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07.06.2017

18:32 Uhr

Auslegung von PSD2

Fintechs und Banken streiten um Kundenzugang

VonElisabeth Atzler

Die neue EU-Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 soll Finanz-Start-ups stärken. Jetzt ringen Fintechs und Banken um die richtige Auslegung – und die Frage, wie sie auf Kundendaten zugreifen dürfen.

Banken und Fintechs streiten um die neue Zahlungsdienste-Richtlinie der EU. dpa

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Banken und Fintechs streiten um die neue Zahlungsdienste-Richtlinie der EU.

FrankfurtDie neue EU-Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 soll den Wettbewerb auf dem Bankenmarkt erhöhen und dafür Finanz-Start-ups stärken. Anfang 2018 tritt sie in Deutschland in Kraft. Doch es wird immer deutlicher: Der Teufel steckt im Detail. Die genaue Auslegung der Richtlinie, die technischen Standards, sind noch unklar und sorgen für Streit zwischen Banken und Finanz-Start-ups, den so genannten Fintechs.

Jetzt hat die EU-Kommission mit ihrem jüngsten Vorschlag Fintechs Rückenwind verschafft. Doch beigelegt ist die Auseinandersetzung noch nicht. Die europäische Bankenaufsicht Eba, EU-Ministerrat und EU-Parlament beschäftigen sich auch noch mit der für die Finanzbranche so wichtigen Richtlinie.

Ein Knackpunkt: Wie dürfen Fintechs künftig auf Kontendaten von Bankkunden zugreifen, um ihre Dienstleistungen im Auftrag dieser Kunden auszuführen? Nur noch über durch die Banken definierte Schnittstellen oder wie bislang über das Onlinebanking direkt?

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Die PSD2 sieht vor, dass Banken eine Schnittstelle zur Verfügung stellen, über die Fintechs – aber auch andere Geldhäuser – Kontoinformationen auslesen können. Das Ziel der EU: Vor allem beim Onlineeinkauf soll das Bezahlen für die Kunden sicherer, bequemer und günstiger werden. Außerdem sollen auch Nicht-Banken wie eben Fintechs stärker mitmischen dürfen, wenn sie als sogenannte Zahlungsauslösedienstleister innovative Bezahlmethoden anbieten oder als Kontoinformationsdienstleister Zahlungsdaten der Verbraucher aufbereiten – etwa zur Finanzplanung oder zum Versicherungswechsel. Damit sie an die nötigen Daten kommen, müssen die Geldhäuser nun Schnittstellen einrichten und für die Drittanbieter öffnen. Die Kunden können so Überweisungen und andere Bankdienstleistungen nicht mehr nur über ihre Bank abwickeln, sondern auch über deren Konkurrenz. Kurzum: Der Zahlungsverkehr soll schneller und billiger werden.

Eigentlich gelten diese verpflichtenden Schnittstellen als Königsweg und als wesentliche Neuerung durch die Richtlinie. Trotzdem sind sie nun umstritten. Während einige Fintechs fürchten, die Schnittstellen der Banken könnten womöglich ihren Ansprüchen nicht genügen und ihr Geschäftsmodell angreifen, beharren die Banken darauf, dass künftig nur noch Daten für diese Schnittstellen und nicht mehr direkt übers Onlinebanking – im Fachjargon Screen Scraping – abgefragt werden.

Banken führen Datenschutz und Datensicherheit als Argumente gegen das Screen Scraping an. Konkret nutzen Fintechs beim Screen Scraping die Konto-Login-Daten der Kunden, um in deren Auftrag auf die Webseiten der Banken zuzugreifen. Zudem gelten die Schnittstellen eigentlich als technisch bessere Lösung.

Die europäische Bankenaufsicht Eba hat in ihren technischen Standards vorgesehen, dass Fintechs und andere Banken die Schnittstelle, die ein Geldhaus jeweils freigibt, auch nutzen sollen – und eben nicht mehr Screen Scraping. Die Sorge etlicher Fintechs wie zum Beispiel von Sofort, einem Zahlungsdiensteanbieter: Die Schnittstellen könnten so langsam arbeiten, dass sie ihre Dienstleistung nicht wie bisher anbieten können. Hinzu kommt: Wenn sie die neuen Schnittstellen nutzen, müssten einige Fintechs wahrscheinlich erheblich in ihre Systeme investieren. Sie pochen daher darauf, dass auch weiter Screen Scraping möglich ist – und bekommen nun Rückenwind von der EU-Kommission.

Die Kommission hat gerade auf den Eba-Vorschlag reagiert. Einige Fintechs interpretieren die Antwort der EU-Kommission so, dass der direkte Zugriff weiterhin erlaubt ist. „Wir begrüßen, dass die Kommission unserer Position gefolgt ist und den direkten Zugang zum Bankkonto für Drittdienstleister ermöglicht“, sagt Georg Schardt, Geschäftsführer der Sofort GmbH. Damit sei eine „Diskriminierung  von Fintech-Unternehmen seitens der Banken sowie ein potenzieller Marktausschluss der Fintechs erheblich erschwert“.

Kommentare (1)

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Herr Maximilian Eberhardt

12.06.2017, 15:17 Uhr

>> „Bei der Nutzung von Screen Scraping müsste die Bank sicher wissen, dass es sich um einen zertifizierten Drittanbieter handelt“, sagt er. „Problematisch wird hier gesehen, dass ein Dritter eine Menge Daten der Kunden einsehen könnte, zum Beispiel die detaillierten Kontoumsätze der vergangenen Wochen, die für die eigentliche Transaktion nicht nötig wären.“ Anders bei einer Schnittstelle: Hier könne der Regulator definieren, welche Daten eine andere Bank oder ein Fintech erhält, zum Beispiel nur den Kontostand. >>

Einige Aussagen sind leider nicht korrekt bzw. unvollständig:
1) Die Authenfizierung eines Scraping-Zugriffs könnte ebenso erfolgen, wie bei einer bankseitigen Schnittstelle. Der Drittanbieter kann sich ja unabhängig vom Kanal gegenüber der Bank zu Erkennen geben.
2) Auch die Datenübertragung via ScreenScraping kann maßgeschneidert auf die jeweilige Transaktion erfolgen; d.h. es können bspw. auch nur der Kontostand, nur der Name oder nur ein bestimmter Zeitraum an Transaktionen zurückgegeben werden.
3) Auch die Datenverlässlichkeit/Vollständigkeit des Scrapings gegenüber bestehenden Schnittstellen kann nicht per se als schlechter hingestellt werden. Im Gegenteil - FinTecSystems als BankingAPI-Provider kann hier sogar klare Vorteile des direkten Zugriffs gegenüber den bestehenden Schnittstellen (HBCI/FInTS) erkennen.

Maximilian Eberhardt
Business Development
FinTecSystems GmbH
me@fintecsystems.com
+49 179 750 4219

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