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03.08.2014

20:18 Uhr

Banco Espirito Santo

Portugal will angeschlagene Bank mit EU-Hilfen retten

Ein paar Milliarden sind noch übrig aus dem EU-Hilfspaket, das Portugal in der Krise bekommen hat. Damit soll nun die angeschlagene Banco Espirito Santo gerettet werden. Aktionäre werden wohl ihr Geld verlieren.

Filiale der Espirito Santo Bank in Lissabon: Tiefe Vertrauenskrise. AFP

Filiale der Espirito Santo Bank in Lissabon: Tiefe Vertrauenskrise.

LissabonDie portugiesische Regierung plant Insidern zufolge die Rettung der angeschlagenen Banco Espirito Santo (BES) mit übrig gebliebenem Geld aus dem EU-Hilfspaket. Das Institut werde im Rahmen der milliardenschweren Aktion voraussichtlich in einen „guten“ Teil sowie eine „Bad Bank“ aufgespaltet, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Sonntag. Die Regierung in Lissabon arbeite intensiv mit der EU-Kommission sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) an den Details des Rettungsplans, der möglicherweise noch am Sonntagabend bekanntgegeben werden soll.

Portugal verließ erst kürzlich das internationale Hilfsprogramm und hat davon noch sechs Milliarden Euro übrig. Davon solle nun zur Rettung der BES mindestens die Hälfte zum Einsatz kommen, berichteten die Insider weiter. Mit dem Geld soll ein Abwicklungsfonds finanziert werden, den Portugal 2012 gründete und der wiederum der „guten“ Bank eine Geldspritze verabreichen könne. Voraussichtlich werde das Unternehmen von der Börse verschwinden und die Aktionäre ihr Geld verlieren. Eine der Personen erklärte, die BES benötige mindestens vier Milliarden Euro.

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Die angeschlagene portugiesische Bank Espirito Santo benötigt wohl möglichst bald eine gewaltige Finanzspritze von drei Milliarden Euro. Die Hiobsbotschaft drückt den Börsenkurs des Geldhauses auf ein Rekordtief.

Der Börsenkurs der BES war am Freitag auf ein neues Rekordtief gefallen. An der Börse in Lissabon verlor er am Freitagnachmittag mehr als 40 Prozent an Wert und erreichte mit 0,12 Euro einen neuen Tiefstand. Der Handel mit BES-Papieren wurde laut Börse daraufhin und in Erwartung einer angekündigten wichtigen Mitteilung ausgesetzt worden.

Am Mittwoch hatte die Bank für das erste Halbjahr den größten Verlust verkündet, den jemals ein portugiesisches Bankhaus verzeichnet hatte. Der Fehlbetrag für die ersten sechs Monate 2014 beläuft sich auf 3,57 Milliarden Euro. Im Vergleichszeitraum 2013 hatte das Minus nur rund 237 Millionen Euro betragen. Verunsicherte Kunden ziehen seit geraumer Zeit ihr Geld von der BES ab.

Alle Kapitalpuffer wurden vernichtet, die Kernkapitalquote fiel unter den von der Notenbank vorgeschrieben Wert. Ausgelöst wurden die Schwierigkeiten durch Geldprobleme der Gründerfamilie der Bank. Die Enthüllungen rund um das Familien-Imperium Espírito Santo lösten in Portugal Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der BES aus: Mehrere Unternehmen der Familie sind insolvent.

Turbulenzen um das Espírito-Santo-Imperium halten die portugiesische Finanz- und Bankenbranche schon seit Wochen in Atem. Ende Mai waren Unregelmäßigkeiten bei der Dach-Holding Espírito Santo International (ESI) bekannt geworden. Sie soll Verluste in Höhe von 1,3 Milliarden Euro verschleiert haben. Zu ESI gehört die Investmentgesellschaft Rioforte, die wiederum 49 Prozent am Kapital der Espírito Santo Financial Group (ESFG) hält. ESFG ist mit 20,1 Prozent der größte Anteilseigner bei der BES, der führenden Privatbank in Portugal.

Auch andere Banken und der Staat bekamen die tiefe Vertrauenskrise zu spüren.

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