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15.11.2015

08:47 Uhr

Bain-Studie

125.000 Jobs bei Banken auf der Kippe

VonYasmin Osman

Banken haben ein Gewinnproblem, warnt die Managementberatung Bain in einer Studie: Die Institute erwirtschafteten Renditen, die unter den Kapitalkosten liegen. Doch es gebe Chancen, 25 Milliarden Euro zu sparen.

Einer Bain-Studie zufolge sind auch die wirtschaftlichen Aussichten der Institute derzeit eher düster. dpa

Dunkle Wolken über den Banken in Frankfurt am Main

Einer Bain-Studie zufolge sind auch die wirtschaftlichen Aussichten der Institute derzeit eher düster.

FrankfurtDeutschen Banken droht eine Ära des Rotstifts, davon geht zumindest die Unternehmensberatung Bain aus. Die Eigenkapitalrenditen der Banken liegen einer Bain-Studie zufolge nämlich unter den Eigenkapitalkosten der Institute und damit unter den Rendite-Ansprüchen potenzieller Investoren. Bain hat für 2014 eine Eigenkapitalrendite von 2,1 Prozent ausgerechnet und Kapitalkosten in Höhe von 7,7 Prozent.

Daraus ergibt sich eine Lücke von 25 Milliarden Euro. Das Problem trifft fast alle Institute: Gerade einmal sechs Prozent der Banken sind profitabel genug, um mehr als ihre Kapitalkosten zu erwirtschaften. Bains Angaben zur Eigenkapitalrendite weichen von Daten der Bundesbank ab, die die Eigenkapitalrendite nach Steuern mit 3,95 Prozent angibt. Allerdings schlägt die Bundesbank bestimmte Rücklagen, die die Institute bilden, auf den Nachsteuergewinn oben drauf.

Die Bain-Studie reiht sich damit nahtlos ein in die Appelle von Bankenregulierern, die die Branche für ihre Ertragsschwäche kritisieren. Zuletzt hatten die Chefin der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Danièle Nouy, sowie Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret die Ertragsschwäche der Banken kritisiert.

Stellenabbau-Pläne europäischer Großbanken

Barclays

Derzeit: 132.300 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 19.000 Stellen bis 2016

Bei Barclays waren zunächst 30.000 Stellen im Gespräch, die wurden jedoch nicht bestätigt. Der Plan sieht vor 19.000 Stellen bis 2016 zu streichen.

Credit Suisse

Derzeit: 140.000 Stellen

Abgebaut werden: 19.000 Stellen

Deutsche Bank

Derzeit: 103.000 (nach geplanter Festeinstellung externer Kräften)

Abgebaut werden: 26.000 Stellen (ein Großteil durch Verkauf der Postbank)

HSBC

Derzeit: 259.834 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 50.000 Stellen bis 2017

Standard Chartered

Derzeit: 84.000 Mitarbeiter

abgebaut werden: 15.000 Stellen

Unicredit

Derzeit: 146.600 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 18.200 Stellen, 6.000 davon durch die Abspaltung der Fondsgesellschaft Pioneer und den Verkauf der Ukraine-Tochter

Der Bundesverband der deutschen Banken (BdB) hält die Ertragschancen der Branche allerdings für limitiert. „Die nächsten Jahre werden eine eher freudlose Kostenquetscharie sein“, unkte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer daher vor kurzem auf einer Handelsblatt-Konferenz.

Ähnlich sieht es auch die Unternehmensberatung Bain: „Im Kern müssen die Banken ihre strukturellen Kosten angehen“, sagt Walter Sinn, einer der Autoren der Studie. Das Kostensenkungspotenzial der Kreditinstitute beziffert er auf 30 Prozent, umgerechnet 25 Milliarden Euro vor Steuern. Damit verbunden ist der Studie zufolge ein Personalabbau von 125.000 Arbeitsplätzen.

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