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11.01.2005

14:00 Uhr

Ballungsräume extrem verwundbar

Münchener Rück sieht "Megarisiken in Megastädten"

Vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe in Südostasien hat der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück vor Extremschäden in Ballungsräumen gewarnt und mehr Risikobewusstsein gefordert. Die Konzern-Belastungen durch die aktuelle Flutkatastrophe sollen sich aber in Grenzen halten.

Die Region Banda Aceh wurde besonders hart von der Flutwelle in Südöstasien getroffen. Foto: dpa

Die Region Banda Aceh wurde besonders hart von der Flutwelle in Südöstasien getroffen. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. „Megastädte sind allen klassischen Gefahren ausgesetzt, aber sie sind überproportional exponiert und angreifbar“, sagte Münchener-Rück-Vorstand Stefan Heyd am Dienstag in München. Tokio und Miami beispielsweise lägen Gebieten, die stark von Erdbeben beziehungsweise Hurrikans gefährdeten Gebieten.

Für die aktuelle Erneuerungssaison zum Jahresbeginn sieht der Rückversicherer allerdings eine stabile Preisentwicklung in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung. Schadenpotenziale besser zu erkennen sei eine Voraussetzung für die Versicherbarkeit. Zur Abschätzung potenzieller Schadenereignisse und ihrer Auswirkungen hat die Münchener Rück daher spezielle Instrumente wie einen Naturgefahren-Risikoindex entwickelt.

Die größten Gefahren durch Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Wirbelstürme bestehen demnach für die japanische Hauptstadt Tokio gefolgt von den US-Städten San Francisco und Los Angeles. Bei einem Erdbeben in Tokio oder San Francisco beispielsweise könnten allein für die Münchener Rück Brutto-Haftungen in Höhe von jeweils 2,5 bis drei Mrd. € entstehen, sagte Heyd. Auch Tsunami-Wellen wie bei der Flutkatastrophe in Südasien stellten eine potenzielle Bedrohung für Megastädte dar. „Nicht immer werden solche Katastrophen große Städte aussparen.“

Zusätzliche Herausforderungen für die weltweite Versicherungswirtschaft böten zudem besondere klimatische und andere Umwelt-Bedingungen in Millionenstädten wie eine stärkere Wärmeentwicklung, größere Luftverschmutzung oder eine größere Gefahr durch Blitzschlag.

Vom 18. bis 22. Januar veranstalten die Vereinten Nationen eine „Welt-Konferenz zur Reduzierung von Naturkatastrophen“, bei der auch Experten der Münchener Rück über potenzielle Risiken für Millionenstädte und Konsequenzen für die Versicherungswirtschaft referieren wollen.

Größtes Schadenereignis für die Münchener Rück bisher war das Erdbeben von 1906 in San Francisco, das das Unternehmen fast 15 % seines damaligen Prämienvolumens kostete. Dagegen werden sich die Belastungen für den Konzern durch die Flutkatastrophe in Südasien in Grenzen halten. Heyd schätzte den Schaden für die Münchener Rück erneut auf unter 100 Mill. €. Wahrscheinlich sei eine Bandbreite von 50 bis 100 Mill. €. Die Münchener Rück hatte bereits erklärt, dass die für 2004 erwartete Gewinnspanne dadurch nicht gefährdet werde. „Der Korridor von 1,8 bis zwei Mrd. € ist nach wie vor der, den wir halten“, bekräftigte Heyd.

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