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13.01.2008

14:44 Uhr

Auswirkungen der Finanzkrise

Deutschen Banken drohen Abschreibungen

VonHans G. Nagl und Rolf Benders

Bereits im dritten Quartal hatten die deutschen Banken wegen der Krise am US-Markt deutliche Abschreibungen vornehmen müssen. Nach Einschätzung von Analysten drohen den Kreditinstiuten im vierten Quartal nun weitere Belastungen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat weitere Wertberichtigungen für sein Haus ausdrücklich ausgeschlossen. Foto: dpa Quelle: dpa

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat weitere Wertberichtigungen für sein Haus ausdrücklich ausgeschlossen. Foto: dpa

FRANKFURT. "Ich halte es durchaus für möglich, dass wir bei vielen Banken - auch bei deutschen - noch einmal Abschreibungen für das vierte Quartal sehen werden", sagt Bankenexperte Guido Hoymann von der Privatbank Metzler. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass die Wirtschaftsprüfer voraussichtlich äußerst strenge Maßstäbe bei der Bewertung kritischer Wertpapierbestände anlegen werden. Grund zur Panik besteht Hoymann zufolge aber nicht. "Ich gehe davon aus, dass die Abschreibungen eine eher überschaubare Größenordnung erreichen dürften."

Im dritten Quartal hatten die deutschen Institute wegen der Krise am US-Markt mit zweitklassigen Immobilienkrediten, sogenannten Subprime-Krediten, deutliche Abschreibungen vornehmen müssen. Diese Kredite waren als Anleihen und Derivate auch an deutsche Banken verkauft worden. Zu den möglichen Belastungen im vierten Quartal gibt es bislang nur wenige konkrete Schätzungen von Experten. Vom Handelsblatt befragte Analysten rechnen im vierten Quartal für die Commerzbank und Hypo Real Estate mit je 50 Mill. Euro. Bei der Deutschen Bank wollen die Experten nichts ausschließen. Allerdings hatte sich deren Vorstandschef Josef Ackermann Ende Oktober deutlich positioniert und für sein Haus weitere Wertberichtigungen ausdrücklich ausgeschlossen. "Wenn es anders käme, wäre es eine heftige Blamage", sagte ein Analyst.

Bei der Postbank rechnet der Markt mit Abschreibungen auf dem Niveau des dritten Quartals. Die Institute wollten sich zu den Analystenschätzungen kurz vor der Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen nicht äußern. Am 7. Februar beginnt die Deutsche Bank die Berichtssaison der deutschen Finanzbranche.

Weitere Belastungen drohen für das vierte Quartal vor allem, weil sich die Finanzkrise zum Jahresende teilweise noch ausgeweitet hat und mittlerweile auch Wertpapiere betroffen sind, die gar keine Hypothekenkredite an Schuldner mit geringer Bonität umfassen. "Wir reden hier nicht nur über Wohnimmobilien", sagte ein Analyst.

Nach Berechnung eines anderer Experten hat beispielsweise die Commerzbank insgesamt knapp 20 Mrd. Euro strukturierte Finanzierungen beziehungsweise forderungsunterlegte Wertpapiere in ihren Büchern. Für die Deutsche Bank lauten die Schätzungen auf bis zu 30 Mrd. Euro. Sollten sich hier Wertverluste selbst von wenigen Prozent ergeben, könnte es schnell zu Abschreibungen im Millionenbereich kommen. "Die ABX-Indizes, die den Markt für strukturierte Produkte zusammenfassen, sind in den letzten Wochen wieder extrem nah an die historischen Tiefststände gerückt, sagte ein Analyst. Damit dürfte der in der Bilanzen angesetzte Wert zumindest für einige Produkte zu hoch sein.

Die akuten Krisenauswirkungen auf die Bankportfolios werden aber nach Expertenmeinung mit dem vierten Quartal auslaufen. "Wir rechnen damit, dass mit der Berichterstattung über das vierte Quartal das Thema Abschreibungen wegen der Subprime-Krise zumindest bei den europäischen Banken weitestgehend abgearbeitet ist", sagt Joachim Müller, Analyst beim französischen Broker Cheuvreux. Spätestens dann könne man über selektive Käufe in dem Sektor nachdenken. Dieter Hein von Fairesearch sieht dies ähnlich, warnt aber: "Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass manche Bank selbst nicht so genau wusste, welche Risiken sie in den Büchern hat."

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