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11.07.2011

12:02 Uhr

Aussagen zu Griechenland-Anleihen

LBBW pfeift eigenen Aufsichtsrat zurück

Hat die Landesbank im großen Stil Anleihen des insolvenzgefährdeten Griechenland verkauft oder nicht? Über diese heikle Frage streitet sich die größte Landesbank öffentlich mit ihrem eigenen Aufsichtsrat.

Logo der LBBW an der Fassade der Zentrale in Stuttgart. Quelle: dpa

Logo der LBBW an der Fassade der Zentrale in Stuttgart.

Düsseldorf/StuttgartDie LBBW hat ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen zuletzt massiv reduziert - zumindest, wenn man dem Aufsichtsrat der Bank, Peter Schneider, glaubt. In einem Interview mit dem Handelsblatt in der Montagsausgabe berichtete Schneider freimütig von entsprechenden Verkäufen und betonte, das sei Usus in der Branche: "Alle tun das".

Die LBBW kassierte die Aussagen umgehend. „Die Bank hat keine Staatsanleihen Griechenlands verkauft“, teilte die staatlich kontrollierte Bank am Montag in Stuttgart mit. „Die Aussage, die LBBW habe griechische Staatsanleihen verkauft, ist nicht korrekt“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Das heftige Dementi aus Stuttgart überrascht nicht: Dass viele deutsche Banken angesichts der drohenden Umschuldung Griechenlands versuchen, die Anleihen des Landes loszuwerden, ist in der Branche kein Geheimnis. Nur: Öffentlich darüber sprechen will keiner. Denn die Institute versprachen Kanzlerin Angela Merkel im vergangenen Jahr noch hoch und heilig, die Papiere zu halten, um Athen nicht noch stärker in Schwierigkeiten zu bringen.

Peter Schneider, LBBW-Aufsichtsrat und Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg. Quelle: dpa

Peter Schneider, LBBW-Aufsichtsrat und Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg.

Schneider hat dieses Tabu jetzt gebrochen und in dem Interview erstaunlich offen über den heimlichen Ausstieg gesprochen. "Das erfolgt im Moment in jedem Haus", sagte der CDU-Politiker, der als Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg im LBBW-Aufsichtsrat sitzt. „In jedem Aufsichtsrat wird gefragt: Habt ihr Griechenland-Anleihen? Warum verkauft ihr nicht?“

Schneider rechtfertigte das Brechen des Versprechens mit dem Richtungsschwenk der Politik: "Sie können doch nicht um einen Beitrag zur Stabilisierung bitten und dann plötzlich einen Gläubigerschnitt ins Spiel bringen. Hätte die Regierung damals gesagt: "Haltet die Anleihen, und wir plädieren dann für eine sanfte Umschuldung", wäre sie von jedem ausgelacht worden."

Schneider deutete zudem an, dass die LBBW etwa die Hälfte ihrer Bonds verkauft habe. Damit befinde sich die Landesbank im Branchendurchschnitt. Da die Kurse der Anleihen im Keller sind, habe das Institut beim Verkauf "gewisse Verluste" hinnehmen müssen.

Kommentare (2)

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sailing

11.07.2011, 12:12 Uhr

eine Bank die griechische Papiere gekauft hat müsste sich selbst hinterfragen. Man würde zu dem Schluß kommen müssen, dass die "Daseinsberechtigung" dieser Bank auf wackligen Füßen steht.
Oder gibt es rationale Gründe Staatsanleihen von hochverschuldeten Ländern zu erwerben.

Regulator

11.07.2011, 12:54 Uhr

Schneider hat keine Lust mehr, das Verheimlichungs- und Vertuschungsspiel mitzuspielen, das beleidigt seine Intelligenz und recht hat er.

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