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17.01.2008

14:26 Uhr

Bank Itau

Die clevere Familienbank

VonAlexander Busch

Das brasilianische Kreditinstitut setzt vor allem auf das Geschäft mit den Reichen Lateinamerikas. Doch auch an kleinen Kunden verdient die Bank gut. So gut, dass Analysten ihr schon ein Wachstum von 50 Prozent in den nächsten zwei Jahren prophezeien.

Roberto E. Setubal, Vize-Chef der Banco Itau. Foto: Reuters

Roberto E. Setubal, Vize-Chef der Banco Itau. Foto: Reuters

SAO PAULO. Als zum Jahreswechsel Gerüchte umgingen, dass die brasilianische Großbank Itaú die Filialen der spanischen BBVA in Lateinamerika übernehmen wolle, da reichte eine kurze Stellungnahme aus São Paulo, um die Nachrichten ins rechte Licht zu stellen: „Ja, wir verhandeln über den Kauf“, hieß es bei Itaú knapp und selbstbewusst, „aber die Beträge sind weder für BBVA noch für uns besonders bedeutend.“ Immerhin wurde die Kaufsumme in brasilianischen Finanzmedien auf bis zu einer Mrd. Dollar hochgerechnet.

Doch die nach Einlagen zweitgrößte private Bank Brasiliens kann entsprechend selbstbewusst auftreten: Ihr Aktienkurs legte in den letzten fünf Jahren um das Fünfzehnfache zu. Alleine im vergangenen Jahr konnte Itaú seine Marktkapitalisierung um ein Drittel oder 22 Mrd. Dollar steigern. Mit über 60 Mrd. Dollar Börsenwert ist die brasilianische Bank etwa so viel wert wie die Deutsche Bank.

Anders als die Frankfurter muss Itaú wegen seiner familiendominierten Eigentümerstruktur jedoch keine feindliche Übernahme befürchten. Im Gegenteil: Itaú kauft immer öfter selbst dazu, vor allem im Ausland – und ist damit bisher die einzige brasilianische Bank, die ins Ausland expandiert. Vor allem im Bankgeschäft für die wohlhabenden Lateinamerikaner wuchs Itaú bisher über die Grenzen.

In den letzten zwei Jahren hat sich die Bank ein buntes Sortiment an Vermögensverwaltungen in der Region zusammengekauft: Ende 2006 übernahm Itaú von der Bank of America das Lateinamerika-Geschäft der Tochter Bank Boston, darunter auch deren wichtige Private-Banking-Filialen auf den Bermudas und in Miami. Mitte letzten Jahres kamen die Vermögensverwaltungen von ABN Amro im Miami und Montevideo dazu. Heute ist Itaú nach UBS und Citigroup gemessen am verwalteten Vermögen in Lateinamerika die größte private Bank. Nach eigenen Angaben verwaltet Itaú nun weltweit 27 Mrd. Dollar von Privatanlegern.

Itaús Offensive in der lateinamerikanischen Vermögensverwaltung ergibt Sinn: „Das von den Privatbankern verwaltete Vermögen in Brasilien ist seit 2003 jährlich um 15 bis 20 Prozent gewachsen“, sagt Lywal Salles von Itaú Private Banking. Die Nachfrage nach Geldverwaltern nimmt vor allem zu, weil sich das Vermögen der Oberschicht durch die gute Wirtschaftsentwicklung in der Region besonders stark vermehrt. Der Rohstoffboom für Agrar- wie Bergbauprodukte macht Familienerben von Zuckermühlen, Erzminen und Farmen nach der Übernahme durch die Konkurrenz oft über Nacht zu Millionären.Zunehmend schicken die Privatbanken ihre besten Teams in die Provinzen, um an das Vermögen der Neureichen heranzukommen.

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