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26.01.2015

17:09 Uhr

Bafin-Direktor Röseler

Finanzaufsicht warnt vor riskanter Renditejagd

ExklusivEine mögliche Liquiditätsschwemme an den Märkten lässt bei der Finanzaufsicht Bafin die Alarmglocken schrillen. Exekutiv-Direktor Raimund Röseler warnt im Interview vor der höheren Risikobereitschaft der Banken.

Raimund Röseler, Exekutiv-Direktor der Bafin, warnt vor den Folgen der EZB-Geldpolitik. dpa

Raimund Röseler, Exekutiv-Direktor der Bafin, warnt vor den Folgen der EZB-Geldpolitik.

FrankfurtDie Finanzaufsicht Bafin zeigt sich besorgt über die möglichen Folgen der durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank verursachten Liquiditätsschwemme an den Finanzmärkten. „Die Banken könnten anfangen, riskantere Ertragsquellen zu suchen, um mehr Rendite zu erwirtschaften“, warnt der für die Bankenaufsicht zuständige Exekutiv-Direktor Raimund Röseler im Interview mit dem Handelsblatt. Erste Anzeichen dafür kann er zwar noch nicht erkennen, doch der Margendruck gerade im Mittelstandsgeschäft bereitet Röseler zunehmendes Unbehagen. „Man muss sich fragen, ob im Kreditgeschäft noch alle Banken risikogerechte Preise verlangen“, sagte er.

Trotz des wachsenden Ertragsdrucks für die Banken müssen Privatkunden seiner Ansicht nach nicht die Einführung flächendeckender Strafzinsen für ihre Ersparnisse befürchten. „Private Einlagen haben sich immer als stabile Refinanzierungsquelle bewährt. Banken wollen daher die privaten Einlagen als Basis für die Refinanzierung behalten“, sagte er.

Zwölf ereignisreiche Bafin-Jahre

Mai 2002

Die Bafin heißt vollständig Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. 2002 entsteht sie durch die Zusammenlegung der Bundesaufsichtsämter für das Kreditwesen, den Wertpapierhandel und das Versicherungswesen. Erster Präsident: Jochen Sanio.

Juni 2003

Die Anschläge des 11. September bringen die Mannheimer Lebensversicherung AG in Schieflage. Die Bafin erarbeitet eine Auffanglösung – später übernimmt die Protektor Lebensversicherung AG das Unternehmen.

März 2005

Der Phoenix Kapitaldienst GmbH untersagt die Bafin ihre Geschäfte. Die Finanzaufsicht hatte von Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Treuhandgeldern in Höhe von 680 Millionen Euro erfahren.

März 2006

Die Bafin muss feststellen, dass einer ihrer Beamten Geld veruntreut hat – jahrelang. Der Mitarbeiter wird später zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Schaden für die Behörde liegt bei 6,4 Millionen Euro.

2007

Juli: Die IKB Deutsche Industriebank AG macht Probleme, im Zuge der weltweiten Finanzkrise gerät die Bank ins Trudeln. Die Bafin organisiert einen Rettungsschirm, der mehrmals erweitert wird, bevor die staatliche KfW ihre Anteile an die Lone-Star-Gruppe überträgt.

August: Nun bekommt auch die Landesbank Sachsen Probleme, die Bafin befürchtet einen Liquiditätsengpass. Später übernimmt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Institut.

2008

Februar: Die Bafin überprüft die Hypo Real Estate (HRE). Das Institut kann nur mit Hilfe der privaten Finanzwirtschaft und erheblicher Staatsunterstützung stabilisiert werden.

Frühjahr: Die WestLB AG, die BayernLB sowie die HSH Nordbank AG beantragen beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung die Gewährung von Garantien.

April: Die Bafin ordnet ihre Führung neu. Nachdem bislang Präsident Sanio die Behörde allein leitete, werden ihm nun vier Exekutivdirektoren zur Seite gestellt: Sabine Lautenschläger für die Bankenaufsicht, Karl-Burkhard Caspari für die Wertpapieraufsicht, Thomas Steffen für die Versicherungsaufsicht und Michael Sell für Querschnitts- und Verwaltungsaufgaben.

2011

Januar: Das Europäische System der Finanzaufsicht nimmt seine Arbeit auf. Auch die Bafin ist beteiligt und Mitglied in Gremien und Arbeitsgruppen. Außerdem entsendet sie Mitarbeiter in die europäischen Behörden.

Dezember: Präsident Jochen Sanio geht in den Ruhestand, Nachfolgerin wird Elke König. Im Direktorium sitzen neben König die Exekutivdirektoren Raimund Röseler für die Bankenaufsicht, Gabriele Hahn für Querschnitts- und Verwaltungsaufgaben, Felix Hufeld für die Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht und Karl-Burkhard Caspari für Wertpapieraufsicht und Asset-Management.

2014

Große Aufgabe: Die 2300 Bafin-Mitarbeiter kontrollieren 1880 Banken, 680 Finanzdienstleister, 600 Versicherer, 30 Pensionsfonds, 5900 inländische Fonds und 77 Kapitalanlagegesellschaften. Allerdings wird die Bafin im Zuge der Europäischen Bankenunion Anfang 2016 ihre Zuständigkeit für deutsche Großbanken verlieren.

Fortschritte beobachtet Röseler bei den Ermittlungen im Skandal um manipulierte Referenzzinssätze. „Beim Referenzzins Libor stehen wir unmittelbar vor dem Abschluss der Prüfungen“, sagte er. Die Untersuchungen zur Manipulation von Devisen dauerten dagegen noch an. Systematisch sind Wechselkurse nach Erkenntnis der Bafin aber nicht manipuliert worden. „Das war einfach die Gier einzelner Personen beziehungsweise einzelner Gruppen“, so Röseler. Beim Goldpreis hätten die Behörden dagegen „keine Anzeichen für Manipulationen“ gefunden.

Das vollständige Interview mit Raimund Röseler finden Sie als Digitalpass-Kunde hier zum Download.

Von

yo

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

27.01.2015, 14:05 Uhr

"Exekutiv-Direktor Raimund Röseler warnt im Interview vor der höheren Risikobereitschaft der Banken."

Darf man das so verstehen, dass Röseler sich für die Nullzins-Politik der EZB und gegenüber einem Banksystem islamischer Anschauung stark macht?

Betrachtet man die BAFin als Ganzes, so sollte man sich Gedanken darüber machen diese Behörde gänzlich abzuschaffen oder mit kompetentem Personal auszustatten. Da ein Aufbau von Unten nach Oben äußerst langwierig ist, sollte damit von Oben nach Unten begonnen werden.

Eine Möglichkeit wäre, die BAFin-Funktion für den Bankenbereich dem Bundesverband deutscher Banken und den Versicherungsbereich den Versicherungslobbyisten zu übertragen. So unsinnig wie dies klingt ist es nicht. Schließlich muss man zur Kenntnis nehmen, dass die BAFin auch nicht anderes macht als den Lobbyisten zu folgen.

Nach eigem Verständnis ist die BAFin nicht einmal für den Verbraucherschutz zuständig. Sie arbeitet für Ihre Sponsoren wie jede anderen Kammer (Anwalts- und Notarkammer) auch.

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