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29.01.2010

13:39 Uhr

Bâloise

Abwerbeschlacht beim Deutschen Ring

VonThomas Schmitt

Der Streit um die Vorherrschaft beim Deutschen Ring weitet sich aus und die Auseinandersetzung um die Zerschlagung des Hamburger Versicherers wird schärfer. Die Schweizer Bâloise kündigte gestern eine neue Vertriebsgesellschaft an - sie will so rund 600 Ring-Agenten abwerben. Im Deutschen Ring wird das Vorgehen argwöhnisch betrachtet.

Die Leuchten am Deutschen Ring-Hochhaus stehen für 300 gefährdete Arbeitsplätze, die nach Bâloise abgebaut werden sollen. Pressebild

Die Leuchten am Deutschen Ring-Hochhaus stehen für 300 gefährdete Arbeitsplätze, die nach Bâloise abgebaut werden sollen.

FRANKFURT. Der Eigentümerstreit um die Versicherergruppe Deutscher Ring eskaliert. Die Schweizer Bâloise kündigte gestern eine neue Vertriebsgesellschaft für die Stammvertreter an. Sie will damit rund 600 Ring-Agenten abwerben. Derzeit arbeiten diese sowohl für die Schweizer Ring-Versicherer wie für den Krankenversicherungsverein, der 2009 beim Konkurrenten Signal Iduna unterschlüpfte.

Martin Strobel, Chef der Bâloise, begründete die Aktion mit dem Verhalten des Versicherers Signal Iduna. Der Konkurrent im Übernahmekampf um die Ring-Gruppe sei bereit, Vertreter zu übernehmen. Rund 50 sind Branchenkreisen zufolge schon gewechselt. "Wir handeln jetzt, um die Vertriebskraft zu sichern und weiter auszubauen", sagte Strobel. Sein Gegner, Signal-Iduna-Chef Reinhold Schulte nannte das eine "Panikreaktion". Als neuer Partner für Krankenversicherungen steht bereits der Hamburger Konkurrent Hanse-Merkur für die Schweizer bereit.

Organisation warnt vor überhasteten Wechseln

Im Deutschen Ring wird das Vorgehen der Schweizer skeptisch beurteilt. "Das Ziel kann nur sein, der vorhandenen Stammorganisation das Genick zu brechen", sagte Betriebsratschefin Helga Reichow. Sie fürchtet, dass teure Abwerbeaktionen am Ende vom Innendienst in Hamburg über Kostensenkungen bezahlt werden müssen.

Die Interessengemeinschaft von drei Viertel der Ring-Vertreter, der Hausverein, spricht intern von einer "Zerreißprobe" und einer "offenen Schlacht um die Führung unseres Vertriebs". Hausvereins-Sprecher Stefan Haas rechnet damit, dass ab Anfang Februar viel Geld und andere Vorteile geboten werden. Die Signal Iduna erklärte, für die Ring-Agenten seien Kopfprämien von 500 Euro ausgelobt worden. Haas warnte jedoch in einem Rundschreiben seine Kollegen: "Entscheiden Sie auf keinen Fall überhastet und unter Zeitdruck."

Unabhängig davon drängen die Schweizer auf eine Entflechtung des Innendienstes. Dies stockt unter anderem, weil beide Seiten über die Kostenübernahme streiten. Signal-Iduna-Chef Schulte meint, das müssten die Schweizer allein bezahlen. Es geht dabei um zweistellige Millionenbeträge.

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