen, die die Erhebung ausgelöst hätten, hieß es in Aufsichtskreisen. "Für Aufseher ist das Tagesgeschäft." Die Daten seien wichtig, um sich ein umfassendes Bild über die Lage und Robustheit der deutschen Banken zu machen.

Die Niedrigzinsphase setzt besonders Instituten zu, die über hohe Bestände an Spareinlagen verfügen wie Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken. Bei den Sparkassen ging der Zinsüberschuss im vergangenen Jahr beispielsweise um 2,6 Prozent auf 23,2 Milliarden Euro zurück. Im laufenden Jahr rechnet Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon mit einem weiteren Rückgang um rund 500 Millionen Euro. "Mit zunehmender Dauer und dem Auflaufen hochverzinslicher Anlagen und Kredite verschärft sich die betriebswirtschaftliche Herausforderung, der nur auf der Kostenseite begegnet werden kann", sagte er kürzlich auf einer Branchenkonferenz in Frankfurt.

Von

rtr

Kommentare (15)

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Mazi

27.09.2013, 13:12 Uhr

Sowohl die Anfrage der Bundesbank wie die Antwort des Bankenverbands löst Unverständnis aus.

Ist es nicht Aufgabe des Vorstandes einer Bank eigenverantwortliches Krisenmanagement zu betreiben und ist es nicht tägliches Brot der Handelsabteilungen einer Bank, überwacht vom Controlling der Bank genau über diese Problematik täglich bzw. in Realtime Auskunft zu geben?

Hier stimmt etwas nicht. Mersch von der EZB hat mit seiner jüngsten Aktivität schon darauf hingewiesen. Offensichtlich ist das Risikomanagement der Banken nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem es steht.

Möglicherweise hat man die Spareinlagen der Sparer ohne deren Wissen schon unter sich aufgeteilt! Was Wahlen so alles an den Tag fördern, wenn sie schon einmal abgehalten sind.

J.v.Neumann

27.09.2013, 14:32 Uhr

Herr Weidmann sollte bei der "Kreditanstalt für Wiederaufbau" beginnen. Dort werden Großkredite über ein Vierteljahrhundert zu Niedrigzinsen vergeben.

Mausi

27.09.2013, 15:08 Uhr

Das ist ein klarer Vorwand. Ich arbeite bei einer Bank und die geforderten Risiko-Szenarien werden regelmäßig durchgführt und dokumentiert.

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