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04.01.2012

16:39 Uhr

Austauschaktion

Sparkasse ermöglicht Bezahlen per Funkchip

High-Tech-Aufrüstung bei den Sparkassen: Künftig können die elektronischen Bezahlkarten auch per Funk kommunizieren, um Bezahlen per Funk zu ermöglichen. 16 Millionen Karten wollen die Sparkassen allein 2012 austauschen.

Das kontaktlose Bezahlen könnte die Warteschlangen vor den Supermarktkassen verkürzen. ap

Das kontaktlose Bezahlen könnte die Warteschlangen vor den Supermarktkassen verkürzen.

BerlinMillionen Sparkassen-Kunden können von diesem Jahr an mit ihrer Karte kleine Einkäufe kontaktlos bezahlen - ohne PIN-Eingabe oder Unterschrift. Die Beträge von bis zu 20 Euro werden abgebucht, wenn Kunden ihre Girocard (früher EC-Karte) vor ein Lesegerät halten. „Im August beginnt die bundesweite Einführung“, kündigte Werner Netzel, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa an. 16 Millionen der insgesamt 45 Millionen Sparkassen-Cards werden in diesem Jahr ausgetauscht, die übrigen folgen.

Kartenzahlung im Vorbeigehen

Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen?

Das kontaktlose Bezahlen funktioniert per Funk. Die Karten mit Girogo-, Paypass- oder Paywave-Technologie sind mit einem speziellen Chip (NFC - Near Field Chip) ausgestattet. Die Daten werden verschlüsselt mit dem Terminal an der Kasse ausgetauscht, wenn die Karte im Abstand von maximal vier Zentimetern davorgehalten wird. Der Inhaber gibt seine Kreditkarte oder Girocard dabei nicht aus der Hand.

Für welche Beträge ist das gedacht?

Vor allem für Kleinbeträge, die üblicherweise bar bezahlt werden: Tageszeitung, Kaffee. Nutzer neuartiger Visa- oder Mastercard-Karten können kontaktlos bis zu einem Betrag von 25 Euro ohne Geheimnummer (PIN) oder Unterschrift bezahlen. Liegt der Betrag darüber, sind PIN oder Unterschrift notwendig. Wer die SparkassenCard nutzt, muss - wie zuvor bei der Geldkarte - ein Guthaben von höchstens 200 Euro auf die Karte laden und kann dann Beträge bis 20 Euro kontaktlos bezahlen. Nächstes Jahr entscheidet die Kreditwirtschaft über höhere Summen.

Ist die Technik sicher?

Nach Angaben der Sparkassen werden beim Bezahlvorgang nur zahlungsrelevante Daten wie Betrag und Kartennummer ausgetauscht: „Es werden keine Kundeninformationen, keine Namen, an den Handel weitergegeben“, sagt Werner Netzel, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen-und Giroverbands. Visa führt aus, Zahlungen seien „besonders sicher“. Weil nur noch der Chip und nicht der Magnetstreifen zum Einsatz komme, gebe es keine Chance für Kriminelle, die durch manipulierte Automaten Kartendaten abschöpfen. Auch Mastercard will die Sorge vor ungewollten Abbuchungen nehmen: Die Karte funktioniere nur, wenn sie sich im Abstand von höchstens vier Zentimetern vom Terminal befinde.

Wo kann schon kontaktlos bezahlt werden?

In den Stadien der Fußball-Erstligisten Bayer Leverkusen und Mainz 05 sowie beim Handball-Bundligisten Frisch Auf Göppingen. In Dortmund haben Studentenausweise die kontaktlose Bezahlfunktion. Im April startet die Kreditwirtschaft einen Pilotversuch mit mehr als einer Million Karten im Raum Hannover, Braunschweig, Wolfsburg. Die Sparkassen wollen die Zahl der neuartigen Karten bis Jahresende von 1,2 Millionen auf 16 Millionen steigern. Als Partner gewonnen haben sie die Esso-Tankstellen und die Douglas-Gruppe (Thalia, Christ, Hussel), eine Drogerie- und eine Lebensmittelkette sollen folgen. Das Mastercardsystem „PayPass“ akzeptieren viele Tankstellen (BP/Aral) und die Gastronomiekette Vapiano. Die kontaktlose Visa-Zahlungskarte („Visa payWave“) wollen bis Mitte 2012 sechs deutsche Banken an ihre Kunden ausgeben: BW-Bank, Comdirect, DKB, Landesbank Berlin, Targobank und Volkswagen Bank.

Wie zahlen die Menschen in Deutschland vor allem?

Traditionell mit Bargeld. Nach den aktuell verfügbaren Zahlen der Bundesbank und des Einzelhandelsverbandes HDE für das Jahr 2010 sind Schein und Münze bei Einkäufen das mit Abstand meistgenutzte Zahlungsmittel in Deutschland. Gemessen am Umsatz liegt der Bargeldanteil nach wie vor bei etwa 60 Prozent. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele befand kürzlich: „Zumindest ist unser Eindruck, dass der Markt für die elektronische und mobile Zahlungen - kurz „e- und m-payments“ - in Deutschland noch eher in den Kinderschuhen steckt.“ Viele Verbraucher zahlen auch deshalb lieber bar, weil sie dann ohne großen Aufwand den Überblick über ihre Ausgaben behalten.

Die bisher wenig genutzte Geldkarten-Funktion wird mit der NFC-Funktechnik (Near Field Communication) aufgerüstet, die die Bezahl-Information an das Lesegerät überträgt. „Dabei werden Kleinbeträge bis 20 Euro kontaktlos bezahlt - das heißt wesentlich schneller, als wenn sie die Karte in einen Schlitz stecken und eine PIN eingeben oder unterschreiben“, sagte Netzel. „Für die Kunden entstehen keine Kosten.“

Mitte April startet die Kreditwirtschaft einen Pilotversuch im Raum Hannover, Braunschweig, Wolfsburg. Kontaktlos bezahlen könnten Kunden bundesweit zunächst an Esso-Tankstellen, beim Buchhändler Thalia, der Süßwarenkette Hussel und in den Textilhäusern von Appelrath-Cüpper.

„Das Interesse im Handel ist sehr groß“, hob Netzel hervor. Bald werde eine Kooperation mit einer Drogerie- und einer Lebensmittelkette präsentiert. „Gespräche laufen auch mit der Automatenwirtschaft.“ Die Banken sehen Vorteile für Unternehmen und Kunden: kürzere Kassenschlangen und mehr Umsatz. Das zeigten Versuche in den Fußballarenen von Bayer 04 Leverkusen und Mainz 05: „Weil es schneller geht, in der Pause an die Getränke und die Bratwurst zu kommen.“

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