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16.01.2014

20:27 Uhr

Bafin-Chefin König

„Versicherer müssen Lebensversicherung neu erfinden“

Elke König, oberste Finanzaufseherin Deutschlands, fordert von Versicherer einen radikalen Umbruch. Die anstehenden Kapitalregeln dürften für manches Unternehmen Ungemach bedeuten. König appelliert zudem an die Ethik.

Die Bafin-Präsidentin Elke König: „Beratung und Vertrieb müssen sich ändern.“ dpa

Die Bafin-Präsidentin Elke König: „Beratung und Vertrieb müssen sich ändern.“

FrankfurtBafin-Chefin Elke König hat die deutschen Lebensversicherer zu einem radikalen Umsteuern aufgefordert: „Die Versicherer müssen differenziertere Angebote entwickeln und das Produkt Lebensversicherung in Teilen neu erfinden“, sagte die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) am Donnerstagabend in Frankfurt: Die niedrigen Zinsen auf sichere Wertpapiere belasten die Branche in zunehmendem Maße, weil sie den Kunden langfristige Zinsgarantien gegeben haben, die teilweise über Jahrzehnte gelten. Große Versicherer wie die Allianz und Ergo haben bereits alternative Produkte ohne diese Garantien eingeführt.

Damit die Lebensversicherer genügend Geld zurücklegen, um die Garantien auch künftig zahlen zu können, hat ihnen die BaFin vor drei Jahren auferlegt, eine Zinszusatzreserve zu bilden. Die Branche habe dafür allein im vergangenen Jahr sechs Milliarden Euro aufgewendet, sagte die BaFin-Chefin.

König forderte „intelligente, ausgewogene Lösungen“, die den Kunden die nötige Sicherheit für die Altersvorsorge geben und im Rahmen des Möglichen verständlich seien. „Die ersten Schritte in diese Richtung haben wir schon gesehen, und ich kann die Unternehmen nur ermutigen, auf diesem Weg weiterzugehen, denn es geht um ihre Zukunft“, sagte die Bafin-Chefin, die selbst lange in der Versicherungsbranche gearbeitet hatte.

Im Zuge der neuen, stärker am Risiko ausgerichteten Kapitalregeln „werden einige Anbieter langfristiger Garantien in den kommenden Jahren sicher zusätzliche Eigenmittel aufbauen müssen“, sagte König. In Deutschland gibt es mehr als 90, meist kleine Lebensversicherer.

Kommentare (1)

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Mazi

17.01.2014, 15:51 Uhr

"Bafin-Chefin Elke König hat die deutschen Lebensversicherer zu einem radikalen Umsteuern aufgefordert: „Die Versicherer müssen differenziertere Angebote entwickeln und das Produkt Lebensversicherung in Teilen neu erfinden“"

Hat ein Journalist je nachgefragt, was das für die bestehenden Lebensversicherungen, d.h. was dies aus Sicht der Kunden bedeutet? Mit welchem Betrag wird sich dieser Gedankengang dort niederschlagen?

Zwingt sie, die BaFin, jetzt endlich die Versicherer zu sachlich korrekten Bewertungen?

Frau König kommt aus der Versicherungswirtschaft, aus deren Rechnungswesen, kommt auch aus der KPMG. Es hätte unterstellt werden dürfen, dass ihr diese Technik hätte geläufig sein dürfen.

Jetzt, wo sie auch Einblick in die Bewertung von Handelsbüchern der Kreditinstitute hat, sollte sie doch zumindest aus Gründen der Gleichbehandlung von Finanzdienstleistern auf einheitliche Methoden bestehen.

Vordergründig könnten Gegner den Verdacht äußern, was das denn soll?

Hintergründig geht es dabei um sachgerechte Bilanzierung und ordentliche Kundenabrechnung. Lebensversicherungskunden werden über den Tisch gezogen und die BaFin behauptet frech, dass der Schutz der Versicherer höher anzusetzen ist als der Wunsch des Kunden, des Verbrauchers um Auskunft. Eine Frechheit wie die BaFin aktuell agiert.

Im jüngsten Streit mit der Deutschen Bank hatte übrigens eben diese BaFin der Deutschen Bank zumindest zeitweise eine falsche Bilanzierung "vorgeworfen".

Wenn die BaFin, Frau König, diesen Streit so laut öffentlich austrägt, dann sollte man von ihr erwarten dürfen, dass sie zuvor überprüft hat, ob "ihr eigenes Pulver trocken" ist.

Kurzum, ohne den Vorstand der Deutsche Bank in Schutz nehmen zu wollen, dass was hier verbal und schriftlich von der BaFin abgeliefert wird, ist mehr als bedenklich. Es geht gar nicht!

Es sind nicht einmal mehr die "großen", amüsanten Sprüche eines Showmasters Sanio zu hören.

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