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07.05.2014

14:40 Uhr

„Bad Bank“ macht Fortschritte

Altkredite belasten Commerzbank-Gewinn

Fortschritte beim Abbau von Krediten sorgen bei der Commerzbank für Hoffnung. Doch das schlägt auf den Gewinn durch. Das Ergebnis geht um 140 Millionen Euro zurück – und liegt trotzdem im Rahmen der Erwartungen.

Commerzbank-Chef Martin Blessing: Nach vielen Hiobsbotschaften keimt Hoffnung für das Geldhaus. dpa

Commerzbank-Chef Martin Blessing: Nach vielen Hiobsbotschaften keimt Hoffnung für das Geldhaus.

Frankfurt am MainDie Commerzbank kommt wegen der niedrigen Zinsen nicht recht voran. Die Fortschritte im Privatkundengeschäft und in Osteuropa reichten nicht aus, um die wachsenden Verluste beim Abbau der Immobilien- und Schiffsfinanzierung auszugleichen. Der operative Gewinn schrumpfte im ersten Quartal vor Steuern um 30 Prozent auf 324 Millionen Euro. Dennoch sprach Vorstandschef Martin Blessing am Mittwoch von einem „ordentlichen Ergebnis“ im Kerngeschäft. „Dies zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Die „Bad Bank“ mit unerwünschten Krediten und Papieren belastet das zweitgrößte deutsche Bankhaus jedoch immer stärker, umso länger der Schrumpfungsprozess dauert.

Analysten fürchten nach dem Auftaktquartal, dass die Commerzbank in diesem Jahr einmal mehr ihre Gewinnerwartungen verfehlen wird. Die Experten rechnen im Schnitt mit einem Gewinn von knapp 1,2 Milliarden Euro vor Steuern. Normalerweise sei das erste Quartal das stärkste im Jahr, unkte Philipp Häßler von Equinet. Die Aktie der Commerzbank rutschte mit einem Minus von drei Prozent an das Ende im Leitindex Dax, obwohl die Bank fast genau die Analysten-Schätzungen im ersten Quartal traf. Citi-Analyst Andrew Coombs zog in Zweifel, ob die Bank die für 2016 angepeilte Eigenkapitalrendite von zehn Prozent im Kerngeschäft werde erreichen können. Im ersten Quartal lag sie immerhin bei 10,3 Prozent.

Unter dem Strich kehrte die Commerzbank, die noch zu 17 Prozent dem Staat gehört, im ersten Quartal mit 200 Millionen Euro Gewinn in die schwarzen Zahlen zurück. Ein Jahr zuvor hatten die Kosten für den geplanten Abbau von mehr als 5000 Stellen für 98 Millionen Euro Verlust gesorgt. 1800 Arbeitsplätze sind schon weg, wie Finanzvorstand Stephan Engels sagte, gut die Hälfte davon im Privatkundengeschäft.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Der Finanzvorstand nannte drei Belastungsfaktoren: „Wir werden unseren Wachstumskurs in der Kernbank fortsetzen - und zwar trotz schwacher Kreditnachfrage, Kundenzurückhaltung und Niedrigzinsumfeld.“ Wann sich das Zinsumfeld ändere, sei nicht absehbar. Der operative Gewinn im Kerngeschäft ging auf 496 (2013: 550) Millionen Euro zurück. Der Zinsüberschuss brach um 17 Prozent ein. Die Erträge schrumpften um 3,5 Prozent, doch dafür musste die Commerzbank nur noch 238 (267) Millionen Euro für faule Kredite zurückstellen. Am besten lief es im Privatkundengeschäft, wo der operative Gewinn - auf niedrigem Niveau - um fast zwei Drittel stieg. In Osteuropa legte die polnische Tochter MBank um 30 Prozent zu und gewann mehr Kunden als das Mutterhaus in Deutschland.

Kommentare (1)

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07.05.2014, 10:59 Uhr

Die Coba kommt von 265 Euro,inclusive aller Bezugsrechte sämtlicher KE´s(22.03.00).Selbst wenn sie sich verdoppelt,bleibt ein Verlust vom ATH von über 90%.
Auch interessant,die Coba konnte in ihrer Geschichte nie mehr als knapp 50% der MK der DBK am Kapitalmarkt realisieren.Deswegen ist das Gefasel mancher Analysten von:"Kurziel der Coba: 25 Euro bis Jahresende" völlig aus der Luft gegriffen.Nur weil sie vom Tief seit dem letzten Sommer- bei 5,56- über 100% zulegte ,heißt das nicht,dass sich der Trend automatisch fortsetzt.
Interessant wird sein,wie Blessing das Ziel einer Nettoeigenkapitalrendite von 10% realisieren will (bis 2016).Das wären laut heutigem Stand 3,2 Mrd nach Zinsen,Steuern und Abschreibungen.Bisher ist er da weit entfernt,und da das OP-Ergebnis durch die Blianzverkleinerung der Coba tendenziell eher sinkt,ist auch keine Besserung zu erwarten,selbst wenn sich die Bad Bank in Luft auflöst und alle Sparanstrengungen greifen.Hier hat der Herr Vorstandsvorsitzende wohl mit Zitronen gehandelt oder den Mund gegenüber den Analysten etwas zu voll genommen.

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